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Gärtnerbörse: CO2-Abgabe trifft vor allem kleine Betriebe

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Ja, der Zierpflanzenbau ist durch die CO2-Abgaben von Carbon Leakage-Effekten, also drohenden Abwanderungen ins Ausland, bedroht. Und ja, der Zierpflanzenbau ist deshalb beihilfeberechtigt. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt das Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG) nach eingehenden Berechnungen in der aktuellen Ausgabe der Gärtnerbörse 4/2021.

Ausgabe 4/2021 der Gärtnerbörse ‧erscheint am 24. Juli. Titelfoto: Katrin Klawitter

Carbon-Leakage-Risiko für Unterglas-Gartenbau nachgewiesen

Das ZBG hatte bereits im Herbst 2020 in einer Berechnung im Auftrag des Zentralverbands Gartenbau (ZVG) ein Carbon Leakage-Risiko für den gesamten Unterglas-Gartenbau in Deutschland nachgewiesen. Denn Deutschland ist bei Zierpflanzen ein Importland, der deutsche Zierpflanzenbau ist eng mit dem internationalen, insbesondere dem EU-Binnenmarkt verknüpft. Eine Steigerung der Produktionskosten für deutsche Produzenten würde diese also im Vergleich zu den Wettbewerbern im europäischen Ausland benachteiligen und den Anteil der deutschen Produktion am deutschen Markt weiter reduzieren. Der deutsche Zierpflanzenbau erfüllt damit die formalen Kriterien zur Aufnahme als beihilfeberechtigter Sektor.

Der Wermutstropfen: Sollte der Zierpflanzenbau als solcher aufgenommen werden, kann von betroffenen Betrieben allerdings nicht die CO2-Abgabe eins zu eins zurückgefordert werden. Die Höhe des Beihilfebetrages ergibt sich laut ZBG stattdessen aus dem Produkt der maßgeblichen Emissionsmenge abzüglich eines Selbstbehaltes, dem sektorspezifischen Kompensationsgrad und dem Preis der Emissionszertifikate. Die Berechnung ist also sehr kompliziert – gleiches wird auch für den Antragsprozess gelten. Zudem beläuft sich laut ZBG der Selbstbehalt im aktuellen Verordnungsentwurf auf 150 Tonnen CO2 je Betrieb. Das bedeutet, dass für die ersten 150 Tonnen CO2 kein Anspruch auf Erstattung besteht.

Selbstbehalt: kleinere Unternehmen benachteiligt

Nach Berechnungen des ZBG müssen damit beispielsweise Zierpflanzenbau-Betriebe, die vollständig mit Erdgas heizen, eine Gewächshausfläche von 14.260 Quadratmetern bewirtschaften, um den Selbstbehalt zu erreichen, solche, die mit Anthrazitkohle heizen, 8.550 Quadratmeter. Damit fallen bei einem Selbstbehalt von 150 Tonnen CO2 im Unterglas-Anbau etwa 14.260 beziehungsweise 8.550 Quadratmeter aus der Beihilfeberechtigung heraus. Abhängig von Betriebsgröße und eingesetztem Energieträger wird laut ZBG deshalb bei größeren Unternehmen die Auswirkung des Selbstbehalts auf den Erfolg geringer sein, kleinere Unternehmen, die den Zierpflanzenbau dominieren, werden durch den Selbstbehalt gegenüber größeren Unternehmen benachteiligt. Zudem wird der bürokratische Aufwand für den Erhalt von Kompensationszahlungen hoch sein. So, wie die Verordnung derzeit formuliert ist, könnte es zu einer Beschleunigung des Strukturwandels durch Benachteiligung kleinerer Betriebe kommen, folgert das ZBG.

Weitere Themen in der aktuellen Gärtnerbörse

Dieses und viele andere Themen finden Sie in der aktuellen Gärtnerbörse, die am 24. Juli erscheint. Unter anderem geht es darin um Betriebe, Marktgeschehen und Versuche im Bereich Azerca und Frühjahrsblüher, um aktuelle Pflanzenschutzprobleme, neue Technik und – ganz brisant – um die Situation des Bereichs Gartenbau an Universitäten. Da gehen nämlich in wahrsten Sinne des Wortes bald „die Lichter aus“– mit fatalen Folgen für die gesamte Grüne Branche.

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