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Heidelberger Tagung „Bio-Zierpflanzen“: Gärtnerei mit „Blick ins Paradies“

„Unser Betrieb liegt im schönen Berchtesgadener Land mit Blick ins Paradies!“ So begann Martin Altendorfer seinen Vortrag bei der Biozierpflanzenbau-Tagung am 8. November in Heidelberg. Schon seit 18 Jahren produziert er ohne chemischen Pflanzenschutz und setzt stattdessen auf „Mittel, die uns die Natur zur Verfügung stellt“.

Martin Altendorfer bei der Tagung in Heidelberg: „Der wichtigste Punkt beim Bio-Anbau von Zierpflanzen ist die Hygiene!” Foto: Edwin Hanselmann

Die „Naturgärtnerei“ in Aufham ist ein direkt absetzender Betrieb mit Schwerpunkt auf Beet- und Balkonpflanzen, ergänzt mit anderen Zierpflanzen sowie drei Hektar Gemüse, generell gesehen ein gemischter Betrieb mit breitem Sortiment. Laut Altendorfer ist es der erste Betrieb, der neben Gemüse auch Zierpflanzen in größerem Stil nach den strengen Demeter-Richtlinien – unter Berücksichtigung des Mondkalenders – anbaut. Verkauft wird hauptsächlich direkt an Verbraucher, dazu erfolgt die Belieferung von Hotels und Stadt (Beispiel: Violen). Mit 400 Pflegegräbern zählt auch der Friedhof zu den Standbeinen der Aufhamer „Naturgärtnerei“.

Seine weitaus meisten Pflanzen produziert der Betrieb selbst. 1.600 Quadratmeter Gewächshaus- und 300 Quadratmeter Folienhausfläche stehen zur Verfügung. Zukäufe werden extra deklariert. Konventionell produzierte Pflanzen will Altendorfer nicht in seine Gewächshäuser stellen, weil diese sich – so seine Befürchtung – negativ auf den Nützlingsbesatz auswirken könnten.

„Durch Hygiene lassen sich sehr viele Krankheiten vermeiden“ – stellte Altendorfer heraus. Nach jeder Kultur würden die Gewächshaustische mit Hochdruckreiniger gesäubert, danach mit Wacholder geräuchert. Daneben komme es darauf an, die Kulturen stets intensiv zu beobachten und im Bedarfsfall frühzeitig einzugreifen. Gleich nach dem Eintopfen werden die Pflanzen mit Biplantol, EM und Promot Trichoderma-Stämmen (Anmerkung: Das Kürzel EM steht für „Effektive Mikroorganismen“) angegossen.

Ferner wird das gegen Trauermücken und andere lästige Mückenarten gedachte Biomück eingesetzt. Altendorfer räumte allerdings ein, dass Trauermücken beim Bio-Zierpflanzenbau nach wie vor ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellen.
NeemAzal-T/S – das mit Inhaltsstoffen des tropischen Neembaumes hergestellte Präparat zur Bekämpfung frei lebender saugender und beißender Schadinsekten und Milben – zählt ebenfalls zu den in der „Naturgärtnerei“ verwendeten Präparaten.

Gegen Echten Mehltau wurde HF Pilzvorsorge angesprochen. Das Knoblauchpräparat EnviRepel wirkt unter anderem gegen Schnecken und manche Pilzkrankheiten. Das Präparat Micula auf Basis von Rapsöl-Emulsionskonzentrat hat Wirkung gegen saugende Insekten und Spinnmilbe.
Einige andere Präparate sowie Pflanzenstärkungsmittel aus der Bio-Palette wurden gleichermaßen genannt, so Xentari, Milsana, Gesteinsmehl, Vitanal, Neudosan. Kräuterjauchen sollten ebenfalls nicht fehlen.

Was die Ernährung seiner Pflanzen angeht, so erwähnte Altendorfer neben Kompost und Gründüngung vor allem OPF, Soilfeed Bio, Maltaflor und Vinase. Prinzipiell lehnt dieser Gärtnereibesitzer jegliche Arten von synthetischen Düngemitteln ab. Die verwendeten Stärkungsmittel werden größtenteils von der Firma Biofa aus Münsingen bezogen.

Wie in den meisten direkt absetzenden Gärtnereien, zählt die Pelargonie auch bei Altendorfer weiterhin zu den Hauptkulturen. Im Berchtesgadener Land schmücken den Sommer über viele Pelargonien die Häuser und Balkone. Impatiens, Tagetes, Stiefmütterchen und Gartenchrysanthemen wurden ebenfalls extra erwähnt. Mit seinen Fotos zeigte Altenberger, dass die Qualität seiner Pflanzen derjenigen von konventionell produzierten Pflanzen nicht nachsteht.

Frühzeitig rücken und mit eher niedrigen Temperaturen kultivieren – so hieß es – sind neben der Sortenwahl maßgebende Gründe, warum die Zierpflanzen in der „Naturgärtnerei“ trotz des Verzichts auf chemische Wuchsregulatoren ausreichend kompakt bleiben.

Bei den Pelargonien kultiviert dieser Betrieb fünf Sätze. Er erhält die Jungpflanzen in den Kalenderwochen 6, 8, 10, 12 und 13. Nur in den ersten drei Wochen stehen die Pflanzen eng beieinander, dann wird gerückt. Die Heiztemperatur ist auf 18/16 Grad (Tag/Nacht) eingestellt. Allerdings wird ab 4.00 Uhr bis 10.00 Uhr auf acht Grad abgesenkt. Im Berchtesgadener Land in Bayern geht die Sonne relativ spät auf. Grundsätzlich sollen die Pelargonien zum Verkaufszeitpunkt gut abgehärtet sein. Daher senkt dieser Betrieb in der letzten Kulturphase die Heiztemperatur auf sechs Grad ab, natürlich angepasst an die jeweilige Außentemperatur.
Dass die Pflanzen niedrige Kulturtemperatur vertragen, ist eines der Kriterien bei der Sortenwahl. „Wer es nicht aushält“ – sagt Altendorfer – „darf nächstes Jahr nicht mehr mitmachen!“ Wie er außerdem erwähnte, werden manche Beet- und Balkonpflanzen in der letzten Phase auf Freilandbeeten fertig kultiviert.

Seine Heiz- und Düngerkosten – so ein weiterer Hinweis des Biogärtners – seien niedriger als in vergleichbaren konventionell anbauenden Betrieben.
Sowohl bei den Zonalpelargonien als auch bei den ungefüllten Peltaten erreicht Altendorfer laut eigener Angabe prima Qualitäten. Zugleich räumte er ein: „Bei den gefüllten Peltaten sind wir noch am Ausprobieren!“
Ein eher schweres Substrat trägt ebenfalls zum kompakten Aufbau der Pflanzen bei. Verwendet wird eigene Komposterde, bei den Pelargonien mit 30 Prozent Torfanteil. Bei einigen Kulturen erhöht sich der Torfanteil auf bis zu 50 Prozent.

Zum Abschluss seines Referats rief Altendorfer die Gärtnereibesitzer auf, stets auch an die eigene Gesundheit zu denken: „Entspannen Sie sich, schwingen Sie sich frei!“ Beispielsweise komme es darauf an, bewusst zu atmen: Einatmen, bis sieben zählen, ausatmen, bis sieben zählen – diesen Vorgang zehnmal wiederholen! Und: „Umarmen Sie einen Baum, spüren Sie seine Kraft!“
Um die persönliche Energie zu erhöhen, helfe gelegentliches Duschen und Einreiben mit Steinsalz. (eh)