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Gartenmarkt: vermehrt nachwachsende Rohstoffe

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Überall geht der Trend weg von Plastik, auch bei Blumen-Anzuchttöpfen und jeglicher Verpackung von Blumen und Pflanzen. TASPO GartenMarkt sprach dazu mit Stephan Weber, Geschäftsführer Vertrieb des Handelsunternehmens Weber Packaging, das hierzulande mit dem Graspapierbecher den derzeit wohl nachhaltigsten Coffee-to-go-Becher überhaupt vertreibt.

Herr Weber, Sie selbst haben in jungen Jahren eine Ausbildung zum Gärtner beim Erfinder der ersten Gartenzentren in Europa absolviert. Wo überall sehen Sie Anwendungsgebiete für Ihre Neuentwicklung?

Entwickelt wurde das dem Graspapierbecher teils zugrundeliegende Papiergemisch von Herrn D’Agnone, dem Geschäftsführer der Creapaper GmbH aus Hennef. Seine Firma bietet mit den sogenannten Graspap Pellets den Rohstoff für diese Papierart an: zu Pellets komprimiertes Gras oder Heu. In dieser stark volumenverringerten und von daher nun schwereren Form lässt es sich von den Papiermühlen sehr gut verarbeiten, da die Pellets zuerst auf den Wannenboden absinken, erst dann Wasser aufnehmen und sich mit diesem homogen vermischen.

Speziell im Gartenmarkt wird Graspapier in dieser hochwertigen lebensmittelechten Qualität weniger eine Rolle spielen, da es bereits wesentlich günstigere haushaltsnah kompostierbare Lösungen gibt, die als Kartonagen oder normale Papiergemische hervorragende Arbeit leisten und biologisch abbaubar sind.

Wird die gute Nachricht, dass es jetzt Papierbecher aus Gras gibt, auch im Gartenbau ihren Niederschlag finden? Inwieweit werden Sie sich bei der Produktentwicklung also auch mit Verpackungen, Töpfen und Anzuchtplatten von Blumen und Pflanzen befassen?

Die Idee, Gras als schnell nachwachsenden Rohstoff für Papiergemische aller Art einzusetzen, finden wir hervorragend. Alleine die Tatsache, dass das Heu in der Pellet-Produktion ohne Zugabe von Wasser zerkleinert und verarbeitet werden kann – im Vergleich zu den tausenden Tonnen Wasser, die bei der Herstellung von Neuware oder Altpapier anfallen – reicht unserer Ansicht nach schon als Grund dafür, auf diesen Rohstoff zu setzen.

In einem Code of conduct haben wir für uns in der Belegschaft sowie in der Geschäftsführung festgehalten, dass wir unseren Kunden ausnahmslos nur solche Produkte anbieten werden, die im einzelnen Kontext unter Berücksichtigung sämtlicher Einflussfaktoren auch tatsächlich den geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Diesen haben wir sogar in Buchform gegossen und dieses dann firmenintern als Hardcover ausgegeben.

Was wir uns im Gartenmarkt vorstellen können, ist der vermehrte Einsatz von Biopolymeren aus Maisstärke wie dem sogenannten PLA. Dieses kann reguläre Folien wie zum Beispiel solche für Blumensträuße in großem Maße ersetzen, weil es biologisch abbaubar ist. Im Gegensatz dazu können transparente Folien aus Polyethylen (PE) lediglich recycelt werden.

Ebenso können wir uns sogenanntes Sekundärmaterial aus kunststoffverarbeitenden Firmen – die ihre Reste entsprechend aufbereitet als recycelbare Kunststoffe in Umlauf bringen – dafür vorstellen. Schon lange im Praxiseinsatz sind im Ackerbau solche Folienmaterialien, die nach erfolgter Anzucht untergepflügt werden können und sich zersetzen.

Leider ist es für den Endverbraucher, aber auch für viele Anwender, nicht sofort ersichtlich, dass es sich bei PLA um keine normale Kunststofffolie, sondern um ein biologisch abbaubares Bio-Polymer handelt, welches industriell kompostiert werden kann. Hier ist dann sehr viel sehr gute Kommunikation intern wie extern durch Marketing, soziale Medien sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nötig.

Gibt es genug Ausgleichsflächen, auf denen das regional verarbeitete Gras wächst? Was, wenn die Flächen wegen großer Nachfrage nicht mehr reichen sollten?

Als Firma, die sich als Mitglied im Verein Mellifera für eine artgerechte und wesensnahe Haltung von Honigbienen einsetzt und bereits Erfahrung mit einem eigenen Projekt in der Haltung von Schwarmbienen gewonnen hat, fällt mir dabei sofort ein, wie schön es wäre, wenn Städte und Kommunen mehr Flächen für Bienenweiden zur Verfügung stellten. Die Wildblumenwiesen, die man dafür benötigt, könnten zum einen den Schwarm- wie auch den noch viel stärker vom Aussterben bedrohten einzeln lebenden Solitärbienen ein entsprechend großes Nahrungsangebot bieten.

Insofern ist aus unserer Sicht das Angebot an Gras und Heu höchster Güte gleich in zweifacher Hinsicht interessant und wichtig für uns alle: Als Bienenweide hinsichtlich der immer wichtiger werdenden Biodiversität, und als Rohstoff für derart neue innovative Papierarten wie das von Creapaper-Geschäftsführer Uwe D’Agnone entwickelte und in unseren Coffee-to-go-Bechern zum Einsatz kommende Graspapier.