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Gartenbau 4.0: Wer bildet die Gärtner der Zukunft aus?

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Wer sich heute für den Beruf des Gärtners entscheidet oder ein Gartenbau-Studium anstrebt, denkt vielleicht nicht sofort daran: Neben bunten Blümchen und roten Früchten geht es in den Berufen inzwischen auch maßgeblich um Technik und Digitalisierung, die Verknüpfung und Nutzung von Daten – eben alles, was sich unter dem Schlachtruf „Gartenbau und Landwirtschaft 4.0“ finden lässt. Aber kommen diese Inhalte ausreichend in der Hochschul- und beruflichen Ausbildung vor?

Technik und Digitalisierung spielen auch im Gartenbau eine immer größere Rolle. Foto: highwaystarz/Fotolia

Die Teilnehmer einer Podiumsveranstaltung des Bundesverbandes der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur (BHGL) und der VDL-Landesverband Ost, Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt hatten Ende Juni in Berlin als klare Antwort: „(Noch) nicht“.

Digitalisierung kaum in der Hochschulausbildung verankert

Der Vizepräsident des BHGL, Prof. Uwe Schmidt, betonte in seiner Keynote, dass im internationalen Vergleich das Thema Digitalisierung hierzulande nur in geringem Maße in der grünen Hochschulausbildung verankert sei. „Hier besteht noch erheblicher Nachholbedarf“, stellte Schmidt fest. Gleichzeitig wünschte er sich mehr Technikinteresse und -verständnis bei den Studierenden selbst.

Jochen Flenker, Vorsitzender des VDL-Landesverbands Ost, sieht die Ausbildung an einem Scheidepunkt. „Werden wir es schaffen, die grüne Ausbildung an die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt von morgen anzupassen?“ Oder müsse man das Feld anderen Ausbildungsgängen überlassen? Gleichzeitig warnte Flenker vor Schnellschüssen. Vielmehr sei es erforderlich, die Anforderungen der Arbeitswelt zunächst genau zu ermitteln und vorhandene Defizite anschließend zu schließen, sagte der VDL-Landesvorsitzende.

Defizite in der technischen Ausstattung von Berufs-, Fach- und Hochschulen

Die Teilnehmer der von der Agrarjournalistin Julia Reinhardt moderierten Podiumsdiskussion stimmten darin überein, dass das Fach Digitalisierung stärker in die Lehr- und Ausbildungspläne verankert werden müsse. Darüber hinaus gebe es erhebliche Defizite in der personellen und technischen Ausstattung sowohl an den Berufs- als auch den Fach- und Hochschulen.

Rainer Spiering (MdB) wies in diesem Zusammenhang auf das finanzielle Engagement von einzelnen Unternehmen der Agrarwirtschaft hin, die teilweise sogar eigene Lehrstühle für Fragen der Digitalisierung an den Hochschulen mitfinanzierten. Eine Entwicklung, die Prof. Fritz-Gerald Schröder von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden kritisch sieht, da er unter anderem um die Neutralität der Wissenschaft fürchtet.

„Die digitale Welt von morgen wird ohne Agrarier und Gartenbauer nicht funktionieren“

Für Nico Domurath von der Integar GmbH aus Dresden bestanden keine Zweifel, dass die grüne Ausbildung weiterhin eine Zukunft hat. Allerdings komme es in immer stärkerem Maße darauf an, dass Agrarier und Gartenbauer in der Lage sind, die digitale Welt und ihre Akteure zu verstehen. Lars Abraham von der Dropnostix GmbH unterstützte diese Aussagen. „Die digitale Welt von morgen wird ohne Agrarier und Gartenbauer nicht funktionieren, allerdings wird eine Affinität zu technischen Fragen immer wichtiger“, fügte Abraham hinzu.

Auch Klaus-Herbert Rolf von 365farmet (Berlin) betonte, dass zukünftig Projekte erfolgreich realisiert werden können, wenn IT-Experten und Agrarier „ein Grundverständnis für die Sichtweise des jeweils anderen besitzen“.