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Integrierter Pflanzenschutz: Gut funktionierende Systeme vorhanden

In welchen Kulturen der Nützlingseinsatz schon gut funktioniert, wie die Globalisierung für einen bedrohlichen Austausch von gefährlichen Schadorganismen sorgt und was von Zusatzstoffen im Pflanzenschutzeinsatz zu halten ist, diese und andere Themen behandelte der Pflanzenschutztag der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen am 3. November 2005.

Wissenswertes zum Integrierten Pflanzenschutz gab es in folgenden Bereichen:

Topfpflanzen

Nach Auskunft von Marion Ruisinger, Spezialberaterin für biologischen Pflanzenschutz (Straelen), stehen für die Kultur verschiedener Topfpflanzenarten erfolgreiche Konzepte des Integrierten Pflanzenschutzes zur Verfügung, zum Beispiel für Beet- und Balkonpflanzen. Mithilfe des Integrierten Pflanzenschutzes konnte ihren Erfahrungen zufolge der chemische Pflanzenschutz bei der Bekämpfung von Schädlingen drastisch gesenkt werden. Positiv sei vor allem das Auftreten von zugeflogenen einheimischen Nützlingen zu bewerten. Sie könnten zu einem Teil des Pflanzenschutzkonzeptes werden. Ruisinger empfiehlt, vor der biologischen Bekämpfung unbedingt Angebote verschiedener Nützlingsfirmen für die Kostenkalkulation einzuholen. Bei der Produktion von Topfgemüse sei darauf zu achten, dass diese den Auflagen des Gemüsebaus unterliegen.

Cyclamen

Das von Jörg Klatt (Münster) und Holger Nennmann (Unna) vor einigen Jahren entwickelte Konzept zur biologischen Bekämpfung des Kalifornischen Blütenthrips, Frankliniella occidentalis, und des Zwiebelthrips, Thrips tabaci, mit Raubmilben sollte das Fundament des Integrierten Pflanzenschutzes bei Cyclamen bilden. Alle anderen Schaderreger können so bekämpft werden, dass die Raubmilben nicht gestört oder geschädigt werden. Dieses Konzept hat sich nach Auskunft von Klatt bewährt. Einziger Schwachpunkt sei die Bekämpfung von Raupen, die sehr früh erkannt werden müssten, um ihnen mit biologischen Maßnahmen wie Bacillus thuringiensis-Präparaten oder Trichogramma sp. begegnen zu können.

Mehrkosten für dieses System enstehen laut Klatt nur in der Umstellungsphase, nach rund drei Jahren hatte sich der finanzielle Aufwand stark reduziert und lag unter dem des chemischen Pflanzenschutzes.

Schnittrosen und -gerbera

Wilhelm Kleinesdar, Spezialberater Pflanzenschutz (Herford-Bielefeld), berichtete über Erfolge bei der Bekämpfung von Thrips in Schnittrosen. Der Schädling spiele eine große Rolle in dieser Kultur und sei mit Amblyseius cucumeris und Amblyseius bakeri gut zu bekämpfen – auch wenn zum Teil auf das integrierbare Präparat Conserve zurückgegriffen werden musste. In Schnittgerbera konnten sowohl die Weißen Fliegen Trialeurodes und Bemisia sowie die Spinnmilbe Tetranychus urticae gut mit ihren biologischen Gegenspielern Encarsia formosa und Phytoseiulus persimilis bekämpft werden. Dabei waren nach Auskunft des Beraters vor allem die Nützlinge, die aus Gemüsekulturen stammten, sehr effektiv. Der Erfolg bei der biologischen Bekämpfung von Blattläusen habe dagegen von Jahr zu Jahr stark geschwankt, so dass man in keinem Jahr von einer guten Wirkung ausgehen konnte.

Topfkräuter

Anders als bei Zierpflanzen handelt es sich bei Topfkräutern um rückstandsrelevante Kulturen. Darauf sollten Zierpflanzengärtner, die Topfkräuter in ihr Programm aufnehmen, unbedingt achten, bemerkte Willi Hennes (Bonn). Der Nützlingsberater wies darauf hin, dass zudem beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln Wartezeiten eingehalten werden müssen. Die Art der Bekämpfung richtet sich danach, ob es sich um Gewächshaus- oder Freilandkulturen handelt.

Unter Glas hat sich laut Hennes bei tierischen Schaderregern in vielen Fällen der Einsatz von Nützlingen bewährt, zum Beispiel bei Minierfliegen, Thripsen, Blattläusen oder Spinnmilben.

Eine biologische Bekämpfung von Zikaden sei dagegen zurzeit nicht möglich. Dieser Schädling habe in den letzten drei Jahren zunehmend Probleme an Lippenblütern bereitet, zu denen rund 60 Prozent der Topfkräuter zählen. Auch eine chemische Bekämpfung dieses Schädlings sei im Hinblick auf die Einhaltung von Wartezeiten schwierig. Als alternatives Verfahren bei der Bekämpfung von Pilzen habe sich laut Hennes der Einsatz von Milsana – einem Extrakt aus Stauden-Knöterich – vor allem zur Vorbeugung des Echten Mehltaus in Rosmarin bewährt.