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Gastbeitrag: Mit Click and Collect aus dem Lockdown?

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Was ist im Lockdown alles erlaubt? Das fragen sich auch Gärtner, insbesondere im Hinblick auf ihre Absatzwege. Regional ist teilweise Click and Collect eine Möglichkeit. Thomas Hettinger von der Gartenbaumschule Neckarhausen hat sich dazu näher informiert. Im folgenden Gastbeitrag schildert er seine Erkenntnisse.

Lockerung gute Nachricht für Händler im Süden

Click and Collect – erste Öffnungsszenarien sind nun für kleine Gartenbau-Betriebe in Süddeutschland einheitlich. Baden-Württemberg und Bayern ziehen nach und erlauben nun doch die Abholung am Fachgeschäft. Seit 11. Januar dürfen Kundinnen und Kunden wieder Artikel telefonisch und über das Internet bestellen und am Geschäft abholen. Für die Händler im Süden sei die Lockerung eine gute Nachricht, sagte der Handelsverband Baden-Württemberg, der bereits zum Lockdown-Zeitpunkt im Dezember diesen Vertriebsweg zusammen mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut für seine Mitglieder erhalten wollte. Die Grünen-Regierungsfraktion argumentierte dagegen. Große Schlangen vor den Geschäften wurden befürchtet! Was zu Weihnachten also in Rheinland-Pfalz und Hessen erlaubt wurde, war in Bayern und Baden-Württemberg verboten und wurde vor Ort sanktioniert. Manch ein Blumenstrauß wurde von den Ordnungsämtern vorschnell sanktioniert und Schlangen gab es trotzdem – nämlich vor Apotheken, wegen kostenfreier FFP2-Masken.

Gartenbau-Betriebe und Ladenbesitzer mit einem digitalen Kundenstamm können nun wieder beginnen, Saisonware bereitzustellen und vor dem Geschäft oder in einer Abholstation abholen zu lassen, um so mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Nach Angaben des Verbands hätten in den vergangenen Monaten viele Händler entsprechende Click-and-Collect-Angebote entwickelt und dabei darauf geachtet, dass die Hygienemaßgaben eingehalten werden. Doch auch mit der klassischen Mailing-Postkarte oder mit Telefon und WhatsApp können nun die Blumengeschäfte die Frühlings-Aktionstage Mitte Februar erfolgreich bewerben. Der Tagesstatus präsentiert dabei die verfügbaren Angebote oder Fertigsträuße. Es wird ein langer Weg in den unbeschwerten Frühling – holen Sie jetzt den Kunden zurück, denn bis Ostern bleibt die Corona-Situation fragil und kaum planbar!

Wie in TASPO 1/2021 berichtet, hat die Politik im Finanz- und Wirtschaftsministerium mit der Überbrückungshilfe III hierfür einem Zeitraum von Januar bis Juni im Bundeshaushalt 2021 eingeplant. Bei unverkauften Warenbeständen und Verderb sollte eine unabhängige Schadensfeststellung erfolgen und dokumentiert werden, da trotz Überbrückungshilfe sonst nicht entschädigter Warenverlust droht. Weitere Hinweise der Berufsverbände und Sachverständigen sind zu beachten.

LEH hat mit Topfpflanzen- und Schnittblumen-Vermarktung begonnen

Der Lebensmitteleinzelhandel hat bereits mit der Topfpflanzen- und Schnittblumen-Vermarktung begonnen, die Absatzmengen sind aufgrund der Ausgangsbeschränkungen aber deutlich reduziert und Senioren werden oft nicht erreicht. Gerade der kleine Fachhandel auf dem Lande sollte hier nun seine eigene Werbestrategie erarbeiten. Frühjahrsblüher stehen bei den Produzenten in großer Zahl bereit und auf Kreis-Gärtner-Ebene können auch Floristen auf Unterstützer-Gärtner-Netzwerke mit lokaler Saisonware hoffen. Wer jetzt agiert wird auch in der Saison dankbare Stammkunden halten.

Die Forderung nach Einheitlichkeit hat sich im Süden durchgesetzt, die Öffnung für den Blumeneinzelhandel in Nordrhein-Westfalen war dazu der entscheidende Treiber. Die Informationen auf Twitter (@gartenbau_nrw) zur Öffnung des Blumeneinzelhandels haben sich bereits im Dezember rasch in den Landesministerien verbreitet. So war nun im Januar die dort beschriebene und erlaubte Öffnung des Blumeneinzelhandels auf der einen Seite und die komplette Schließung auf der anderen Seite nicht mehr verhältnismäßig. Da sich sogar die Landes-Inzidenz-Zahlen in NRW, mit offenen Blumengeschäften, besser als in Baden-Württemberg und Bayern entwickelt hatten, ist Click and Collect ein erstes Zugeständnis.

Gartenbau wird noch lange mit Eingriffen leben müssen

Auch gegenläufige Entwicklungen sind wieder zu beobachten, so entwickelten sich die über Weihnachten gesunkenen Fallzahlen zum Beispiel im Kreis Esslingen in den vergangenen Tagen in kürzester Zeit wieder nach oben, trotz fortgesetztem Lockdown. Auch eine konsequent betriebene, einzelbetriebliche, behördliche Schadensermittlung in Gartencentern an verderblichen Warenbeständen kann von den Betroffenen noch veranlasst werden. Der Gartenbau hat offenbar eine untergeordnete Bedeutung in der Meldestatistik, wird aber noch lange mit Eingriffen leben müssen.

Der Bundesverband sollte nun behördliche Öffnungen aus virologischer Sicht zielgerichtet und unabhängig von lokalen Ordnungsbehörden bundeseinheitlich für den Gartenbau erarbeiten und fortschreiben. Besonders dem Freigelände von Gartencentern dürfte als nächster Öffnungsschritt noch eine besondere Bedeutung zukommen. Auch Absatzgemeinschaften mit Gemüse-Direkt-Vermarktern können Lösungen sein.

► Weitere Agrar- und Corona-Infos sind unter twitter.com/ThomasHetting10 zu finden.

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