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Gartencenter von morgen wird grüner!

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Wie sieht das Gartencenter von morgen aus? Renate Veth berfragte einige Gewächshausbauer für den TASPO Gartenmarkt. Beim Grünanteil gehen die Meinungen auseinander. 

Gartencenter und Fachzentren werden zu einem Ausflugsziel für die ganze Familie. Zeichnung: Smiemans

Modernes Gartencenter: Mehr als nur Pflanzen kaufen

Ein modernes Gartencenter ist mehr als nur ein Ort, um Pflanzen zu kaufen. Es mutiert zu einem Erlebniscenter mit Wohlfühlcharakter für die ganze Familie. Man kauft nicht nur Pflanzen, sondern holt sich beim Ausflug zum Gartencenter Inspiration, Ideen und Erholung. Diese Perspektive, die der Gewächshausbauer Kräss GlasCon beschreibt, eröffnet Chancen gerade auch an Standorten, die zurzeit anscheinend weniger gute Aussichten haben: auf dem Land.

Der moderne Städter sucht am Wochenende ein Ausflugsziel im Grünen und nimmt dabei einen weiten Anfahrtsweg von rund 50 Kilometern in Kauf – wie der Ansturm bei den Gartenfestivals zeigt. Ein Gartencenter, das sich als Ausflugsziel für die Familie oder einfach zum Kaffeetrinken in grüner Umgebung positioniert, hat auf dem Land gute Chancen.

Freizeit und Erlebnisse auf dem Land schaffen

Jeroen Smiemans von Smiemans Gewächshausbau bestätigt das: „Wir stellen immer wieder fest, dass die Themen Freizeit und Erlebnisse innerhalb der internationalen Gartencenter-Branche an Bedeutung gewinnen.“ Die Kunden würden sich nach etwas Besonderem sehnen. Deshalb lassen sie sich zu Mehrausgaben verleiten, wenn man ihnen – neben dem eigenen Sortiment – auch andere Dinge anbietet.

„Denken Sie in diesem Zusammenhang an eine Erweiterung Ihres Sortiments, an eine Lokalität, wo man etwas Leckeres essen oder etwas trinken kann. Oder denken Sie an zusätzliche Angebote in Form von Workshops und Unterhaltung,“ rät er.

Diese Ideen wurden bei jüngsten Smiemans-Projekten berücksichtigt: Die Gartenzentren Groenrijk ’t Haantje (NL), Groves und M&C (GB) wurden durch interessante Eingangsbereiche verschönert oder um ein Restaurant erweitert, das die Kunden zum Verweilen einlädt.

Kulturevents oder Feste für alternative Nutzung des Gartencenters


Nach Erfahrung von Torsten Fojtzik, Gewächshausbauer Plonka, bieten Gartencenter schon zu Zeiten der primären Nutzung einen außergewöhnlichen Rahmen, zum Beispiel für Kulturevents oder Festveranstaltungen.

„Dementsprechend legen Bauherren verstärkt auch Augenmerk auf die bauliche Innenausstattung und Aufteilung der Glashausbauten“, erklärt er. Für Investoren von Baumarktgartencentern stünden alternative Möglichkeiten der Gebäudenutzung, zum Beispiel nach Auslaufen eines Pachtvertrages, im Fokus. Dieser Planungsansatz stehe allerdings nicht selten im Widerspruch zu den besonderen Anforderungen an eine Gewächshausanlage, wie sie Mensch/Kunde und Pflanze stellen. So werden Neubauten mittlerweile hohen energetischen Standards unterworfen und nicht selten auch nach Kriterien einer Drittverwertbarkeit errichtet.

Auf mehreren Ebenen in der Stadt

Die Stadt als Standort ist bei Gartencentern noch kein Thema, aber „das wird sich in den nächsten Jahren ändern“, ist Karl Bärlin, Geschäftsführer Rabensteiner überzeugt. Immer mehr ältere Menschen ziehen in altengerechte Wohnungen in die Stadt und wollen auch dort die Nahversorgung möglichst fußläufig. Das Sortiment muss aber angepasst werden, rät Bärlin.

Man sei bei Rabensteiner auf solche Anfragen mit entsprechenden Konzepten vorbereitet. Ohne weiteres könnten 2.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auch auf zwei bis drei Ebenen angeordnet werden. „Das Gartencenter von morgen wird wieder „grüner“ werden!“, konstatiert Bärlin. Menschen sehnten sich auch zu Hause wieder nach mehr Grün und hätten bald keinen Platz mehr für allerlei Krimskrams in ihren Wohnungen. „Diese Welten darzustellen, das ist die Aufgabe der Betriebe.“ Bärlin: „Wir müssen auch darauf mit unseren Gebäuden reagieren und möglichst flexible Systeme bauen.“ Dort, wo es möglich ist, sollte auch das Erlebnis immer mehr im Vordergrund stehen (Café, Gastronomie, Events). Auch darauf müsse der Hersteller bei der Planung des Gewächshauses reagieren.

Mehr Platz für Handelswaren und Zubehör schaffen

Das Interesse, auch in der Stadt zu bauen, würde aus Sicht der Bauherren bestehen, so ist auch die Einschätzung beim Gewächshausbauer Siedenburger. Allerdings scheitere das meistens an der Grundstücksproblematik und dem großen Investitionsvolumen. Die Grundstücke seien in der Regel für ein Gartencenter zu klein, sodass in die Höhe gebaut werden müsste. Durch diese Umstände gebe es aktuell keine konkreten Anfragen, berichtet Jens Riemer.

Beim Gartencenter von morgen werden nach Einschätzung Siedenburgers Energieeinsparmaßnahmen gefragt sein. Eine gute Isolierung der Gebäudehülle sei auf lange Sicht rentabel. Dabei werden möglichst viele Bereiche mit Sandwichpaneelen im Wand- und Dachbereich ausgestattet. Wie Riemer erwartet, werden die Bereiche für Handelswaren und Zubehör in den Gartencentern größer. Der Verkauf von Grünpflanzen nehme ab, sodass auch Unter Glasbereiche kleiner gehalten würden.

Der TASPO Gartenmarkt erscheint insgesamt elfmal pro Jahr. Die nächste Ausgabe kommt am 11. Dezember zusammen mit TASPO 50/2015.