Alle News

Glyphosat: wieder schwerer Plagiatsvorwurf gegen BfR

, erstellt von

Spuren von Glyphosat in französischen Babywindeln, der Rückzug einer Bayer-Klage gegen eine kritische Glyphosat-Titelseite der Tageszeitung taz – im Glyphosat-Streit geht es munter weiter. Nach wie vor die gravierendsten Vorwürfe treffen derzeit aber das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Die Diskussion um das umstrittene Herbizid Glyphosat geht weiter. Symbolbild: Pixabay

Glyphosat-Bewertungen aus Zulassungsantrag kopiert?

Dem BfR nämlich warf der österreichische Plagiatsprüfer Dr. Stefan Weber vor Journalisten im Europäischen Parlament in Straßburg kürzlich vor, es habe in seiner Glyphosat-Bewertung ganze Passagen aus einem Antrag des Herstellers Monsanto (Bayer) „wortwörtlich abgeschrieben“.

Studienbeschreibungen und Bewertungen seien aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller kopiert und im Bewertungsbericht als die Beschreibungen und Bewertungen der Behörde dargestellt worden. Das BfR habe keine der insgesamt 58 auf diese Art bewerteten unabhängigen Studien als relevant oder zuverlässig eingestuft – darunter auch die epidemiologischen Studien, mit denen die WHO-Krebsforschungsagentur den Verdacht begründete, dass Glyphosat beim Menschen Krebs verursacht.

BfR wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe

Gegen diese Plagiatsvorwürfe wehrt sich das BfR vehement: Es habe keinesfalls ungeprüft die Schlussfolgerung der Antragsteller übernommen. Die Behörde habe im finalen Dokument detaillierte Studienbeschreibungen und die Bewertungen der Antragsteller aufgeführt, diese aber sehr wohl kritisch kommentiert. Ein vorliegender Bericht komme zu dem Schluss, dass das BfR rund 90 Prozent des entscheidenden Kapitels im Entwurf zu Glyphosat eigenständig formuliert hat.

Um Missverständnisse in der öffentlichen Wahrnehmung zu vermeiden, hat das BfR nun aber angeregt, die Darstellung der Arbeit der Behörden zu optimieren und die Transparenz der Berichterstattung weiter zu erhöhen. Die grundsätzliche Arbeitsweise des BfR, also die kritische Prüfung aller Originaldaten und Studien, sei davon aber unberührt. Es handelt sich um eine Optimierung der Darstellung für die interessierte Öffentlichkeit.

Risiko von Pestiziden: unabhängige Prüfung gefordert

Das Europäische Parlament (EP) hat im Dezember mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Risikobewertung von Pestiziden im Zulassungsverfahren reformiert werden muss. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) fordert, das Risiko von Pestiziden müsse künftig unabhängig von der Industrie geprüft werden. Um unabhängige Studien zu finanzieren, sei es sinnvoll, „einen Fonds einzurichten, in den die Industrie einzahlt, der aber unabhängig verwaltet wird“, so der BUND.

Mehr zur aktuellen Glyphosat-Diskussion im In- und Ausland lesen Sie in der TASPO 05/2019, die am 1. Februar erscheint.