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Gartenbau: „Entspannt ist die Lage in Bayern noch nicht“

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Corona hält die Bundesrepublik nach wie vor fest in seiner Hand. Zumindest der Gartenbau kann in manchen Bundesländern dank der starken Umsätze von Gartencentern und Baumärkten zuletzt aufatmen. Doch wie ist die Situation in Bayern, wo mit als letztes die Absatzwege wieder geöffnet wurden? Diese Frage beantwortet Jörg Freimuth, Geschäftsführer des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes (BGV), im Interview mit der TASPO.

Corona hat den Gartenbau vor große wirtschaftliche Herausforderungen gestellt. In anderen Bundesländern hat sich die Situation mittlerweile entspannt. Wie sieht die Lage in Bayern aus?

Entspannt ist die Lage in Bayern noch nicht. Die direktabsetzenden Betriebe waren bis 20. April geschlossen. Das Geschäft läuft gerade wieder an. Bis dahin haben sich die Betriebe mit regionalem Lieferservice über Wasser gehalten – viel Arbeit, wenig Ertrag in dieser Zeit. Insgesamt hoffen diese Betriebe, mit einem oder zwei blauen Augen davon zu kommen. Dramatischer sieht die Lage bei Produktionsbetrieben aus, deren Absatz sich auf bayerische Gartencenter und Einzelhandelsbetriebe konzentriert hat.

Bayern hat mit als letztes Bundesland Gartencentern und Baumärkten erlaubt, wieder zu öffnen. In anderen Bundesländern konnten deren starke Umsätze der vergangenen Wochen die anfänglichen Verluste des Gartenbaus etwas auffangen. Wie stehen bayerische Betriebe im Vergleich da?

Einzelhandelsgärtnereien und einigen inhabergeführten Gartencentern ist es durch den Lieferservice und die gesteigerte Nachfrage nach Gemüsejungpflanzen gelungen, die Eigenproduktion, die bei den Frühjahrsblühern in großem Stil vorhanden ist, nahezu komplett abzusetzen. Aber eben mit deutlich größerem Aufwand. Es fehlte das gesamte Zusatzgeschäft mit Erden, Gefäßen und aus dem Accessoires-Bereich. Teilweise war die Verfügbarkeit von Leihtransportern die limitierende Größe. Belastet hat die Betriebe die sich teilweise täglich durch die Kontrollbehörden geänderte Auslegungspraxis, was noch erlaubt ist und was nicht. Die Befürchtungen und Ängste waren sehr groß. Das hat die Branche auch deutlich kommuniziert, sodass es eine wirklich große Aufmerksamkeit in der Tagespresse für den Gartenbau in Bayern gab.

Aus anderen Bundesländern hört man positive Nachrichten. Es sei dort mit nur wenigen gartenbaulichen Unternehmen zu rechnen, die die Corona-Krise nicht wirtschaftlich überleben. Wie sieht das in Bayern aus?

Wir können noch keine konkreten Zahlen nennen, vermuten aber, dass unter zehn Prozent der Betriebe in große wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen. Das beruhigt uns aber überhaupt nicht, sind es doch oft die innovativen und investitionsfreudigen Unternehmen mit hohem Fremdkapitalanteil, die in Schwierigkeit geraten. Die Förderprogramme wie Soforthilfe sind für diese Betriebe nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Eine weitere Befürchtung ist, dass der erwartete Schrumpfungsprozess sich jetzt erst einmal beschleunigt. Überlegt es sich doch ein Unternehmer mit Mitte 50 ohne Nachfolger zweimal, ob er sich nochmals massiv verschuldet, um den Rest seines Unternehmertums nur noch für unverschuldet entstandene Schulden arbeiten zu müssen. Deshalb steht zu erwarten, dass Betriebe früher die Tore schließen, als das vor Corona geplant war.

Das komplette Interview mit Jörg Freimuth zur Lage des bayerischen Gartenbaus in Zeiten von Corona lesen Sie in der TASPO 18/2020, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.

Weitere Meldungen zur Corona-Krise finden Sie unter dem Newstag „Coronavirus“.

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