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"Grün geht uns alle an!": 1. Norddeutscher Baumschultag 2009: Mit guten Argumenten Grün in Politik und Kommunen verankern

Am 13. Mai fand im Gartenbauzentrum Ellerhoop der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein der erste Norddeutsche Baumschultag statt. Im Mittelpunkt der Tagung unter dem Titel "Grün geht und alle an!" standen die vielfältigen Leis-tungen von Pflanzen für die Lebensqualität in den Städten. Etwa 200 Teilnehmer, Baumschuler, GaLaBauer, Landschaftsarchitekten, aber auch Vertreter der Kommunalverwaltung und -politik, hörten und diskutierten verschiedene Sichtweisen und Konzepte.

Erklärtes Ziel der Veranstalter, der Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein des Bundes deutscher Baumschulen (BdB), war es, eine öffentliche, über die brancheninterne Diskussion hinausgehende Debatte zum Grün in der Stadt auszulösen. "Der erste Norddeutsche Baumschultag ersetzt den öffentlichen Teil der Jahreshauptversammlung der Landesverbände", sagte der Schleswig-Holsteinische Verbandsgeschäftsführer Dr. Frank Schoppa, der die Tagung moderierte und aufzeigte, dass diese Veranstaltung die erste einer Reihe werden sollte.

Der Umweltminister des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Christian von Boetticher, betonte in seinem Einstiegsreferat, dass "es nicht leicht ist, in diesen Krisenzeiten für Investitionen zu sprechen. Aber für die Investition in Grün gibt es viele gute Gründe" und deshalb begrüße er sehr das Engagement der Landesverbände des BdB, diese Veranstaltung durchzuführen. "Interessant ist doch, wie Städte entworfen werden, die neu entstehen - zum Beispiel in Abu Dhabi oder auch in China. "Dort sind Grünflächen enorm wichtig und das beweist, dass die Leistungen von Grün zur Verbesserung der Lebensqualität von Städteplanern erkannt sind", so von Boetticher. Die Frage sei aber: "Braucht es dafür staatliche Vorgaben?" "Aus meiner Sicht wäre es der falsche Weg, Bauherren verbindliche Vorgaben für Begrünungen zu machen. Vielmehr sollten die Vorteile des Grüns noch offensiver vermittelt werden und auf die gesellschaftliche Bedeutung von neuen Begrünungen und der nachhaltigen Pflege bereits bestehender Grünflächen hingewiesen werden".

Das von den Gartenbauverbänden mit initiierte Internationale Forum "Die grüne Stadt" sei ein gutes Beispiel, so der Minister, wie das Wissen um die Vorteile von privatem und öffentlichem Grün der breiten Bevölkerung vorgestellt werden kann. Wenn Grün alle angeht, muss es auch das Ziel sein, alle zu erreichen, so der Minister weiter.

Hier knüpfte Peter Menke an, stellte das Forum "Die Grüne Stadt" vor und berichtete von verschiedenen Aktionen der letzten Jahre. Das Poster "Ein Baum" hänge in hunderten Schulen, die Postkarten und Informationsbroschüren seien in hohen Auflagen verbreitet und bei zahlreichen Vorträgen und Workshops habe der Wert von Grün im Fokus gestanden. Dennoch gebe es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, lud Menke die Zuhörer zum Mittun ein. "Der gesellschaftliche Nutzen von Grün wird in der öffentlichen Diskussion immer noch zu wenig wahrgenommen."

Professor Dr. Hartmut Balder von der Technischen Fachhochschule Berlin stellte in seinem Vortrag die Expertise der Baumschulen in den Fokus: "Das Wissen um die Produktions- und Lebensbedingungen von Pflanzen ist die Voraussetzung für erfolgreiches, das heißt auch wirtschaftlich erfolgreiches Grün in der Stadt", so Balder. Das öffentliche und das private Grün gingen mehr und mehr ineinander über, die Vorteile und Leistungen von Pflanzen auf die Lebensqualität und für das Wohlbefinden der Menschen seien längst bekannt, es fehle jedoch oft an der Umsetzung. Wichtig sei aber auch, dass nur gesunde Bäume ihre Wohlfahrtswirkung entfalten könnten - und dafür brauche es weitere Forschung.

Rainer Müller vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) begann mit einem klaren Statement: "Das Wohnen endet nicht an der Wohnungstür, sondern das Außengelände trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft steigert ansprechendes und gepflegtes Grün also den Wert der Immobilien." Am Beispiel der in den 50er Jahren gebauten Böckler-Siedlung in Neumünster zeigte Müller ein typisches Problem auf: "In der Grundplanung war keine Gestaltung der Außenanlagen vorgesehen. Die Bewohner hatten alle Nutzgärten und waren damit in ihrem Grünbedürfnis versorgt. Erst in den letzten Jahren wird der öffentliche Bereich dieser und ähnlicher Wohnanlagen gestaltet und planvoll bepflanzt." In den nächsten Jahren gebe es einen großen Nachholbedarf zur Aufwertung der Außenanlagen, da sich nur guter und hochwertiger Wohnraum überhaupt vermieten lasse.

Der Geschäftsführer der Internationalen Gartenschau (IGS) Hamburg, Heiner Baumgarten, zog die Betrachtung über das wohnungsnahe Umfeld hinausgehend auf das gesamtstädtische Niveau. Baumgarten: "Die Frage ist, wie schafft man es, die Grünstruktur eines Stadt-teils nachhaltig zu gestalten?" Die Ziele der IGS 2013 stünden in der Tradition von mehreren erfolgreichen Hamburger Gartenschauen. "Es gilt, den Volkspark des 21. Jahrhunderts zu bauen", so Baumgarten.