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Glyphosat: „Mehr Objektivität in der Diskussion“

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Johannes Welsch im TASPO Online Gastkommentar: Der Geschäftsführer des Industrieverbands Garten (IVG) bemängelt, dass die Diskussion in der Öffentlichkeit deutlich an Objektivität verloren habe.

Johannes Welsch fordert in seinem Gastkommentar eine Rückbesinnung auf die Faktenlage, wenn über Glyphosat diskutiert wird. Foto: IVG

Welsch: „Die Glyphosat-Diskussion hat ihre Professionalität verloren“

Seit März beschäftigt unsere Branche insbesondere ein Thema: Glyphosat. Die Neueinstufung des Herbizids durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“ hat eine Diskussion ausgelöst, an der sich Politik, Behörden, Medien, Handel und Industrie intensiv beteiligen. Die Meinungen gehen dabei sehr stark auseinander, die Informationen sind teils unvoll-ständig, häufig einseitig und nicht ausreichend belegt.

Die Glyphosat-Diskussion hat ihre Objektivität und Professionalität verloren. Es macht den Anschein, als erhoffen sich viele Beteiligte eine Profilierung, indem sie ein Thema aufgreifen, das derzeit die Gemüter erhitzt. Doch näher betrachtet liegen derzeit keine Studien vor, die sachlich fundiert die Einschränkungen des Vertriebs von Glyphosat begründen würden. Darüber hinaus handelt es sich bei diesem Herbizid um eines der bestuntersuchten Mittel, die es am Markt gibt. Grundsätzlich sollte die Branche daher der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) vertrauen und wieder mehr Sachlichkeit in diese heikle Diskussion bringen.

Glyphosat: Auf vorliegende Fakten konzentrieren

Aus unser Sicht ist es in der aktuellen Situation sehr wichtig, sich auf die vorliegenden Fakten zu konzentrieren: Der deutsche Markt ist einer der sichersten weltweit. Wir verfügen in der Europäischen Union über sehr strenge Maßstäbe, nach denen die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt. Diese gelangen nur dann in den Verkauf, wenn keine unvertretbaren Auswirkungen für Natur und Umwelt, Anwender und Verbraucher zu befürchten sind. Allein in Deutschland bewerten gleich vier Behörden die Pflanzenschutzmittel hinsichtlich ihrer gesundheitlichen und umweltverträglichen Wirkung. Die bei uns geltende Gesetzgebung zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist im Vergleich zu denen in anderen Regionen der Welt vorbildlich.

Bisher wurde der Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat von den für die gesundheitliche Bewertung zuständigen nationalen, europäischen und anderen in-ternationalen Institutionen, einschließlich des IARC, nach Prüfung aller vorliegenden Studien als „nicht krebserzeugend“ bewertet. Erst im März dieses Jahres revidierte die Internationale Agentur für Krebsforschung ihre Einschätzung und stufte das Herbizid neu als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Daraufhin veröffentlichte das BfR im Juni 2015 einen Bericht, in dem die Behörde feststellt, dass Glyphosat die EU-Kriterien erfüllt und dass damit die Voraussetzungen für eine weitere Genehmigung als Pflanzenschutzmittelwirkstoff vorliegen.

Bei der Veröffentlichung dieser Einschätzung lag dem BfR allerdings noch nicht der offizielle und ausführliche Bericht des IARC zur Neueinstufung von Glyphosat vor. Dieser ist am 31. Juli erschienen und wird aktuell geprüft. Die Neubewertung auf EU-Ebene durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Es gibt also momentan sehr viele Experten, die sich intensiv mit allen vorliegenden Studien und Forschungsergebnissen befassen, um möglichst zeitnah eine fundierte Einstufung des Herbizids zu erzielen. Als Branchenverband empfehlen wir allen Beteiligten, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und der gesamten Diskussion wieder mehr Professionalität, Objektivität und Sachlichkeit zu verleihen.

Umfrage in der Fachabteilug Pflanzengesundheit, -ernährung und Pflege

In einer Umfrage unter unseren Mitgliedern in der Fachabteilung Pflanzengesundheit, -ernährung und –pflege wollten wir wissen, ob die Unternehmen von Seiten der Verbraucher eine stärkere Hinwendung zu alternativen Sortimenten feststellen. Darauf antworteten 53,3 Prozent der Befragten mit „ja“. Auf die Frage, ob diese Entwicklung eher nachfrage- oder handelsorientiert sei, sahen 64,3 Prozent der Firmen den Handel als treibende Kraft. Glyphosat müsste allerdings nur dann vom Markt genommen werden, wenn es eine eindeutige und wissenschaftlich begründete Neubewertung der Risiken geben sollte. Dafür gibt es momentan keine Anzeichen, lediglich Klärungsbedarf.

Grundsätzlich setzt sich der IVG für naturgemäßes Gärtnern und integrierten Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten ein. Dies beginnt mit der Auswahl geeigneter Sorten und des Standorts, der sachgerechten Bodenbearbeitung, der Auswahl geeigneter Betriebsmittel – also Substrate, Düngemittel und Pflanzenhilfsmittel, Pflanzenschutz und -stärkungsmittel sowie weitere Anbau- und Pflegemaßnahmen, einschließlich der Bewässerung. Unnötige Pflanzenschutzmittelanwendungen sind nach den allgemeinen Grundsätzen des integrierten Pflan-zenschutzes zu vermeiden.