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Hagel, Sturm und Brände: Gartenbau-Versicherung bewertet 2012 als ausgeglichenes Schadensjahr

Die Schadensituation des Jahres 2012 war in der Gartenbau-Versicherung (Wiesbaden) durch einen vergleichsweise guten Verlauf in Deutschland und einen zum Teil deutlich schlechteren Verlauf im Ausland gekennzeichnet. Wie die berufsständische Spezialversicherung für den Gartenbau in ihrem Mitgliederbrief informiert, konnte in der Summe jedoch wieder eine ausgeglichene Schadenbilanz erzielt werden. So lag die Schadenquote des Unternehmens über alle Länder und Versicherungszweige gesehen mit 55 Prozent in einem zufriedenstellenden Bereich. 

Mit Ausnahme von drei großen Schadenfällen im Versicherungszweig Hagel hätten die Unwetter des zurückliegenden Jahres zu zahlreichen, überwiegend kleineren bis mittleren Einzelschäden geführt. Im Versicherungszweig Feuer sei anhand zweier Brandfälle in Deutschland wieder einmal deutlich geworden, wie stark das Schadenausmaß davon abhängt, ob schwer entflammbares (B1-) Energieschirmtuch eingesetzt wurde oder nicht.

Nachfolgend ein Überblick der Gartenbau-Versicherung über die wichtigsten Schadenereignisse des Jahres 2012:


5. Januar 2012: Sturm in Deutschland und in der Schweiz
Der Jahresbeginn 2012 zeichnete sich durch sehr stürmische, feuchte Witterung aus. Den Auftakt zahlreicher, in Deutschland jedoch eher kleinerer Schäden machte Sturmtief „Andrea“. Deutlich heftiger waren die Folgen in der Schweiz (Wallis). Hier wurden mehrere Foliengewächshäuser schwer geschädigt.


Februar 2012: Schneedruckschäden in Italien

Im Januar und Februar fielen an der italischen Adriaküste zwischen Rimini (Emilia-Romagna) und Pescara (Abruzzen) durch ein von Osten hereinziehendes Tiefdruckgebiet große Mengen an Nassschnee von stellenweise bis zu 50 cm. Dies führte zu dutzenden Zusammenbrüchen von Glas- und Foliengewächshäusern.


29. März 2012: Großbrand in Schleswig-Holstein

In einer Gärtnersiedlung in Schleswig-Holstein kam es in der Nacht zum 29. März zu einem Großbrand. Im betroffenen Betrieb brannten Produktionsgewächshäuser von 5.500 Quadratmetern vollständig aus. Das Feuer konnte sich durch die noch nicht erneuerten, leicht entflammbaren (B3-) Energieschirmtücher sehr schnell großlächig ausbreiten und entwickelte eine erhebliche Zerstörungskraft. Durch das brennend herunterfallende Schirmmaterial wurden die Kunststoffauflagen der Mobiltische insbesondere in den Bereichen, in denen sich keine Kulturen auf den Tischen befanden, entzündet. Hierdurch erhielt das Feuer zusätzliche Nahrung und konnte so deutlich mehr Schaden anrichten. Im Gegensatz hierzu gerieten die Kunststoffauflagen vieler Tische, wo die Kulturen Topf an Topf standen, nicht in Brand. Dennoch entstand auch hier erheblicher Schaden durch den abgebrannten Energieschirm. Die Flammen hinterließen stark ver- rußtes bis komplett zerstörtes Glas, teils erheblich verformte Gewächshauskonstruktionen sowie einen Totalschaden an den Kulturen, die aus verkaufsfertigen Begonien und anderen blühenden Topfplanzen bestanden. Der Brand ging vermutlich auf einen technischen Defekt zurück.


21. Mai 2012: Hagel im Elsass

Im Elsass vernichtete Hagel den Großteil der Freilandproduktion eines Callunenbetriebs. Zusätzlich verursachten die aufliegenden Hagelkörner Frostschäden an frisch getopften Pflanzen.


Hagel in Deutschland

Unbeständige Witterung mit einem Auf und Ab der Temperaturen von deutlich zu kühl und zu nass bis hochsommerlich heiß und gewittrig kennzeichneten die Monate Mai bis Juli. Erst im August setzte sich beständiges Hochdruckwetter von zum Teil extrem hohen Temperaturen durch. Schönwetterperioden während der Monate Mai bis Juli endeten fast durchweg gewittrig, regional begleitet von teils heftigem Hagel.  Im Gartenbau führte dies in der zweiten Maihälfte insbesondere in Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen, überwiegend jedoch kleineren bis mittleren Hagelschäden an Gewächshäusern und Freilandkulturen.


