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Herbizid-Vergiftung: Bauer gewinnt gegen Monsanto

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Bittere Pille für Monsanto: Der Agrochemiekonzern ist jetzt in Frankreich dazu verurteilt worden, einen Landwirt für erlittene Vergiftungserscheinungen nach dem Gebrauch des Herbizids Lasso zu entschädigen. Obwohl das Pflanzenschutzmittel aufgrund von Gesundheitsrisiken in mehreren Ländern bereits seit Jahren verboten ist, weist Monsanto in einer ersten Stellungnahme jegliche Verantwortung von sich – und kündigt an, gegen den Gerichtsentscheid Widerspruch einzulegen.

Nach der Kontrolle seines Herbizid-Tanks hatte ein französischer Landwirt schwere Gesundheitsschäden erlitten. Foto: B. Wylezich/Fotolia

Niederlage bereits in erster Instanz

Bereits in erster Instanz hatte Monsanto gegen Paul François den Kürzeren gezogen, wie unter anderem die taz berichtet. Nun hat auch das Berufungsgericht in Lyon dem 47-jährigen Landwirt Recht gegeben. Dieser hatte im April 2004 einen Tank mit dem von ihm verwendeten Monsanto-Produkt Lasso kontrollieren wollen und dabei das in dem Pflanzenschutzmittel enthaltene Lösungsmittel Monochlorbenzol eingeatmet. Wie die taz schreibt, wurde dem Bauern daraufhin übel, er spuckte Blut und fiel in Ohnmacht.

Wie es weiter heißt, habe François noch Wochen danach unter Bewusstseinstrübungen, Sprechproblemen und heftigen Kopfschmerzen gelitten. Gut ein halbes Jahr später brach der Landwirt schließlich zusammen und lag im Koma. Ärzte konnten dem Bericht zufolge zunächst keinen Zusammenhang mit dem Herbizid herstellen. Erst eigene Recherchen des französischen Landwirts führten laut taz-Bericht zu diesem Schluss.

Monsanto: Herbizid Lasso „nicht gefährlich“

Der Vertreter von Monsanto bestritt vor dem Berufungsgericht jegliche Verantwortung des Konzerns für die erlittenen Vergiftungserscheinungen. Seiner Aussage zufolge sei das Herbizid mit dem Monochlorbenzol „nicht gefährlich“ und die vom Kläger angeführten Folgen „inexistent“, schreibt die taz.

Dieser Einschätzung widersprach das Berufungsgericht: Monsanto habe vielmehr wegen der ihm bekannten Risiken die Verbraucher auf der Verpackung ungenügend informiert. Somit trage der Hersteller selbst dann eine Verantwortung, wenn ein potenziell gefährliches Produkt noch zum Vertrieb zugelassen ist – laut taz ein Grundsatzentscheid zum Schutz der Konsumenten.

Weitere Klagen gegen Agrochemie?

„Zum ersten Mal wird ein Hersteller von Herbiziden wegen der Vergiftung eines Landwirts finanziell zu Entschädigungen verantwortlich erklärt“, wird der Anwalt des Klägers in der taz zitiert. Der Jurist hofft nun darauf, dass der Präzedenzfall weitere Klagen gegen die Agrochemie nach sich zieht. Auch Sammelklagen mehrerer Geschädigter im Umkreis besprühter Felder seien demnach denkbar.

Wie Monsanto in einer offiziellen Stellungnahme zu dem Gerichtsentscheid schreibt, habe der Kläger jedoch nicht hinreichend beweisen können, das Pflanzenschutzmittel Lasso von Monsanto Frankreich gekauft zu haben. Außerdem führt das Unternehmen das „Fehlen von Beweisen für das Vorhandensein von Lasso und eben nur Lasso im Tank der Feldspritze, der angeblich im April 2004 gereinigt wurde“ an.

Monsanto will Urteilsbegründung überprüfen

„Darüber hinaus können zahlreiche Mediziner, die sich mit diesem Fall beschäftigt haben, so auch ein eigens vom Berufungsgericht bestellter Experte, keinen kausalen Zusammenhang zwischen der angeblich versehentlichen Exposition und den vermeintlichen gesundheitlichen Schäden, für die Herr Francois eine Entschädigung fordert, feststellen“, heißt es auf der Webseite von Monsanto.

Entsprechend will der Pflanzenschutzmittelhersteller die Urteilsbegründung in den kommenden Tagen überprüfen, „um einen Widerspruch an den französischen Obersten Gerichtshof (Cour de Cassation) vorzubereiten“.