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IGZ Erfurt: 1000 Unterstützer für Online-Petition

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Die drohende Schließung des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) am Standort Erfurt wirbelt in der grünen Branche mächtig Staub auf. Auch die Studierenden der FH Erfurt der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst (LGF) wollen diesen Schritt nicht hinnehmen und hatten eine Online-Petition für den Erhalt des IGZ Erfurt initiiert. TASPO Online hat dazu mit Constanze Adam, einer der Initiatorinnen, gesprochen.

Welche Bedeutung hat das IGZ Erfurt für die Studierenden und die gartenbaulichen Studiengänge?

Für uns Studierende des Bachelorstudiengangs „Gartenbau“ und des Masterstudiengangs „Pflanzenforschungsmanagement“ ist die Zusammenarbeit mit dem IGZ von großer Bedeutung. Vom ersten Semester an machen wir Exkursionen ins IGZ und erhalten so praxisnahe Einblicke in die Grundlagenforschung an gartenbaulichen Kulturen.

In den darauffolgenden Semestern gibt es in den Bereichen Forschung und Lehre viele Kooperationen, so werden zahlreiche Lehrveranstaltungen von Mitarbeitern des IGZ an der FHE gehalten und Abschlussarbeiten von uns Studierenden der FHE am IGZ durchgeführt und betreut.

Die Labore der FHE können nicht alle Aspekte der Pflanzenforschung abdecken und bieten auch nicht das nötige Betreuungspersonal; daher ist das IGZ als Kooperationspartner und zusätzlicher Ausbildungsort der FHE für uns sehr wichtig und insbesondere im Masterstudiengang „Pflanzenforschungsmanagement“, nahezu unverzichtbar.

Ebenso wichtig ist die Kooperation für die Ausbildung der Studierenden des Bachelorstudiengangs „Gartenbau“, unter anderem in den Bereichen Pflanzenzüchtung und Biotechnologie. Die Einbindung in aktuelle Forschungsprojekte ermöglicht uns, das Knüpfen von Kontakten zu den Praxisbetrieben, die als potentielle Arbeitgeber für uns in Frage kommen.

Welche Konsequenzen befürchten die Studierenden durch eine Schließung des IGZ Erfurt?

Die Schließung des Erfurter Standortes des IGZ hätte gravierende Konsequenzen für die Attraktivität unserer Studiengänge, denn die Qualität des Bachelorstudiengangs „Gartenbau“ wäre spürbar, diejenige des Masterstudiengangs „Pflanzenmanagement“ massiv beeinträchtigt!
Der Kooperationsvertrag zwischen dem IGZ und der Fachhochschule Erfurt besteht seit 1994, das heißt seit über 20 Jahren mit dem Ziel der Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen in den Bereichen Forschung und Lehre.

Insgesamt würde eine Schließung die über Jahre entwickelte und für die FHE sehr zentrale und nachweislich sehr fruchtbare Kooperation beenden. Für den Laborbereich und das Know-how gibt es im Raum Erfurt keinen Ersatz! Das bedeutet, dass Erfurt als Wissenschaftsstandort insgesamt verlieren würde.

Was hat Sie bewogen, eine Online-Petition zu starten?

Wir wurden von der Information einer bevorstehenden Schließung des Standortes überrascht – wie anscheinend das IGZ selbst auch. Die Entscheidungen scheinen weniger auf wissenschaftlicher als auf politischer Ebene zu liegen, jedoch wurden die Interessen der Studierenden und des Wissenschaftsstandortes Erfurt dabei keineswegs berücksichtigt.

Wir befürchten, dass bei dieser Entscheidung die bestehende und zukünftige Kooperation zwischen IGZ und FHE leider überhaupt nicht in Betracht gezogen wurde. Wie auch in unserer Online-Petition erwähnt, sind wir empört und können diese Entscheidung nicht akzeptieren. Wir wollen, dass die Qualität unserer Studiengänge bewahrt bleibt.

