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Geliebter Feind" - Gras auf dem Dach

"Des einen Freund, des anderen Leid" - schöner konnte man diesen Satz nicht bestätigt finden, als auf dem diesjährigen Gründachseminar der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB), das am 12. Februar im schwäbischen Ditzingen stattfand. Denn während Rasenexperte Martin Bocksch vom Deutschen Rollrasen Verband sich mit der Frage beschäftigte, wie man unerwünschte Gräser wieder vom Gründach entfernen kann, stimmte Professor Gernot Minke vom Zentrum für umweltbewusstes Bauen der Universität Kassel ein Loblied auf Gräser zur Dachbegrünung an - dies vor dem Hintergrund seiner Untersuchungen zur möglichen Wärmedämmung durch Dachbegrünungen.

Extensive Dachbegrünungen bieten Gräsern hierzulande mit den gemäßigten Temperaturen und der ausreichenden Feuchtigkeit relativ gute Wachstumschancen. Verbunden mit bautechnischen Problemen, beispielsweise kleinen Unebenheiten im Dach, in denen sich das Wasser sammeln kann, verstopften Abläufen oder einem zu hohen Feinkornanteil im Substrat verbessern sich die Wachstumsbedingungen für Gräser zusätzlich. Über den Wind, durch Tiere aber auch durch den Menschen (etwa durch Saatgut an den Schuhen) gelangen die Gräser auf das Dach. Zum Problem werden können dabei einjährige Gräser, lästiger sind aber die ausläufertreibenden, mehrjährigen Gräser wie Rotschwingel, Land-Reitgras, Quecke oder Schilfrohr. Denn die breiten sich relativ stark aus, die agressiven und höher wachsenden Gräser verdrängen langfristig das eigentlich erwünschte Sedum. Für problematisch hielt Boksch, dass die Gräser über die Zeit eine neue Substratschicht bilden, mit einem veränderten Wasser- und Nährstoffgehalt. Nicht zuletzt könne es durch die Gräser zu Schäden an der Dachhaut kommen (Rhizomproblematik). Nicht unwesentlich sei in den heißen Sommermonaten auch die Brandgefahr des dann eher trockenen Grasbestandes.

Des einen Last ist des anderen Freude - Gernot Minke stellte auf dem FBB-Symposium ganz frisch vorliegende, und deshalb noch nicht vollständig ausgewertete Untersuchungsergebnisse zur Frage vor, ob sich über Dachbegrünung eine deutliche Wärmedämmung erreichen lassen kann. Der wasserdurchgängigen Substratschicht kommt dabei bei der Wärmedämmung (im Winter) eine eher untergeordnete Bedeutung zu. Nach Untersuchungen Minkes kann aber eine Grasvergetation auf den Dächern eine deutliche Wärmedämmung erzielen. Über das Gras komme es zu einem Luftpolster zwischen den einzelnen Halmen, das eine isolierende Wirkung habe.