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Garten- und Pflanzenversandhandel „Gärtner Pötschke“ orientiert sich mit Insolvenz neu

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Der Online Garten- und Pflanzenversandhandel Gärtner Pötschke ist insolvent. Im Rahmen eines Restrukturierungsverfahrens setzt er künftig auf den Ausbau seiner Schwerpunkte des Pflanzenversandes und des E-Commerces. Das als einer der ältesten Versandhändler Deutschlands bekannte Unternehmen startet nun mit einem neuen Marken-Branding durch.

Restrukturierung von Gärtner Pötschke

Erst vor kurzem meldete das Gärtner Pötschke Gartencenter aus Willich Insolvenz an. Durch den Namen, den mehrere Betriebe in der Grünen Branche tragen, kommt es häufiger zu Verwechslungen mit namensähnlichen Betrieben. Jetzt ist auch das Kaarster Unternehmen Gärtner Pötschke von Geschäftsführerin Cornelia Pötschke-Kirchhartz von einer Insolvenz betroffen. Während des laufenden Restrukturierungsprozesses wurde das Insolvenzverfahren im Februar dieses Jahres beantragt.

„Diese Vorgehensweise ist nicht unüblich“, erklärt Thomas Schulz, Kommunikationsberater und Sprecher für Gärtner Pötschke gegenüber TASPO Online. „Die Vorfinanzierung für das Frühjahrsgeschäft 2019 konnte nicht rechtzeitig sichergestellt und damit wichtige Verhandlungen nicht vorgenommen werden. Jeder Insolvenzverwalter rät Ihnen daher dazu, rechtzeitig Antrag einzureichen, um Sanierungschancen zu wahren.“ Die Geschäftsführung wurde in diesem Zusammenhang durch Dr. Thomas Kluth von der Kanzlei Kluth Rechtsanwälte unterstützt, der zugleich als Sanierungsexperte fungiert.

„Wir haben den Antrag auf eine Restrukturierung im Insolvenzverfahren auf Eigenverwaltung gestellt. Diese Vorgehensweise wurde vor dem Hintergrund der Insolvenzverordnung beschlossen, die seit 1999 die Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglicht, um so bei einem mittelständischen und familiären Unternehmen vorzugehen“, führt Thomas Schulz weiter aus.

Stärkere Fokussierung auf den E-Commerce

Das erst im vergangenen Jahr in der Kategorie „Garten & Heimwerken“ mit dem Deutschen Onlinehandel-Award zum Online-Händler des Jahres ausgezeichnete Traditionsunternehmen blickt auf eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte zurück. Als einer der größten Arbeitgeber am Standort in Kaarst sorgen 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auftrag von Gärtner Pötschke für einen reibungslosen Online-Versand.

Zu Spitzenzeiten versendet das Unternehmen bis zu 15.000 Pakete am Tag. Derzeit umfasst das Sortiment 8.000 Produkte aus den Bereichen Gartenbedarf, Gartenfreizeit und -dekorationsartikel sowie Pflanzen. Im vergangenen Jahr konnte so ein Jahresumsatz von rund 40 Millionen Euro erwirtschaftet werden.

Ziel des nach eigenen Angaben führenden Distanzhändlers für Endverbraucher im Grünen Markt ist eine Neuausrichtung der beiden Schwerpunkte des Pflanzenversandes und des E-Commerces. „Die Aussichten auf einen Erhalt des Betriebes sind sehr gut. So haben sich vor dem eigentlichen Verfahren bereits Investoren bei Gärtner Pötschke gemeldet“, sagt Thomas Schulz.

Ein neues Branding für den Neustart

Zusammen mit der Hamburger Agentur battery wird aus Gärtner Pötschke jetzt pötschke.de. Damit erhält der Versandhändler einen neuen Internetauftritt mit einer neuen Kampagne. Mit dem Werbeslogan „Geklickt. Geschickt. Gepflanzt.“ in Kombination mit einem modernisierten Brand Design soll eine neue Marketingposition angestrebt werden. Das neue Brand Design präsentiert ein optimiertes Firmen-Logo sowie eine angepasste Markenfigur des klassischen Gärtner Pötschke-Gärtners als Markenzeichen des Unternehmens. Die Gärtner-Figur trägt seit Beginn an zur Differenzierung gegenüber anderen Händlern bei und wird daher in einem leicht veränderten Design beibehalten.

 „Wir möchten uns in Zukunft stärker auf den E-Commerce-Bereich konzentrieren, ohne dabei unsere traditionellen Werte aufzugeben“, sagt Daniel Goertz, Marketingleiter bei pötschke.de. Das neue Branding ist bereits im Online-Shop von Gärtner Pötschke sowie in einer ersten Saisonkampagne sichtbar.

Auch Thomas Schulz sieht hier enormes Potential. „Auf der einen Seite wurden die Produkte des Versandhändlers stark im Katalog beworben, auf der anderen bestellen rund 70 Prozent der Kunden sie online. Bei Gärtner Pötschke handelt es sich um einen der ältesten Versandhändler Deutschlands – hier könnte ein Investor, der sich auf E-Commerce konzentriert, Sinn machen.“

Bresserhof übernimmt Gärtner Pötschke Gartencenter aus Willich

Im Januar geriet der Name Pötschke erstmals in die Schlagzeilen. Das gleichnamige Gartencenter in Willich-Schiefbahn meldete Insolvenz an. Das Gartencenter von Geschäftsführer Markus Jungbluth investierte zuvor in 2017 in exklusive Lounge-Möbel. Anfang dieses Jahres wurde mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Claus-Peter Kruth die Insolvenz der Gärtner Pötschke Gartencenter GmbH & CO. KG angestoßen. Während des laufenden Insolvenzverfahrens lief der Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen weiter. Am 1. April eröffnete das Gericht das Insolvenzverfahren und bestellte Kruth von der Kanzlei AndresPartner zum Insolvenzverwalter.

Nach einer erfolgreichen Prüfung der wirtschaftlichen Ausgangslage und den zur Verfügung stehenden Sanierungsoptionen teilte der Insolvenzverwalter nun mit, dass das Gartencenter an die Bresserhof GmbH aus Willich verkauft wurde. Im Zuge der Transaktion verkaufte Kruth wesentliche Vermögenswerte des Unternehmens an die Bresserhof GmbH. Er hat das Unternehmen seit Antragsstellung uneingeschränkt fortgeführt. Durch die Übertragende Sanierung konnten der Betrieb sowie elf Arbeitsplätze am Standort in Willich gesichert werden.

Der Käufer plant, dass Gartencenter mit einem großen Sortiment fortzuführen und weiterzuentwickeln. „Wir werden Teilbereiche weiter ausbauen und das Center Stück für Stück entwickeln. Den Anfang macht der Ausbau des Baumschulbereichs, der wieder zu neuer Blüte erstrahlen soll“, so Lukas Schmitz, Geschäftsführer der Bresserhof GmbH. Das Gartencenter wird künftig unter dem Namen „Gartencenter Besserhof“ weitergeführt und um ein großes Sortiment erweitert. Über den Kaufpreis des Gartencenters sowie wirtschaftliche Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart. Eine Verbindung zwischen dem Gartencenter in Willich und dem Garten- und Pflanzenversandhandel Gärtner Pötschke besteht laut Thomas Feldmann, Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Claus-Peter Kruth, nicht.