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Good News: Von der Tankstelle zur „Pflanzen-Station“

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Die gebürtige Holländerin Zelda Czok eröffnete ihre „Pflanzen-Station“ in einem denkmalgeschützten Tankstellengebäude – mit Retro-Feeling und Instagram-Werbung.

Zimmerpflanzen wieder populär bei jungen Verbrauchern

In den 1970er Jahren gehörten grüne Zimmerpflanzen zum Lebensstil insbesondere junger Menschen. Keine „Studentenbude“, kein WG-Zimmer, in das nicht Dutzende Grünpflanzen „Leben“ brachten. Solche Zeiten kommen nun wieder. Der insbesondere in der Einrichtungs- und Modebranche spürbare Retro-Trend lässt auch grüne Zimmerpflanzen bei den jungen Verbrauchern wieder populär werden.

Es sind die Pflanzen, die schon vor einem halben Jahrhundert angesagt waren: Farne, Monstera, Yucca, Kakteen, Sukkulenten, selbst der lange als „verstaubt“ geltende Gummibaum. Allerdings werden sie nicht mehr wie damals direkt vom Lkw gekauft, sondern wie Designer-Möbel in spezialisierten Geschäften, in denen Beratung eine wesentliche Rolle spielt.

Kleiner Laden an idealem Standort

Solch ein Geschäft hat Ende Mai Zelda Czok an einem Standort eröffnet, der wie wohl kein zweiter das aktuelle Retro-Feeling aufnimmt. Die „Pflanzen-Station“ ist in einem denkmalgeschützten Tankstellengebäude unmittelbar vor den Hamburger Grindelhochhäusern untergebracht. Der vollständig verglaste Laden ist mit 45 Quadratmetern recht klein, seine Architektur mit dem weit vorstehenden, ovalen Vordach (Schatten) nimmt die Nierentischformgebung der 50er- und 60er-Jahre auf.

Der Standort ist ideal. Im Hintergrund die zwölf denkmalgeschützten, 15-geschossigen Wohnblöcke (erbaut zwischen 1946 und 1956), vor der Tür Parkplätze und eine viel befahrene Verbindungsstraße mit Supermarkt, Einrichtungshaus, Friseur, Fotostudio und einem Importeur japanischer Lebensmittel. In den vier Himmelsrichtungen grenzen der studentisch geprägte Grindelberg (Universität), der noble Villen-Stadtteil Havestehude (Außenalster) und die In-Viertel Eppendorf und Eimsbüttel an.

400 Besucher zur Eröffnung der Pflanzen-Station

„Es waren sofort Kunden da“, freut sich Zelda Czok wenige Tage nach der offiziellen Eröffnung. Zu der 400 Besucher den Weg zur Pflanzen-Tankstelle fanden. Eine Anzahl, die nur auf den ersten Blick verwundert, denn die gebürtige Holländerin versteht es, auf der Instagram-Tastatur (etwa 8.000 Follower) zu spielen. Bewiesen hat sie das schon in ihrem ersten Geschäft „Winkel van Sinkel“ am Hamburger Großneumarkt, einem Concept-Store, in dem neben Zimmerpflanzen auch Papeterie, Lederwaren, Drucke, Raumdüfte sowie Gin und Genever aus den Niederlanden verkauft werden.

Auffällig ist im Angebot der „Pflanzen-Station“, dass es kaum wirklich große Exemplare gibt. Das entspricht den Vorstellungen der neuen Pflanzenliebhaber, die nicht die eine große Solitärpflanze wünschen, sondern lieber kleinere – aber dafür mehrere. Die Einstellung erinnert an die 1970er, damals wurden Zimmerpflanzen auch nicht primär als Design-Objekte, sondern als „Mitbewohner“ angesehen.

Beratung und Stilsicherheit für die Zielgruppe gefragt

Als Basis des Erfolgs sieht Zelda Czok „neben unserem tollen Team“ zwei Aspekte, die vor 50 Jahren kaum eine Rolle spielten. „Stilsicherheit für die Zielgruppe“ ist unabdingbar, meint sie. Der zweite Punkt ist Beratung. Was Zelda Czok damit meint, zeigt sich während des Recherchegesprächs. Eine junge Frau fährt mit dem Rad vor und braucht „eure Hilfe, ich habe kürzlich zwei meiner Pflanzen umgebracht“. Ein Ehepaar wünscht sich Beratung, da die Kakteen in ihrer Glaskugel (auch so ein Relikt aus den 70ern) eingegangen sind.

Pflanzen kauft Zelda Czok, die einige Jahre bei Blume 2000 gearbeitet hat, vor allem in den Niederlanden und Dänemark. Sie kennt „die Gärtnereien und Messen“, ist daher bereit, auch die doch „relativ teuren Transportkosten“ auf sich zu nehmen. Wobei der Preis bei den speziellen Kundenwünschen gegenüber der Beratung und Stilsicherheit bei den Kaufentscheidungen der Community auf einem eher hinteren Platz liegt.

Wasser aus der angrenzenden Tiefgarage

Auch die einzigartige Architektur der Pflanzen-Tankstelle (ein Original dessen, was heute als Retro populär ist) könnte dazu beitragen, dass die Wünsche des Vermieters, der städtischen Saga, in Erfüllung gehen. „Die haben sich unter anderem für uns entschieden, weil sie Bewegung, Publikumsverkehr haben wollten“, erklärt Zelda Czok, für die die Miete „für diese Lage normal und bezahlbar“ ist.

Doch nicht nur aus architektonischen Gründen ist die „Pflanzen-Station“ einzigartig. Aus Gründen des Denkmalschutzes hat der Laden keinen Wasseranschluss, Wasser muss aus der angrenzenden Tiefgarage geholt werden. Für die meisten „Pflanzeneinzelhändler“ wäre das ein Ausschlusskriterium gewesen. Für Zelda Czok nur eine „kleine Herausforderung“.

Der komplette Beitrag über die Hamburger Pflanzen-Station ist in der TASPO 31/2018 in unserer Reihe „Good News“ erschienen.