Um den Verantwortlichen unsere Betroffenheit mitzuteilen, halten wir eine Petition für den besten Weg. Mit der Bitte, von der Schließung abzusehen, appellieren wir damit unter anderem an Ministerin Birgit Keller (Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft), Minister Wolfgang Tiefensee (Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) sowie Finanzministerin Heike Taubert (Thüringer Finanzministerium).

Wie bewerten Sie die Erfolgsaussichten Ihrer Online-Petition im Hinblick auf die „Rettung“ des IGZ Erfurt?

Die Hintergründe solch einer Entscheidung sind sicher komplex und wir können nicht einschätzen inwieweit unsere Petition hier Berücksichtigung findet.

Nichtsdestotrotz denken wir, dass unsere Petition sehr wichtig ist, weil sie deutlich macht, dass von einer Schließung des Erfurter Standortes des IGZ ein ganzes Netzwerk der Forschung und Lehre betroffen wäre, in dem das IGZ eine Art Kristallisationspunkt ist und an dem aber auch Betriebe und Hochschulen in Thüringen und dem ganzen Bundesgebiet beteiligt sind. Dies zeigen eindrucksvoll die vielen Unterschriften von Betriebsinhabern aus ganz Deutschland.

Inwieweit haben Sie bei Ihrer Aktion Unterstützung erhalten? Und haben sich die Adressaten Ihrer Petition eventuell auch schon bei Ihnen zu Wort gemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert?

Wir haben bis heute rund 1.000 Unterstützer der Petition gewonnen. Wir freuen uns über die breite Unterstützung, die wir dabei finden, von Kiel bis ins Oberallgäu.
Der Wissenschaftliche Direktor des IGZ – Prof. Dr. Eckhard George, hat zu uns Kontakt aufgenommen. In einem vorangegangenen Interview hat er die Sicht des IGZ bereits genauer erläutert.
Von Seite der Adressaten gab es bisher leider keine Kontaktaufnahme.

Wie viele Unterzeichner haben sich an Ihrer Online-Petition beteiligt? Und wie lautet Ihr Fazit dazu?

Die Zeichnungsfrist unserer Petition endete nach vier Wochen am vergangenen Pfingstsonntag und erreichte 998 Unterschriften, vielfach auch verbunden mit interessanten erläuternden Kommentaren. Konkrete Erwartungen an eine bestimmte Anzahl von Unterstützern hatten wir nicht, da es für uns nichts Vergleichbares gab, an dem wir uns hätten messen können.

Im Grunde ging es in erster Linie um die Äußerung der Betroffenen (uns Studierende). Knapp 1.000 Unterschriften verdeutlichen, dass diese Thematik einen größeren gesellschaftlichen, sogar bundesweiten Anklang gefunden hat. 484 Unterstützer kommen aus Thüringen, alle weiteren sind aus den anderen Bundesländern vertreten.

Neben den unmittelbar Betroffenen haben wir mit der Petition auch Fachverbände, verschiedenste Unternehmen (von „Kakteen Haage“, der ältesten Kakteen-Gärtnerei der Welt bis hin zum weltweit agierenden, niederländischen Züchtungsunternehmen „Dümmen Orange“) sowie Medienvertreter erreicht. Das freut uns natürlich sehr.

Was sind Ihre nächsten Schritte, nachdem alle Unterschriften gesammelt sind? Wann werden diese übergeben?

Wir sind an einer persönlichen Übergabe der Unterschriften interessiert. Dazu haben wir Kontakt mit dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (Ministerin Birgit Keller) aufgenommen und um einen Übergabetermin gebeten. Die Übergabe wird höchstwahrscheinlich noch Ende der Woche stattfinden.

Sind weitere Aktionen von Seiten der Studierenden zur Verhinderung einer Schließung des IGZ geplant?

Nach dem Petitionsende steht nun erst einmal die Übergabe der Petition an. Weitere Aktionen zur Verhinderung einer Schließung des IGZ werden derzeit bei uns diskutiert. Wir werden dies jedoch von den Reaktionen der Adressaten und der weiteren Vorgehensweise der Verantwortlichen abhängig machen. Wir sind entschlossen, weiterhin für den Erhalt des IGZ am Wissenschaftsstandort Erfurt einzustehen und werben dafür um Unterstützung.