Am 18. Juni ereignete sich ein schweres Hagelunwetter an der Ostseeküste.

Ein Hagelzug richtete an zwei größeren Betrieben Schäden in Millionenhöhe an. Ein Gemüsebetrieb mit Unterglas-Tomaten im Anbau wurde so gravierend getroffen, dass die Kulturen im älteren Bauabschnitt des Betriebs vollständig aufgegeben werden mussten. Die neuere Venlo-Anlage überstand den Hagel etwas besser, hier konnte die Kultur nach Abschluss der Reparaturarbeiten weiter fortgeführt werden. Durch die Splitterwirkung konnten alle zum Zeitpunkt des Hagels vorhandenen Früchte nicht in den Handel gegeben werden. Sieben Trosse gingen somit vollständig verloren.

Bei der zweiten Gärtnerei handelte es sich um einen Produktionsbetrieb für Zierpflanzen. Über 50 Prozent der vorhandenen Dachfläche wurden zerstört. Der eigentliche Glasschaden iel im Vergleich zum vorgenannten Betrieb teils noch gravierender aus. Aufgrund der Tatsache, dass ein Großteil der Beet- und Balkonpflanzen zum Zeitpunkt des Unwetters bereits verkauft war, hielt sich der Kulturschaden hier jedoch in Grenzen.

Kräftige Schauer und Gewitter beendeten die hochsommerlichen Temperaturen der dritten Junidekade. Hagel und Sturm führten zum Monatswechsel in Süddeutschland zu insgesamt 170 Schadenmeldungen. Die Gesamthöhe belief sich auf 1,3 Millionen Euro. Bei deutschlandweiter Hochdrucklage fiel der August deutlich ruhiger aus. Ende des Monats richtete jedoch ein kurzes heftiges Unwetter mit teilweise tennisballgroßen Hagelkörnern imSüdschwarzwald erhebliche Glasschäden an Gewächshäusern an.


16. Juni 2012: Windhose am Niederrhein

Beträchtlichen Schaden richtete eine Windhose in einer Gärtnerei in Straelen an. Der „Mini-Tornado“ riss Teile einer Stehwand aus einem Gewächshauskomplex heraus und schleuderte diese auf das benachbarte Maisfeld. Der Großteil der betroffenen Häuser war zum Zeitpunkt des Schadens bis auf eine größere Stückzahl Cuphea-Pflanzen bereits weitgehend geräumt. Das Problem stellten hier vielmehr die Einhaltung von Lieferverträgen und damit der rechtzeitige Anschluss der Folgekulturen dar. Die Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten standen daher unter einem enormen Zeitdruck. Dank der reibungslosen, guten Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmen war der Produktionsbetrieb bereits nach zwei Wochen wieder voll arbeitsfähig.


9. September 2012: Brand in Gartenmarkt

In einem Gartenmarkt im westfälischen Gronau, dessen Verkaufsanlage durch einen Brand Ende 2008 komplett zerstört worden war, brach am 9. September erneut ein Feuer aus. Der Betrieb hatte beim Wiederaufbau nach dem Feuerschaden in 2008 entscheidende Maßnahmen zur Risikovorkehrung getroffen. Hierzu gehörten die Installation  von schwer entflammbaren Schirmtüchern im Verkaufsraum und Polycarbonat-Platten als Eindeckungsmaterial. Hierdurch und dem gleichzeitigen schnellen Einsatz der Feuerwehr blieb der neuerliche Schaden auf den Sozial- und Bürotrakt des Unternehmens beschränkt und breitete sich nicht auf den anliegenden Verkaufstrakt aus. 


2. Dezember 2012: Großbrand in den Niederlanden

Kurz vor Jahresende stand das Betriebsgebäude eines Chrysanthemen- Produzenten im niederländischen Zuilichem (südlich von Utrecht) in Flammen. Als Brandursache wurde ein technischer Defekt festgestellt. Das Gebäude wurde komplett, die an- grenzenden Gewächshäuser teilweise zerstört. Es entstand auch erheblicher Schaden an den technischen Einrichtungen (Kesselanlage, BHKW, Bewässerungsanlage usw.). Die bestehenden Chrysanthemen-Kulturen konnten auf der gesamten Betriebsfläche von drei Hektar nicht fortgeführt werden und gingen verloren. Erwähnenswert ist, dass die betroffene Gewächshausanlage noch vor der Wiederherstellung des Betriebsgebäudes übergangsweise von einem Nachbarbetrieb mit Energie versorgt werden kann. Hierdurch fällt der zu erwartende Unterbrechungszeitraum der Blumenproduktion voraussichtlich deutlich kürzer aus als bei vergleichbaren Schadenfällen. (gevau)