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Handel: Bequemlichkeit gibt den Ton an

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Nicht mehr von Kunden, sondern von digitalen Nutzern ist der Handel umgeben. Und diese User sind bequem. Was das für die Branche bedeutet, weiß Dr. David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts in der Schweiz.

Der Konsument von heute: bequem vom Sofa aus per E-Commerce bestellen. Foto: Pixabay

Digitale Transformation: Dienstleistungen werden immer wichtiger

„Wir sind nicht mehr umgeben von Konsumenten, sondern von Nutzern. Und sicher ist, je mehr der digitale Nutzer dominiert, umso wichtiger werden Dienstleistungen“, sagt Bosshart. Denn der Konsument rufe heute nach Convenience. „Jeder Mensch ist gerne faul“, so der Experte. Eine Grundbetrachtung, die sich Handels-Riesen wie Amazon und Zalando zum (erfolgreichen) Credo gemacht hätten.

Kunden begeistern: Convenience is King

Und weshalb ist der Kunde faul? Weil er es kann; das legt zumindest eine Studie des Boston Massachusetts Institute of Technology nahe. Demnach würden Nutzer für die Benutzung eines E-Mail Clients 8.500 Dollar oder für eine Suchmaschine 17.500 Dollar pro Jahr zahlen. Die Möglichkeit, im Internet einkaufen zu können, ist den Nutzern dagegen wenig wert: schlanke 850 Dollar im Jahr. „Das ist verrückt“, sagt Bosshart.

Dass der Handel nicht ohne den E-Commerce zurechtkommen wird, liegt dem Experten nach an der fortschreitenden Digitalisierung aber auch an der zunehmenden Knappheit freier Flächen. Das Thema der Flächenknappheit und zunehmenden Verstädterung nimmt etwa das Portal Yard Yum auf. Hier vermieten Kommunen, öffentliche Einrichtungen und Privatpersonen ihre Gärten auf Zeit.

Eine vielversprechende Einnahmequelle bilden Subskriptionsmodelle. „Für Anbieter bedeutet das weniger Fluktuation, weniger Risiko und fest kalkulierbares Einkommen“, weiß Bosshart. Längst habe sich das Abo-Angebot verschiedener Video-Streaming-Dienste auch auf andere Branchen ausgebreitet. „Volvo bietet ein solches Modell an, das den Service abdeckt und alle 24 Monate ein neues Auto verspricht“, berichtet der CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts.

Digitale Geschäftsmodelle im Bereich Garten

Auch im Bereich Garten sind erste digitale Geschäftsmodelle vorhanden. „Sicherlich waren technische Geräte bisher ein stiller Helfer, heute sind sie ein wichtiger Bestandteil, so etwa intelligent vernetzte Systeme, um den Garten zu bewässern“, weiß Bosshart. Der Garten werde immer mehr mit dem Bereich Gastronomie verschmelzen. In der Schweiz gibt es bereits erste Plattformen, die das Gartenerlebnis mit naturnahmem und teilweise auch veganem Essen zusammenbringen, zubereitet von bekannten Köchen.

Es geht laut Bosshart im Handel nicht mehr um passiven Abverkauf. Vernetzte Dienstleistungen müssen unterstützen. Unternehmen müssen von der Führung bis zum Mitarbeiter bereit und fähig zur digitalen Transformation sein. Das heiße auch, das richtige Personal beschäftigen. Richtige Geschäftspartner und Dienstleister werden immer wichtiger, sie müssen zu den eigenen Ambitionen passen.

„Die heutige Geschäftswelt und die der Zukunft wächst nicht mehr linear, sondern exponentiell. Auf Schritt 2 folgt nicht mehr Schritt 3, sondern 4“, ist sich der Experte sicher. Man müsse nur die Leistungsfähigkeit von Computerchips betrachten, die sich in den letzten 40 Jahren in manchen Fällen um das 3.500-fache gesteigert habe. Die Energieeffizienz habe sich sogar um das 90.000-fache vergrößert, während die Kosten um das 60.000-fache gefallen seien.

500.000 Kilometer pro Stunde in einem Käfer

„Wenn wir das auf einen VW-Käfer übertragen, würde dieser heute 500.000 Kilometer pro Stunde schnell und 850.000 Kilometer weit fahren und dazu nur 4 Cent kosten. Das ist die Welt in die wir uns bewegen“, sagt Bosshart. Dr. David Bosshart hielt seinen Vortrag „New Age of Retail – was sind die neuesten Technologien, und wie werden sie die Kunden nutzen?“ im Forum Gartencafé auf der TASPO Bühne am 3. September im Rahmen der spoga+gafa 2018 in Köln.