Alle News

Gute Chancen für Fortbestehen von Baumschule Hartmut Heinje und Rhodoflora

Zwei Insolvenzverfahren sind es derzeit, die das Baumschulunternehmen Hartmut Heinje in Edewecht betreffen: Zum einen wurde bereits am 7. September 2009 beim Amtsgericht Oldenburg ein Insolvenzantragsverfahren über den Nachlass des im August verstorbenen, ehemaligen Baumschulinhabers Hartmut Heinje als Einzelunternehmen eröffnet. Der unerwartet an einem Herzinfarkt verstorbene Unternehmer hatte seine Tochter Gesche Tina als Alleinerbin eingesetzt, die nach intensiver Prüfung der Finanzlage durch einen Unternehmensberater dafür aber zu ihrem eigenen Schutz Nachlassinsolvenz beantragte: "Masse ist zwar genug da, aber die Liquidität des Unternehmens ist durch verzögerte Immobilienverkäufe und zwei anhängige Versicherungsfälle derzeit so begrenzt, dass ich allein die Erbschaftssteuer schon nicht hätte bezahlen können", erläutert die Erbin gegenüber der TASPO. Zum Insolvenzverwalter für das Unternehmen, das sich seit einigen Jahren "Heinje Baumschulen" nennt und mit dem Logo "Heinje 1798" auftritt, nachdem es unter der ursprünglichen Bezeichnung "D.Heinje" oftmals zu Verwechselungen mit einem namensgleichen Mitbewerber gekommen war, wurde Kaufmann Dr. Bernd Sundermeier aus Varel bestellt. Die Baumschule in Edewecht an sich, geführt als landwirtschaftlicher Betrieb, lief und läuft auch weiter gut, das Herbstumsatzziel sei erreicht, viele Containerbestände seien jetzt schon verkauft und wichtige bestehende Kunden, unter anderem Ketten, treten weiter als Abnehmer auf, wie Sundermeier bestätigt. Insofern hätte für die Baumschule keine Insolvenz angemeldet werden müssen, wenn nicht das nicht davon getrennte Immobilienvermögen - zwei Geschäftshäuser, zwei Supermärkte und Bauland - Verluste eingefahren hätte. "Aber diese Probleme werden sich in naher Zukunft durch anstehende und bereits beurkundete Verkäufe deutlich vermindern", so Sundermeier. "Trotz einer sehr vorsichtigen Bewertung sind wir zu einer Quote von rund 100 Prozent für das Unternehmen gekommen, einen Insolvenzfall mit einer so guten Prognose gibt es selten", sagt der Insolvenzverwalter. Gläubiger, vor allem Zulieferfirmen, unter ihnen als größter die örtliche Raiffeisen Genossenschaft, seien durch Landübertragungen abgesichert worden und könnten durch deren Verkauf einen größeren Teil ihrer Ansprüche befriedigen. Aus zwei Versicherungsfällen, einer Überschwemmung großer Containerflächen und einem durch Kinder ausgelösten Brand, beide im Jahr 2007, beständen noch berechtigte Forderungen des Unternehmen auf Zahlungen in nicht unbeträchtlicher Höhe. Insgesamt sieht Sundermeier deshalb gute Chancen, dass Heinje Baumschulen/Heinje 1798 auch in Zukunft weiter laufen wird. Insgesamt beläuft sich die Summe aller Forderungen der Gläubiger auf unter einer Million Euro, und es gebe eine realistische Chance, dass diese Ansprüche befriedigt würden, wie Sundermeier bestätigt. Die Hauptschuld in mehrfacher Millionenhöhe bestehe gegenüber der Bank, die aber durch die angehenden Immobilienverkäufe nach und nach gedeckt würde. Nach Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens erfolgte wenig später, am 1. Oktober 2009, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, ebenfalls beim Amtsgericht Oldenburg, über das Vermögen der Rhodoflora Pflanzenveredelungs GmbH, gleichfalls mit Sitz in Edewecht. Die beiden Insolvenzverfahren hängen ursächlich zusammen, wie Dr. Dirk Rüffert (Oldenburg), Rechtsanwalt und Isolvenzverwalter der Rhodoflora GmbH, gegenüber der TASPO ausführt: "Die beiden Unternehmen sind zwar rechtlich völlig getrennt. Aber das Einzelunternehmen Heinje war einziger Abnehmer der Rhodoflora GmbH", somit treffe der Insolvenzfall Hartmut Heinje auch die Rhodoflora. Die GmbH verfüge mit Ausnahme der Pflanzenbestände nur über wenig Masse. Es handele sich bei den Insolvenzen um völlig getrennte Verfahren, wobei Dr. Rüffert aber - beispielsweise in Richtung einer möglichen Sanierung - gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter des Einzelunternehmens Heinje nach gemeinsamen Lösungen suche. Um den Betrieb der GmbH, hier vor allem die Pflege der Pflanzenbestände, aufrecht zu erhalten, wurden beispielsweise Mitarbeiter der GmbH bei den Heinje Baumschulen/ Heinje 1798 eingesetzt. Geschäftsführerin der Rhodoflora GmbH ist Gesche Tina Klemm geb. Heinje. Durch die Geschäftsform der GmbH haftet sie für die Rhodoflora GmbH allerdings nicht persönlich, Ausnahme könnten beispielsweise Forderungen an sie als Unternehmerin, beispielsweise bezüglich der Umsatzsteuer oder der Krankenkasse für den Arbeitnehmeranteil nicht gezahlter Beiträge sein. Die GmbH sollte ursprünglich mit der Baumschule verschmolzen werden, da die GmbH ausschließlich für Heinje Baumschulen/Heinje 1798 produzierte. Dazu kam es wegen des plötzlichen Todes des Firmeninhabers jedoch nicht mehr, ist aber eine mögliche Zukunftsoption: "Wir setzen alle unsere Kräfte ein, um die beiden Unternehmen künftig mit einem veränderten Konzept als ein Unternehmen weiter führen zu können und unser Familienunternehmen zu erhalten", bestärkt Klemm. Entgegen vieler anderslautender Gerüchte laufen laut Aussage beider Insolvenzverwalter in beiden Verfahren nicht ungewöhnlich viele Klage-Verfahren. "Das kann ich klar verneinen", sagt Dr. Rüffert. Grundsätzlich würden durch eine Insolvenz erst einmal alle Klageverfahren unterbrochen und vom Insolvenzverwalter geprüft, ob berechtigte Ansprüche gegen das Unternehmen vorliegen oder es umgekehrt Klagen mit Erfolgsaussichten für das Unternehmen gebe. Verwirrung herrscht in Branchenkreisen vor allem deshalb, weil Gesche Tina Klemm als Heinje-Tochter und Rhodoflora-Geschäftsführerin zeitgleich auch Inhaberin des Unternehmens LabBioPlant, angemeldet ebenfalls mit Sitz in Edewecht, ist, das in China Pflanzen in vitro vermehrt und unter anderem hier nach Deutschland und auch an die Rhodoflora GmbH veräußert (wir berichteten in der TASPO). Unter anderem für diese Geschäftsidee war Klemm erst kürzlich mit dem TASPO-Award in der Kategorie "Betriebsgründung des Jahres" ausgezeichnet worden, was in der Branche angesichts der ungeklärten Vermögenssituation der Heinje-Unternehmen teilweise heftige Kritik ausgelöst hatte. Das Unternehmen LabBioPlant, so bekräftigt Rüffert, sei jedoch ein völlig eigenständiges, von den anderen unabhängiges Unternehmen, das jetzt allerdings auch Forderungen gegen die Rhodoflora GmbH habe.