Glyphosathaltige Herbizide & Mogeton: Gibt es Alternativen?

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Die Zukunft von glyphosathaltigen Herbiziden ist ungewiss, denn Ende 2022 läuft die Zulassung des Wirkstoffs auf EU-Ebene aus, und die Politiker der meisten Parteien fordern ein Glyphosat-Verbot. Selbst wenn die Zulassung langfristig bestehen bleiben sollte, muss damit gerechnet werden, dass die Abnehmergruppen ihren Lieferanten den Einsatz von Glyphosat untersagen. Aus diesem Grund wird seit einigen Jahren nach Alternativen gesucht.

LVG Bad Zwischenahn testet Alternativen zu Glyphosatherbiziden

Wünschenswert wäre natürlich eine völlig herbizidfreie Unkrautregulierung, die allerdings in vielen Kulturen nicht möglich ist. Daher wurden an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Standort Bad Zwischenahn, seit 2015 in verstärktem Maße Nachauflaufherbizide auf ihre Wirksamkeit und Kulturverträglichkeit getestet, die als Alternative zu Glyphosatherbiziden in Betracht kommen.

Während reine „Abbrenner“ wie Finalsan, Beloukha, Lentagran und Quickdown unter den Versuchsbedingungen nicht ausreichend wirkten und Tankmischungen selektiver Produkte wie Ranger und Select 240 EC zu viele Wirkungslücken zeigten, beeindruckten die in der Landwirtschaft zugelassenen Produkte MaisTer Power und Adengo sowie Mischungen aus Broadway und Cato oder Husar OD und Monsoon durch ihre breite und lang andauernde Wirkung. Hauptproblem ist bei den genannten Herbiziden allerdings die Frage der Kulturverträglichkeit. Mit Schirm unter Blatt gespritzt, waren sie in den Versuchspflanzen (größere Taxus, Thuja, Rhododendron und Prunus laurocerasus) gut verträglich, aber vor allem mit MaisTer Power sind aus anderen Versuchen durchaus ernste Pflanzenschäden bekannt. Daher sollen zukünftig vor allem Versuche zur Kulturverträglichkeit durchgeführt werden, bevor die Produkte für Praxisbetriebe empfohlen werden.

Mogeton bisher praxisüblich zur Kontrolle von Lebermoos

Bei der Kontrolle von Lebermoos (Marchantia polymorpha) waren bisher die Herbizide Mogeton und Mogeton Top praxisübliche Produkte, die in vielen Betrieben die zu starke Entwicklung bremsten. Die Zulassung beider Produkte ist allerdings ausgelaufen und wird nicht verlängert, sodass sie nach der Beendigung der Aufbrauchfrist für Restmengen ab dem 1. Juli 2020 nicht mehr eingesetzt werden dürfen. An der LVG Bad Zwischenahn wurden in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt Niedersachsen und dem Baumschul-Beratungsring Weser-Ems in Abstimmung mit anderen Versuchsanstellern in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen daher mehrere Versuche angelegt, in denen getestet wurde, durch welche Maßnahmen die Lebermoos-Ausbreitung gebremst werden kann.

Im ersten Versuch wurden Ende April 2019 Jungpflanzen von Taxus baccata ‘Höpken‘s Gigant’ in Drei-Liter-Container getopft und untersucht, welchen Einfluss verschiedene Substrate, unterschiedliche Düngungsmethoden und verschiedene Behandlungen auf die Ausbreitung von Lebermoos haben. Am besten schnitt dabei die Mulchauflage mit TerrAktiv Containermulch ab, die eine Ausbreitung von Lebermoos fast völlig verhinderte. Auch der Einsatz eines torffreien Substrates aus Holzfaser, Kokos und Pinienrinde besaß eine günstige Wirkung. Wurde der Depotdünger nicht ins Substrat eingemischt, sondern als Punktdüngung verabreicht, konnte dadurch ebenfalls die Lebermoos-Ausbreitung deutlich verringert werden. Als Nachbehandlung gegen vorhandenes Lebermoos bewährte sich das Herbizid Venzar SC 500, das aber nur für landwirtschaftliche Kulturen zugelassen ist. Behandlungen mit Natriumbikarbonat und verschiedenen anderen Produkten hatten keine zufriedenstellende Wirkung.

Auch in einem Versuch mit Stecklingskulturen bewährten sich Mulchauflagen, während der Einfluss unterschiedlicher Substrate deutlich geringer war. Weitere Versuche laufen, besonders auf die Wirksamkeit und auch auf die technische Anwendbarkeit von Mulchauflagen soll das Augenmerk gerichtet werden.

Lebermoos-Bekämpfung: Vorsicht vor dafür nicht zugelassenen Mitteln

Da derzeit diverse Produkte von Händlern angeboten werden, die als Alternative zu Mogeton zur Moosbekämpfung angepriesen werden, muss klargestellt werden, dass weder Milchsäureprodukte (zum Beispiel Mosskade) noch Peressigsäure (beispielsweise Jet 5), Eisen-(II)-sulfat oder andere Dünger für die Lebermoos-Bekämpfung zugelassen sind, und dass in einigen Versuchen auch die Wirkung und/oder die Kulturverträglichkeit solcher Produkte schlecht waren.

 

Hinweis: Ein Teil der erwähnten Pflanzenschutzmittel besitzt zurzeit keine Zulassung oder Genehmigung nach Art. 51 der EU-Zulassungsverordnung für Zierpflanzen, sodass vor einem Einsatz eine einzelbetriebliche Genehmigung nach § 22 (2) Pflanzenschutzgesetz eingeholt werden muss. Neben der Zulassungssituation muss grundsätzlich die Kulturverträglichkeit geklärt und bei der Entscheidung über die Anwendung berücksichtigt werden.