Glyphosat: „Vorwürfe bringen uns nicht weiter“

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In der Glyphosat-Diskussion gerät auch der Produktionsgartenbau unter Beschuss. Er könne gut verstehen, wenn Kollegen auf solche pauschalen Vorwürfe sehr empfindlich reagieren, sagt Michael Moll, Vorsitzender des Bunds deutscher Staudengärtner (BdS) im Interview mit der TASPO.

Welche Alternativen haben Staudenbetriebe zu Glyphosat?

Wir Staudengärtner setzen Pflanzenschutzmittel und Herbizide nur bewusst und nur wo nötig ein, um qualitativ hochwertige Produkte für unsere Kunden zu produzieren. Deshalb kann ich gut verstehen, wenn Kollegen auf pauschale Vorwürfe an den Produktionsgartenbau sehr empfindlich reagieren.

In Staudengärtnereien wird Glyphosat eher selten angewendet, vorwiegend zur Bekämpfung von Problemunkräutern. Einige Kollegen verzichten bewusst auf Herbizide und haben bereits in – in der Anwendung deutlich teurere – Heißwasser-, Schaum- oder Dampfsysteme investiert. Für uns würde die Produktion auch ohne Glyphosat weitergehen.

Wie gehen Staudengärtner im direkten Kundenkontakt mit dem Glyphosat-Thema um?

In unserem Betrieb veranstalten wir Aktionstage für Schulklassen, Führungen und Tage der offenen Tür. Dabei gehen wir offen mit Themen wie Düngung und Pflanzenschutz um. Es überrascht uns immer wieder, wie positiv die Besucher reagieren, wenn sie erkennen, dass eine Vielzahl von Insekten, aber auch Hasen und Rebhühner Lebensraum und Rückzugsgebiete in unserer Gärtnerei finden.

Ich kann die Endverkaufsbetriebe nur auffordern, die Freiflächen an Parkplätzen und Verkaufsanlagen naturnah zu gestalten. Hier können wir Staudengärtner mit unserem Fachwissen Partner sein. Die Verbraucher sind dankbar für Anregungen und könnten animiert werden, im Kleinen auch etwas zu tun.

Welche Probleme bereitet die Glyphosat-Diskussion den Staudenbetrieben?

Ich sehe den Wirkstoff eher als Platzhalter in Kampagnen gegen eine vermeintlich umweltschädliche Landwirtschaft. Wenn Zulassungsverfahren nicht mehr nach wissenschaftlichen Kriterien ablaufen, sondern die öffentliche Meinung hier massiv Einfluss nimmt, bin ich in großer Sorge, dass fachgerechter Pflanzenschutz und damit regionale Produktion zukünftig noch schwieriger, wenn nicht überhaupt unmöglich werden. Hier müssen wir gemeinsam mit aller Kraft in unserer Öffentlichkeitsarbeit dagegenhalten.

Der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln an Endverbraucher ist ein weiteres Thema, hier haben die Baumärkte bereits vorgelegt. Gegenseitige Vorwürfe bringen uns nicht weiter, wir Gärtner sollten an einem Strang ziehen und unsere guten Produkte dem Endkunden gegenüber emotional vertreten.

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