Alle News

Gebühren: Friedhöfe mehr als nur Kostenfaktor

, erstellt von

Friedhofsgebühren wurden auch 2018 vielerorts wieder drastisch erhöht. Hintergrund ist oft der Trend zur Feuerbestattung nebst Urnengrab oder zur Beisetzung außerhalb des Friedhofs. Kommunen reagieren unterschiedlich. Auf vielen Friedhöfen wird versucht mit höheren Preisen gegenzusteuern. Doch das ist keinesfalls „die“ Lösung.

Der Trend zum Urnengrab und Beisetzungen außerhalb vom Friedhof sorgen für Einnahmeausfälle. Kommunen reagieren darauf unterschiedlich. Foto: GdF

Preissteigerungen oft pure Verzweiflung

„Wir sehen, dass hinter den Preissteigerungen oft pure Verzweiflung der Kommunen steckt, aber Gebührenerhöhungen sind auf Dauer keine Lösung – weder für den Kunden, noch für Verwaltungen und schon gar nicht für den Friedhof“, sagt Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende der Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner (GdF). „Wenn das so weitergeht, weichen immer mehr vom Friedhof aus, und die Freiflächen werden immer größer. Auch diese verursachen aber Kosten, da sie trotzdem ein Mindestmaß an Pflege benötigen.“

Gerade bei uns in Deutschland hätten Friedhöfe eine weitreichende kulturhistorische Bedeutung und seien mehr als reine Bestattungsorte, so Ehlers-Ascherfeld. „Geht man über Friedhöfe, erfährt man ein Stück Geschichte über den jeweiligen Ort. Dort findet auch Begegnung statt und Erholung vom Alltag.“ Laut Ehlers-Ascherfeld liegt in dieser Bedeutungsvielfalt ein Lösungsansatz, um gegen den Teufelskreis aus Gebühren vorzugehen.

Bestattungsangebote kritisch prüfen

„Wir benötigen eine Neubewertung des Friedhofs! Friedhöfe sind viel mehr als nur ein Kostenfaktor. Sie sind Kulturstätten und Denkmäler, Orte der Trauer und der Begegnung, Naherholungszentren, Biotope und Kaltluftschneisen der Städte. Das alles hat einen immensen Wert, den es auch entsprechend zu schätzen gilt. Deshalb sollten Unterhaltskosten auf alle Bereiche der kommunalen Daseinsfürsorge verteilt werden und die Finanzierung von den Betroffenen genommen werden.“ Dies sei aber vor allem eine Frage, die nur von der Politik bearbeitet und gelöst werden könne.

Die Kommunen sollten nicht jammern und einfach nur die Gebühren erhöhen, sondern kritisch prüfen, ob die eigenen Bestattungsangebote für die betroffenen Menschen bedürfnisorientiert, pietätvoll und vor allem bezahlbar sind, betont Ehlers-Ascherfeld. Zu den innovativen Grabgestaltungskonzepten, die die Attraktivität der Friedhöfe steigern, zählen vor allem gärtnerbetreute Grabanlagen wie Ruhegemeinschaften, NaturRuh und Memoriam-Gärten.

Viele Friedhöfe viel zu groß

„Mittlerweile gibt es rund 40 Urnenkirchen in Deutschland und rund 200 Bestattungswälder. 2001 gab es erst einen Bestattungswald, den ersten FriedWald im Reinhardswald bei Kassel“, nennt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas konkrete Zahlen. „Dazu kommen Fehlplanungen aus der Vergangenheit – viele Friedhöfe sind viel zu groß, weil davon ausgegangen wurde, dass weiterhin der weitaus überwiegende Teil der Verstorbenen im Sarg beigesetzt und die Zahl der Verstorbenen weitaus stärker anwachsen würde.“

Zu begrüßen sei, dass immer mehr Friedhöfe auf diese Problematik nicht nur mit Gebührenerhöhungen reagieren, sondern ihre Angebotsvielfalt und ihre Darstellung in der Öffentlichkeit enorm verbessert haben, wie Helbach beobachtet.

Neukalkulation der Gebühren wird oft versäumt

„So hat die Krise auch zu Verbesserungen geführt, die aber die Gebührenausfälle vielerorts dennoch nicht auffangen können. Und es gibt auch immer noch Friedhofsträger, denen leider nichts anderes einfällt als die Erhöhungen der Gebühren. Wenn es über einen längeren Zeitraum versäumt worden ist, die Gebühren neu zu kalkulieren, kommt es vor, dass solche Erhöhungen extrem ausfallen – mancherorts werden die Gebühren dann sogar mehr als verdoppelt.“

Für Köln wird aktuell nicht mit einer Anpassung der Friedhofsgebühren gerechnet, wie Dirk Klein, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner, erklärt. 2013 sei die letzte Anpassung der Gebühren durchgeführt worden. Aktuell liegen die Gebühren an einer imaginären Schwelle von unter 2.000 Euro je Grabstelle.

Grünpolitischen Wert der Friedhöfe mehr in den Fokus rücken

Im guten Einvernehmen mit der Stadt Köln und den anderen Teilnehmern des Arbeitskreises Friedhof wird der grünpolitische Wert der Friedhöfe wieder mehr in den Fokus gerückt. Das heißt, der sogenannte „Grünanteil“ (Betrag, den die Kommune aus allgemeinen Haushaltsmitteln für die Grünflächenfunktion des Friedhofs veranschlagt) soll weiter angehoben werden, sodass sich die Gebührenbelastung für die eigentlichen Friedhofsnutzer idealerweise deckeln lässt.

Die Genossenschaft sieht in Köln auch die gute Zusammenarbeit der auf dem Friedhof tätigen Gewerke als Garant für eine enge und konstruktive Abstimmung bei allen Satzungsfragen. Die Zusammenarbeit trage ihre Früchte somit hoffentlich auch bei der Gebührenpolitik.

Die Preise für die Kapellennutzung wurden in Stuttgart stark angehoben, ein Argument, das Bestatter nutzen, ihre eigene Trauerhalle zu vermieten. „Die Folge: Städtische Räumlichkeiten werden weniger genutzt, somit langfristig teurer, ein Teufelskreis“, sieht Michaela Seidler von der Gärtnerei Raff (Stuttgart). Zudem weist sie auf die Preispolitik der günstigeren Rasen- und Baumgräber.

Ändert sozialer Status die Trauerkultur?

„Hier ist kein Sauberhalten der Flächen mit einkalkuliert. Offiziell dürfen keine Trauerspenden abgelegt werden, was jedoch gemacht wird. Es ist bekannt und offensichtlich, dass Mehrarbeit für die Stadtmitarbeiter anfällt. Wer bezahlt das?“, fragt sich Seidler. In Kürze werden daher in Stuttgart die Gebühren wieder angehoben. Die Folge: Immer weniger Angehörige können oder wollen sich ein Grab leisten.

„Wird sich unsere Trauerkultur aufgrund des sozialen Status verändern? Die grün regierte Stadt Stuttgart möchte gefühlt zurzeit nur ihr Feinstaubproblem lösen, wobei grüne Friedhofsanlagen ja direkt zur Verbesserung der Luft beitragen. Soweit wir Gelegenheit haben, versuchen wir, unseren Kunden die Sicht der Dinge aufzuzeigen. Ob dies für unseren Berufsstand als Friedhofsgärtner reicht, ist allerdings fraglich“, zweifelt Seidler.