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Guerilla-Gärtner: Grüne Revolution

Es ist mitten in der Nacht. In dem langsam aber stetig weiter verfallenden Viertel New Yorks sind die meisten Straßenlaternen kaputt geschlagen, die ein wenig Licht hätten geben können. An einem Bauzaun geht ein Mann entlang. Er hält etwas kugelförmiges in der Hand. Er macht sich nicht die Mühe, sich zu verbergen, wer sollte ihn auch entdecken? Hier streunen nur ein paar Ratten und verwilderte Katzen herum.

Der Mann bleibt stehen, blickt um sich, um sich zu vergewissern, dass wirklich niemand ihn beobachtet. Dann holt er aus und wirft den Gegenstand im hohen Bogen über den Zaun. Es kommt kein Knall, kein Lichtblitz. Der Mann ist kein Attentäter, nur Pflanzenliebhaber - und warf eine Samengranate! Begonnen hat die Bewegung der Guerilla-Gärtner in den 70ern in New York. Durch Grundstücksspekulationen und hohe Mieten standen plötzlich viele Häuser, gerade in den so genannten besseren Vierteln, leer und wurden über kurz oder lang abgerissen. Umgeben von den letzten halbwegs gepflegten Häusern der Familien, die schon lange hier leben, breiten sich verkommene Brachflächen aus wie Geschwüre. Diese Flächen locken Unwillkommene an, auch zweibeinige, Dealer und andere Kriminelle. Dem und der Trostlosigkeit durch den Anblick der ungepflegten Flächen versuchten die Betroffenen entgegen zu wirken und begannen zu pflanzen, ohne weiter auf behördliche Genehmigungen zu warten. Weil sie die Grundstücke illegal betraten, verlegten sie ihre heimlichen Aktivitäten meist in die Nachtstunden. Waren die Grundstücke eingezäunt, bauten sie kleine "Granaten", Bälle aus Erde und Samen, und warfen sie über den Zaun. Die Bewegung erreichte mittlerweile auch Europa, zuerst - fast schon logischerweise - unsere gerne mal exzentrischen Freunde auf der Insel. In London begann eines Tages Richard Reynolds, die verwahrlosten und vermüllten Grünstreifen vor seiner Tür zu pflegen. Schon bald schlossen sich ihm Gleichgesinnte an. Inzwischen haben sie ihre eigene Website, auf der sie Beispiele ihrer Arbeit, mit Bildern illustriert, vorstellen (www.guerrillagardening.org). In Deutschland schulterten erst kürzlich die unorthodoxen Hobbygärtner zuerst in Berlin Hacke und Spaten, um der Stadt auch in den weniger glanzvollen Vierteln grüne Nischen zu schenken. Erste Hinweise auf Aktivitäten finden sich im Internet unter gruenewelle. org/index_de.html. Aufschlussreich ist auch die Seite der Wiener: www. guerillagaertner.org. Dass den Profigärtner Konkurrenz erwächst, braucht sicher niemand zu befürchten. Dort, wo die Idealisten buchstäblich im Untergrund werkeln, wären sicher keine öffentlichen Aufträge erteilt worden. Dafür ist ihr Engagement ein eindrucksvoller Hinweis darauf, wie wichtig Grün für unser Wohlbefinden und für die Gestaltung unseres Lebensraumes ist.