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Glyphosat: EU-Kommissar im Kreuzfeuer

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Mit der Aufforderung, bislang geheime Krebsstudien zu Glyphosat publik zu machen, wollte Vytenis Andriukaitis eigentlich mehr Transparenz in die Diskussion um das umstrittene Herbizid bringen. Allerdings soll der Vorstoß des EU-Gesundheitskommissars vorab mit der Pflanzenschutzmittel-Industrie abgesprochen gewesen sein. Das zumindest werfen ihm das Umweltinstitut München und die österreichische Umweltorganisation Global 2000 jetzt vor.

Zur Veröffentlichung geheimer Glyphosat-Krebsstudien soll es Absprachen zwischen der Industrie und der EU gegeben haben. Foto: Dusan Kostic/Fotolia

Forderung nach Veröffentlichung geheimer Glyphosat-Studien angeblich mit Industrie abgesprochen

Die Glyphosat-Hersteller hatten umgehend reagiert, als Andriukaitis im April öffentlich dazu aufgefordert hatte, geheime Krebsstudien zu dem Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff zu veröffentlichen. Ihr Vorschlag: In eigens dafür geschaffenen Leseräumen sollten die Studien unter strengen Auflagen einsehbar sein.

Laut einer Anfrage von Umweltinstitut und Global 2000 nach EU-Verordnung 1049/2001 sollen diese Aktionen jedoch bereits Wochen im Vorfeld zwischen Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und den Glyphosat-Herstellern abgestimmt worden sein.

Glyphosat: Hat EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis Bürger gezielt getäuscht?

„Mit seiner Forderung nach Transparenz bei den Glyphosat-Studien hat Andriukaitis den Eindruck erweckt, er kümmere sich um die Interessen der Verbraucher. Jetzt stellt sich heraus, dass alles vorab mit der Industrie abgesprochen war. Der Brief war wohl nichts anderes als eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit. Andriukaitis muss jetzt Stellung beziehen, ob er die Bürger gezielt getäuscht hat“, fordert Jurek Vengels, Referent für Verbraucherschutz beim Umweltinstitut.

Nachdem die fraglichen Studien immer noch unter Verschluss gehalten werden, haben das Umweltinstitut München und Global 2000 nun gemeinsam eine Anfrage an die EU-Kommission auf Zugang zu den Studien gestellt.

„Wenn Andriukatis tatsächlich an Transparenz gelegen ist, hat er jetzt die Gelegenheit dies zu beweisen, indem er für die Veröffentlichung der geheimen Glyphosat-Studien sorgt“, so Helmut Burtscher, Umweltchemiker und Vorstandsmitglied bei Global 2000.