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Gärtnereien: Schluss mit Endverkauf zum Jahresstart

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Dass der Einzelhandel besonders in kleineren Betrieben oft nicht mehr genug abwirft, ist kein Geheimnis. Viele Betriebe lassen ihn trotzdem weiter laufen, kompensieren mit anderen Bereichen. Für zwei Gärtnereien ist damit jetzt Schluss: Sie haben sich zum Jahreswechsel von ihrem Endverkauf getrennt und konzentrieren sich stattdessen mehr auf lukrative Bereiche im Bereich Dienstleistung und Online-Shop.

Mitarbeiterin Cornelia Varchmin und das Team sind künftig nur noch in der Dienstleistung wie der Raumbegrünung in der Gärtnerei Engel & Engelke tätig. Foto: Engel & Engelke

Schnittblumen-Geschäft wirft nicht mehr genug ab

Einer, der diesen konsequenten Schritt geht, ist Ralf Kretschmer, Inhaber der Friedhofsgärtnerei Kretschmer in Kiel. Seine Begründung: Die Umsätze über sein Ladengeschäft reichten einfach nicht mehr. „Kunden erwarten immer eine große Auswahl an Schnittblumen, wenn sie ins Geschäft kommen, auch, wenn sie sich nur eine einzelne Rose mit Grün aufbinden lassen.“

Die wachsenden Schnittblumen-Angebote im Lebensmitteleinzelhandel, das große Angebot der Baumärkte hätten zu immer weiter sinkenden Schnittblumen- sowie Beet-und Balkonpflanzenpreisen und -abverkäufen geführt. Kretschmer hat lange versucht, gegenzusteuern – musste nach und nach aber die Anzahl an Floristinnen von ehemals fünf auf jetzt eine herunterschrauben.

Blumensträuße künftig nur noch im Online-Shop

Künftig konzentriert sich Kretschmer auf den umsatzstärkeren Bereich Dienstleistungen – bei ihm vor allem der Bereich Friedhof. Diesen und die Ausbildung von jungen Friedhofsgärtnern als großen Schwerpunkt will der Unternehmer intensiv weiter führen. Was nicht heißt, dass Kunden nicht auch weiter Blumensträuße, -kränze und -gestecke bei Kretschmers bekommen können. Die allerdings nur noch auf vorherige Bestellung oder über den Kauf per Online-Shop.

Den betreibt das Unternehmen bereits seit vier Jahren und hat festgestellt: „Online sind Kunden eher bereit, auch größere, hochwertige Stücke, beispielsweise große, hoch gebundene Kränze, zu kaufen.“ Auch immer mehr Firmengeschäfte laufen nach Kretschmers Erfahrungen über den Online-Shop.

Gärtnerei verweist Kunden an die Konkurrenz

Auch Christian Engelke, Inhaber der Dienstleistungsgärtnerei Engel & Engelke mit Standorten in Bückeburg, Bielefeld und Osnabrück, hat zum 1. Januar den Endverkauf seines Betriebs geschlossen – allerdings noch strikter: Künftig müssen Kunden, die einen Blumenstrauß oder einen Kranz kaufen möchten, zum Wettbewerber gehen.

Geschuldet ist auch diese Entscheidung dem allgemeinen Wandel: „Der Endverkauf war für uns lange Jahre die Cashcow, hier haben wir das Geld verdient“, sagt Engelke, der das Unternehmen 2003 von seinen Eltern übernommen hat. Er stand jedoch wenige Jahre später vor der Entscheidung, hier sehr viel zu investieren, um den Endverkauf weiter auszubauen, dafür einige Produktionshäuser umzubauen, weitere Parkplätze zu schaffen. „Das war mir zu riskant.“

Vom Laden zum Showroom für Raumbegrünung

Engelke entschied sich stattdessen, die Weichen vermehrt in Richtung Dienstleistung zu stellen, das Personal in diesem Bereich aufzustocken, weitere Standorte dazu zu nehmen. Es entstanden separate Teams für den Bereich Friedhof und Garten- und Landschaftsbau, außerdem lag Engelke schon damals das Thema Raumbegründung sehr am Herzen. Deshalb übernahm er hier weitere Standorte – erst in Bielefeld, später noch Osnabrück.

Das Einzelhandelsgeschäft ist ab diesem Jahr ausschließlich ein Showroom für die eigenen Dienstleistungen, vor allem die Raumbegrünung. Neben dem Dienstleistungsbereich wird die Eigenproduktion von Beet- und Balkonpflanzen für den eigenen Bedarf weiter geführt.

Mehr zu den beiden Gärtnereien und ihrem Wechsel vom Endverkauf hin zu anderen Bereichen lesen Sie in der TASPO 51/2018.