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Hitzeausfälle: Verlust von 500 Millionen Jungbäumen?

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Eine Forstjungpflanze hat von der Saatguternte bis zur Auslieferung eine Produktionszeit von zwei bis fünf Jahren. Schon Orkane wie Kyrill oder Friederike sorgten für Lieferengpässe bei Forstbaumschulen. Hitze und Trockenheit verschärfen die Situation.

Verkaufsfähige Jungpflanzen. Foto: Forstbaumschule Matthias Ostermann

Ohne Regen droht Totalausfall

Durch die Trockenheit, so schätzt der Bundesverband Deutscher Forstleute, drohen bundesweit bis zu 500 Millionen neu angepflanzter Bäume verloren zu gehen. Doch noch haben nicht alle Waldbesitzer und Forstbaumschulen ihre Neuanpflanzungen „abgeschrieben“.

„Ich schätze, im Moment sind in unserem Landkreis von den Kulturen rund 30 bis 40 Prozent ausgefallen“, erklärte Elke Harrer, Försterin Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. „Wenn es nicht zu regnen anfängt, dann können wir mit 90 bis 100 Prozent Ausfall rechnen.“

Trockenheit schlimmer als Hitze

Mit der Temperatur kämen die Bäume noch zurecht, so Mathis Jansen von der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Schlimmer sei das Regendefizit seit April. „Im Mai fehlten 75 Prozent Niederschlag“, stellte Jansen fest. Besonders gefährdet seien junge Bäume, die in den vergangenen Jahren oder im Frühjahr in den Boden kamen und noch nicht tief wurzeln.

Im Unterschied zum Herbst verlieren die Bäume jetzt mit den Blättern viele Nährstoffe. Das mindere den Holzzuwachs und sei später an den Jahresringen sichtbar. Im Herbst erfolge dagegen ein Nährstoffrückfluss aus den Blättern in die Sprosse.

Zusätzliche Bewässerung für Jungpflanzen

In der Forstbaumschule Güstrow werden Jungpflanzen jetzt täglich in den Morgenstunden bewässert, um den Boden aufnahmefähig für Wasser zu halten, erklärt Vertriebschef Robert Pietsch. Dennoch würden die Bäume nicht so gut wachsen wie in normalen Jahren. Vor allem auf Freiflächen in voller Sonne gebe es Ausfälle. Sorge bereiten derzeit zudem Forstschädlinge.

Auch die norddeutschen Weihnachtsbaum-Produzenten trifft der Hitzesommer. Die im Frühjahr neu angepflanzten Bäume seien reihenweise eingegangen, äußerte sich Bernd Oelkers, Vorsitzender des Verbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Niedersachsen, Bremen und Hamburg gegenüber dem NDR.

Ausfälle in der Produktion von Weihnachtsbäumen

Teilweise sei an einigen Standorten mit Totalverlusten zu rechnen. Im Durchschnitt seien wegen der Trockenheit derzeit etwa 50 Prozent der Jungpflanzen eingegangen. Wenn es in den nächsten zwei bis drei Wochen weiter trocken bleibe, könnten Totalausfälle weiter zunehmen, so Oelkers. Allerdings werde sich ein Engpass erst in einigen Jahren zeigen.