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Glyphosat-Kritiker erhält Whistleblower-Preis

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Professor Dr. Gilles-Eric Séralini, Glyphosat-Forscher und -Kritiker, hat den Whistleblower-Preis 2015 erhalten. Die Jury der von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der deutschen Sektion der internationalen Juristenorganisation IALANA vergebenen Auszeichnung würdigt damit die Forschungsarbeit des französischen Molekularbiologen, der als erster die Giftigkeit und tumorauslösende Wirkung von Glyphosat im Tierversuch festgestellt hat.

Professor Dr. Gilles-Eric Séralini. Foto: CRIIGEN

Forschungsbericht Séralinis in der Kritik

In einem zweijährigen Fütterungsversuch mit Ratten hatte der französische Wissenschaftler an der Universität Caen das weltweit am häufigsten verwendete, auf dem Wirkstoff Glyphosat basierende Herbizid Roundup untersucht. Seinen Forschungsbericht hatte Séralini 2012 in der Zeitschrift Food and Chemical Toxicology (FCT) veröffentlicht – worauf er in die Kritik von Vertretern der Chemieindustrie sowie des British Science Media Centre geriet, da der von ihm ausgewählte Rattenstamm bekanntermaßen tumoranfällig sei.

Der Herausgeber der Zeitschrift FCT zog die Veröffentlichung daraufhin zurück, was dazu führte, dass die in der Forschungsarbeit enthaltenen Daten nicht mehr als zitierfähig galten – was die Jury des Whistleblower-Preises als klaren Verstoß „gegen internationale Regeln der Publikationsethik des Committee on Publication Ethics (COPE) wertet. Denn: „Das Zurückziehen von Publikationen und der darin enthaltenen Daten ist danach nur bei schweren Verstößen wie nachgewiesener Fälschung oder Manipulation, „ehrlichem“ Irrtum (honest error) oder bei Plagiat gerechtfertigt.“

IARC zieht Séralinis Forschungsergebnisse zur Glyphosat-Bewertung heran

Mit der erneuten Veröffentlichung seiner Forschungsarbeit zwei Jahre später in der Zeitschrift Environmental Sciences Europe (Springer-Verlag), konnten die Ergebnisse Séralinis wieder zur wissenschaftlichen Analyse und Nutzung herangezogen werden – so auch von der International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation, die in ihrer kürzlich veröffentlichten Neubewertung Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat.

Wie die Whistleblower-Jury angibt, habe Séralini sämtlichen Angriffen seiner Gegner „auf hohem wissenschaftlichem Niveau mit großer Ausdauer und Entschiedenheit seine Argumente“ entgegengesetzt und dadurch „den wissenschaftlichen Diskurs über die Gesundheitsrisiken des Glyphosat-basierten Herbizids Roundup sehr gefördert“. Darüber hinaus habe Séralini systemische Schwächen bei der Zulassungsprüfung von Herbiziden und Pestiziden generell durch die zulassenden Behörden aufgedeckt.

Der Whistleblower-Preis 2015 wurde dem französischen Wissenschaftler am 16. Oktober im Karlsruher Rathaus überreicht. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der ehemalige US-Drohnenpilot Brandon Bryant sowie der deutsch-französische Physiker Dr. Léon Gruenbaum mit dem Posthum-Whistleblower-Ehrenpreis.