GaLaBau: Start-up-Hilfe für Firmengründer und -übernehmer

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Zu den Workshops gehört neben der Theorie auch ein praktischer Teil: Wichtig dabei sind auch Betriebsbesuche, bei denen sich Workshop-Teilnehmer mit Jungunternehmern austauschen können. Foto: VGL Nordrhein-Westfalen

Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Nordrhein-Westfalen unterstützt mit dem Bildungszentrum Gartenbau Essen seit 2019 in Workshops potenzielle Firmengründer und -übernehmer. Bereits im ersten Durchgang kamen 20 Interessierte zusammen – mittlerweile gibt es auch schon die ersten erfolgreichen, aus den Workshops entstandenen Betriebe.

Hoher Bedarf an Betriebsnachfolgern im Garten- und Landschaftsbau

Mehr als 40 Prozent der im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen organisierten GaLaBau-Unternehmer sind bereits über 55 Jahre alt, wie der Verband mitteilt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass allein in den kommenden zehn Jahren ein Bedarf von etwa 40 Nachfolgern pro Jahr besteht – und das nur in den VGL-Mitgliedsbetrieben. Gleichzeitig würden auch die Anforderungen an einen Betriebsleiter immer komplexer werden. Die spezifischen Fragen zu einer Betriebsübernahme oder Neugründung könnten darüber hinaus nicht voll im Rahmen der schulischen Ausbildung von Landschaftsbauern beantwortet werden.

Um potenziellen Firmengründern und -übernehmern unter die Arme zu greifen und ihnen das nötige Werkzeug für einen guten Start mitzugeben, bietet der VGL zusammen mit dem Bildungszentrum Gartenbau Essen (BZG) seit 2019 Workshops zu dieser Thematik an, die seitdem in jedem Schuljahr durchgeführt wurden. Die Workshops widmen sich dabei den grundlegenden Fragen rund um eine Selbstständigkeit: Was ist das richtige Alter? Wie sieht es mit Risiken, Work-Life-Balance und Altersvorsorge aus? Unternehmen gründen oder übernehmen? Welche Unternehmensform ist die richtige? Welche Maschinen benötigt man? Und wie kommt man an erste Aufträge? Für diese und weitere spezifische Fragen fahren VGL und BZG ein Großaufgebot von Experten auf: Unternehmensberater, Rechtsexperten, erfolgreiche Jungunternehmer und Spezialisten von der Landwirtschaftskammer.

Praktischer Erfahrungsaustausch gehört zum Workshop-Programm

Neben dem Schulbankdrücken steht ebenfalls der praktische Erfahrungsaustausch mit auf dem Programm für die zukünftigen Betriebsleiter. So stehen etwa Betriebsbesichtigungen bei Start-ups auf dem Lehrplan. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Aufbau eines Netzwerks für die Workshop-Teilnehmer. Nach dem Workshop würden sie laut VGL in eine sogenannte „Erfahrungsaustauschgruppe“ aufgenommen werden und so die Möglichkeit haben, sich gegenseitig beim Einstieg in die Selbstständigkeit zu unterstützen.

Zwei Unternehmer, die mit Hilfe des in den Workshops gewonnenen Wissens ihre eigenen Unternehmen gründen konnten – und auch weiterhin in den Erfahrungsaustauschgruppen vernetzt sind – sind Hendrik Bogie und Andreas Nehring. Bogie absolvierte nach seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner den Techniker am BZG Essen, während er parallel im elterlichen Betrieb Terra Viridis in Meerbusch mitarbeitete. Dieser ist hauptsächlich auf Pflanzgefäße und Objektbegrünung spezialisiert. Nach seinem Abschluss machte Bogie sich selbstständig, indem er im Betrieb seiner Eltern einen eigenen Bereich „Landschaftsbau“ aufbaute und diesen in eine eigene GmbH umwandelte.

Andreas Nehring nennt sich selbst einen „Quereinsteiger“ – er studierte Gartenbau sowie Landschaftsbau und Management in Freising und eignete sich erste praktische Kenntnisse im Garten- und Landschaftsbau über ein Kleingewerbe selbst an, indem er verschiedene Pflegeaufträge übernahm. Im Studium lernte Nehring seine Frau Anna-Lina Selders kennen. Da Selders gebürtig aus dem Rheinland kommt und ihr Vater, selbst Baumschulgärtner, den beiden ein Betriebsgelände vermitteln konnte, machten sie sich im Oktober 2019 gemeinsam in Solingen selbstständig.

Workshop und Gründerberatung helfen „aus den Kinderschuhen“

„Durch mein Studium konnte ich bereits viel Hintergrundwissen erlangen. Allerdings wusste ich da noch nicht einzuordnen, was mich davon wirklich weiterbringt und was nicht“, berichtet Nehring gegenüber dem VGL Nordrhein-Westfalen von seinen Erfahrungen. „Durch die Workshops und die Gründerberatung wurde uns sozusagen ‚aus den Kinderschuhen herausgeholfen‘. Das war sehr viel wert, da uns mit Nachdruck aufgezeigt wurde, was wichtig ist, worauf man zu achten hat und welche Fallstricke es bei der Gründung gibt.“ Auch nach dem Workshop gebe es einen Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen, so Nehring weiter. „Auch die Erfa-Gruppe bringt mich persönlich weiter, da man sich unter Gleichgesinnten vernetzen kann, was gerade für mich als Neuling in der Region sehr wichtig ist.“

Den Austausch mit den anderen Teilnehmern des Start-up-Workshops weiß auch Hendrik Bogie zu schätzen. „Zu einigen habe ich auch ein recht freundschaftliches Verhältnis, wir telefonieren viel und helfen uns hin und wieder mal gegenseitig“, berichtet der junge Unternehmer. „Wir sind alle gedanklich auf einer Ebene, denn am Ende ist die Leidenschaft und der Weg, den man gehen möchte, bei uns allen ein ähnlicher.“

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