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IGZ Erfurt: Schließung besiegelt?

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Weder die von Studierenden der FH Erfurt initiierte Online-Petition, noch die kritischen Stimmen aus Politik und Gartenbau konnten das Ende für den Standort Erfurt des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) Erfurt/Großbeeren verhindern. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern hat jetzt das Aus für das IGZ Erfurt beschlossen.

Züchtungsforschung – ein wichtiger Schwerpunkt des IGZ-Standortes Erfurt. Foto: IGZ Erfurt

„Ich bedauere, dass die beteiligten Kolleginnen und Kollegen nun vor einer unsicheren beruflichen Zukunft stehen und die guten Forschungsansätze dort und die internationale Zusammenarbeit nun nicht mehr gefördert werden“, sagt Prof. Eckhard George, Wissenschaftlicher Direktor des IGZ. „Wissenschaftlich gesehen ist das ein großer Verlust.“

IGZ Erfurt an europäischem Netzwerk und Entschlüsselung des Petunien-Genoms beteiligt

Zu den jüngsten Erfolgen des IGZ Erfurt zählt unter anderem die Mitgestaltung eines inzwischen von der EU geförderten europäischen Netzwerks. Außerdem war eine Gruppe von Erfurter Forschern an der Entschlüsselung des Petunien-Genoms beteiligt, was laut IGZ „die Grundlage für eine moderne Züchtungsforschung an einer der beliebtesten Zierpflanzen ist“.

Als „in keiner Weise nachvollziehbar“ kritisiert der Zentralverband Gartenbau (ZVG) die Entscheidung der GWK, die Förderung des IGZ-Standorts Erfurts einzustellen. „Die Argumente, die der Senat der Leibniz-Gemeinschaft und dem Bundesforschungsministerium in den vergangenen Monaten vorgebracht haben, sind für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Aus der Evaluation des Instituts lassen sie sich jedenfalls nicht ablesen“, so ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer

ZVG: Schließung des IGZ Erfurt Aderlass für die Gartenbau-Forschung

Laut Fleischer werde damit ohne Not ein Forschungsinstitut zerschlagen, das für die anwendungsorientierte Zierpflanzen- und Gemüsebauforschung einzigartig und von herausragender Bedeutung sei. Die gesamte Gartenbauforschung erleide durch die Schließung des IGZ Erfurt einmal mehr einen Aderlass, der mittlerweile an die Substanz gehe, so Fleischer.

Insbesondere kleine und mittelständische, familiengeführte Gartenbau-Betriebe ohne eigene Forschung seien auf den Transfer von Innovationen aus der Wissenschaft in die Praxis angewiesen. Nur so könnten sie laut ZVG dem immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck standhalten. In vielen Forschungskooperationen habe das IGZ Erfurt, etwa bei Fragen der Pflanzenvermehrung und -züchtung, wesentlich zum Know-how-Transfer in die Praxis beigetragen.

ZVG fordert Lösung für Erhalt des IGZ Erfurt auf Landesebene

„Der Berufsstand erwartet jetzt, dass das Land Brandenburg den Gemüsebaustandort in Großbeeren weiterhin unterstützt und an dessen Zukunftssicherung mitarbeitet. Darüber hinaus fordern wir, dass sich das Land Thüringen und das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Lösung für den Erhalt des IGZ Erfurt außerhalb der Leibniz-Gemeinschaft einigen“, so Fleischer.

Das sei nicht nur für die Zierpflanzenforschung in Deutschland wichtig, sondern auch für die Mitarbeiter in Erfurt, von deren Arbeit der ZVG überzeugt ist.