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Gastkommentar: Dazu ist der Gartenbau fähig!

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Not macht erfinderisch: In der Corona-Krise haben viele Unternehmen der Grünen Branche große Flexibilität bewiesen und auf die Schnelle neue Angebote wie Online-Shops, Blumentaxis oder einen Drive-in für Pflanzen realisiert. Auch nach der Pandemie sollte die Branche mutig auf Veränderungen reagieren. Ein Gastkommentar von Franz Josef Isensee, Berater für Handel und Industrie im Grünen Markt bei Co Concept mit langjähriger Führungserfahrung in Vertrieb und Beschaffung.

Franz-Josef Isensee wünscht sich für 2021, dass die Grüne Branche weiter an der Erneuerung der Betriebe arbeitet. Foto: privat

2020 durch Corona ein außerordentliches Jahr

Das Jahr 2020 war in jedem Fall außerordentlich. Durch das Coronavirus wurde jedem von uns deutlich gemacht, dass Geschäfte von heute auf morgen schließen können, Firmen aufgrund von Infektionen nur mit halber Belegschaft auskommen mussten, plötzlich große Warenmengen entsorgt oder nicht mehr storniert werden konnten und man sich mit Staatshilfen statt mit den Kunden beschäftigen musste. Letztlich wirkte sich die Krise für den Grünen Markt – solange man nicht auf das Event- oder Messegeschäft ausgerichtet war – überwiegend positiv aus: Der Verzicht auf Urlaub, Veranstaltungen, großzügige Restaurantbesuche wurde durch mehr Ausgaben für Haus, Wohnung und Garten mehr als ausgeglichen.

Grüne Branche setzte vorher scheinbar Unmögliches kurzfristig um

Für mich war das Besondere der Krise die unglaubliche Flexibilität und Potenziale der Unternehmen der Grünen Branche: Vorher scheinbar Unmögliches wurde kurzfristig umgesetzt, auch wenn manche Initiativen dann durch die Behörden wieder eingeschränkt oder verboten wurden – darunter Online-Shops, Vertrauenskasse, Blumentaxi, Drive-in für Kräuter- und Gemüsepflanzen, Einschränkungen des losen Blumen-Verkaufs, Schließung von alten Ein- oder Ausgängen, Zwangswegeführung, enge Kooperation mit echten Partnern auf der Lieferantenseite sowie echte Wertschätzung und finanzielle Bonifizierung der Mitarbeiter. Aber vieles kam eben erst durch „Druck“ von außen eher gezwungenermaßen als gewollt und geplant zustande.

Ich bin mir sicher, viele gärtnerische Unternehmer kannten ihre Schwächen auch vorher, aber „der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht“. Deshalb wünsche ich mir für 2021, dass sich die Grüne Branche – vorausgesetzt es geht nach dem neuerlichen Lockdown so positiv weiter – nicht auf dem „Virus-Wachstum“ ausruht, sondern weiter an der Erneuerung der Betriebe arbeitet. Wir alle wissen, dass der Markt sich in den nächsten Jahren weiter wahrscheinlich mit größerer Geschwindigkeit ändern wird: mehr Online-Vernetzung, weniger Fachpersonal, abnehmende Standortqualitäten, Veränderung der Wertschätzung von Blumen und Pflanzen, weiter differenzierende Friedhofskultur, Wachstum des Outdoor-Bereichs, um nur einige Punkte zu nennen. Das alles wissen wir, aber handeln wir auch danach?

Mutig mit Veränderungen umgehen – auch nach der Pandemie

Ich wünsche mir, dass der Grüne Fachhandel auch nach der Pandemie mutig mit Veränderungen umgeht, seinen Online-Handel wirklich ernst nimmt und als Investition in die Zukunft und nicht nur als Corona-Übergangsvertriebskonzept sieht. Statt der immer frustrierenden und oft erfolglosen Suche nach Fachkräften an seinen Prozessen und Abläufen arbeitet. Konsequent wirtschaftlich defizitäre Warengruppen neu aufstellt oder aufgibt und dafür seine eigenen Stärken herausarbeitet. Aufgrund eines gesunden Selbstbewusstseins seine Kalkulation für Dienstleistungen und besondere Produkte erhöht. Noch mehr am kostenlosen „Betriebsvergleich 4.0“ teilnimmt. Grundsätzlich die Perspektive seines Standortes hinterfragt und sich dort ansiedelt, wo immer mehr Menschen einkaufen. Und zuletzt sich auch selbst hinterfragt, ob noch das Feuer für den Wettbewerb der Zukunft vorhanden ist und wenn nicht, lieber heute als morgen eine andere Nutzung des Standortes oder den Verkauf/Vermietung/Verpachtung an ein moderneres Geschäftsmodell in Angriff nimmt.

Nach Corona wissen wir, wozu der Gartenbau und seine Unternehmer fähig sind. Deshalb glaube ich, dass viele meiner Wünsche sich in 2021 erfüllen werden. Schon Wernher von Braun sagte „Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Idee“.

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