Glyphosat: EU-Abgeordnete bleiben skeptisch

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Die EU-Kommission will Glyphosat für weitere zehn Jahre zulassen. Foto: countrypixel/Fotolia

Ende 2017 läuft die Zulassung für Glyphosat in der EU aus, wenn sie nicht – wie zuletzt von der EU-Kommission vorgeschlagen – um weitere zehn Jahre verlängert wird. Nach der jüngsten Anhörung im Europa-Parlament scheint die Skepsis gegenüber dem Herbizid jedoch noch einmal zugenommen zu haben.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Vorwürfe, die für die Bewertung der von Glyphosat ausgehenden Gesundheitsrisiken zuständigen Ämter – die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – hätten ihre jeweiligen Berichte zu weiten Teilen von den Zulassungsanträgen der Hersteller kopiert, bestätigten am Mittwoch in Brüssel weitere als Sachverständige geladene Wissenschaftler die potenzielle Krebsgefahr des Pflanzenschutzmittels.

Vorwurf: EFSA, ECHA und BfR haben für Glyphosat-Bewertung nicht sämtliche Studien berücksichtigt

Unter anderem hatte Christopher J. Portier von der Universität Maastricht Medienberichten zufolge seine Bedenken gegenüber Glyphosat und der Bewertung der Behörden geäußert. Es seien in den Berichten weder alle einschlägigen Forschungsergebnisse berücksichtigt worden, noch hätten EFSA, ECHA und BfR alle im Zusammenhang mit Tests an Ratten und Mäusen aufgetreten Tumore diskutiert. Daher forderte Portier eine Neubewertung des Herbizids.

Kate Guyton, Toxikologin der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), hatte bei der Anhörung angemerkt, dass bei von der Pflanzenschutzmittel-Industrie beauftragten Studien häufig der unvoreingenommene Blick fehle und darunter die Aussagekraft leide. Das IARC selbst hatte Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ eingestuft – anders als EFSA, ECHA und BfR, für die das Herbizid „nicht krebserregend“ ist.

EU-Politiker bemängeln fehlende Transparenz der Glyphosat-Bewertung

In diesem Zusammenhang äußerten verschiedene EU-Abgeordnete in der Anhörung noch einmal ihre Zweifel an der Transparenz der Bewertungsverfahren der Behörden. Dem widersprach EFSA-Referatsleiter José Tarazona und nutzte die Gelegenheit, um erneut den Bericht seiner Behörde gegenüber den jüngsten Vorwürfen zu rechtfertigen – dass dafür auch Studien der Glyphosat-Hersteller berücksichtigt wurden, sei die reguläre Vorgehensweise.

Negativ aufgenommen wurde von den EU-Abgeordneten, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung der Einladung, an der Anhörung in Brüssel teilzunehmen, nicht gefolgt sei. Auch Monsanto hatte trotz Einladung keine Vertreter ins Europa-Parlament entsandt.

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