Alle News

Interview: Baumschule zu Jeddeloh – die Macht der Marke

, erstellt von

Ein facettenreiches und strukturiertes Marketing ist ein starkes Instrument eines jeden Unternehmens – nicht nur, aber vor allem auch in andauernden Krisenzeiten wie diesen. Im Interview sprechen Ivonne Solbrig, Marketingleiterin, und Rolf Watermann, Geschäftsführer Vertrieb, von der Baumschule zu Jeddeloh über Trends und Entwicklungen im Bereich Marketing und PoS und warum es für Unternehmen entscheidend sein kann, eigene Marken zu etablieren.

Frau Solbrig, was umfasst Ihre Tätigkeit in der Baumschule und wann ging es damit los?

Ivonne Solbrig: Die Begriffe Marketing, PR und Markenführung waren in der Baumschulwelt bis Ende der 90er Jahre böhmische Dörfer. Pflanzen waren austauschbare Produkte in schwarzen Töpfen, generische Artikel, die sich lediglich anhand von einfachen Etiketten unterschieden haben. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Und unsere Baumschule gehört zu den Pionieren in Sachen Marketing. Alles begann mit der Einführung der berühmten Pflanzenmarke Endless Summer im Jahr 2005 in den deutschen Markt. Meine erste Aufgabe als neue Marketingleiterin. Noch nie hat eine einzelne Pflanze für so viel Furore in den Medien gesorgt: Egal ob im TV in diversen Gartensendungen, in Hochglanztiteln, Frauenzeitschriften und Hobbygarten-Magazinen – die Pflanze war von jetzt auf gleich wahnsinnig präsent und ist bis heute nicht aus dem Handel wegzudenken. Und das war erst der Anfang. Unser Marketing-Team ist gewachsen und kümmert sich heute um die strategische und operative Markenführung von vielen Pflanzenmarken und um deren Verbreitung auf allen Kommunikationskanälen – online und offline.

Welche Trends haben Sie in den vergangenen Jahren im Bereich Marketing und PoS in der Grünen Branche beobachten können?

Ivonne Solbrig: Corona hat, bedingt durch die eingeschränkten Freizeit- und Reisemöglichkeiten, dazu geführt, dass die Lust am Gärtnern im letzten Frühjahr im Allgemeinen wahnsinnig gewachsen ist – auch bei jungen Menschen aus der Stadt. Auch alte Traditionen wie die Selbstversorgung sind dadurch noch beliebter geworden. Es ist geradezu en vogue, Obst auf der Dachterrasse zu kultvieren, aus der kleinsten Betonwüste eine grüne Oase zu zaubern und den Balkon nicht mehr nur als Katzenklo oder Freiluft-Kühlschrank zu nutzen, sondern als grünen Rückzugsort aus dem hektischen Alltag. Gerade diese „jungen Wilden“ muss man jetzt als Kunden binden – mit einfach verständlichen Konzepten und attraktiven Marken, die sich im oft komplizierten botanischen Dschungel abheben.

Wie werden sich diese Bereiche Ihrer Meinung nach in diesem Jahr weiterentwickeln?

Ivonne Solbrig: Die heranwachsende Generation kennt sich weniger mit Pflanzen aus – ist aber dennoch interessiert, etwas in die eigene grüne Wohlfühloase zu investieren, ohne sich vorher allzu viele Gedanken zu machen. Hier gewinnen Marken an Bedeutung, die über Jahre eingängige Botschaften vermitteln, durch besondere Produkteigenschaften überzeugen und Vertrauen schaffen – egal ob es sich dabei um remontierende Hortensien, dauerblühende kompakte Rosen, Blaubeeren für den Balkon oder bienenfreundliche Laubgehölze handelt. Hauptsache, die Vorteile sind auf den ersten Blick erkennbar und verständlich. Gut geführte Marken schaffen Orientierung und reduzieren Komplexität. Daher investieren wir in diesen Bereich. Wir bieten unseren Kunden passend zu unseren Marken und Werbekampagnen PoS-Material an, mit dem sich die Ware entsprechend in Szene setzen lässt und sie dadurch deutlich von Sortiments- oder Aktionsware abhebt. Anstelle einer austauschbaren Alu-Tisch-Präsentation lässt sich mit unseren Europaletten-Hussen in Kombination mit einem Display ein Marken-konformer Auftritt schaffen.

Außerhalb von der Entwicklung neuer Marken und Produkte – was war Ihre größte Innovation der letzten Jahre?

Ivonne Solbrig: Dazu zählt sicherlich der Aufbau unserer eigenen Hausdruckerei. Auch in dieser Technologie sind wir Vorreiter in der gesamten Branche. Hier haben wir lange Zeit in „Forschung und Entwicklung“ investiert, weil es so etwas einfach in der gesamten Druckerbranche noch nicht gab. Mein Team-Kollege Uwe Horstmann hat unermüdlich daran gearbeitet. Aber es hat sich gelohnt: Weil unser Kunde dadurch König wird. Wir machen es möglich, dass nun Gartencenter mit ihrem eigenen Namen für die gute Warenqualität bürgen können – mit hauseigenen, gelabelten Etiketten – gestaltet nach individuellen Wünschen. Ware aus einem Guss – in gleicher Aufmachung – schafft Ordnung im Gartencenter, anstatt eines bunten Durcheinanders und unterstreicht die Wertigkeit. Das erweckt Vertrauen beim Endverbraucher und bindet Kunden langfristig.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Baumschule von anderen Wettbewerbern?

Rolf Watermann: Zunächst sind wir im Vergleich zu vielen Wettbewerben Produzent durch und durch. Eine der größten und modernsten Containerbaumschulen Europas. Dadurch sind wir in der Lage, große Mengen an Pflanzen in uniformer und stets gleichbleibender Qualität zu produzieren. Mit Herz und Verstand von Meisterhand, MPS-zertifiziert und „Made in Germany“. Das unterscheidet uns von klassischen Pflanzenhandelsunternehmen, die ihre Ware ausschließlich aus verschiedenen Betrieben zukaufen. Wir bürgen als moderne Pflanzenmanufaktur, aber auch als inhabergeführtes Familienunternehmen mit unserem Namen „zu Jeddeloh“ für die Qualität unserer Ware. Seit fast 90 Jahren. Das schafft Vertrauen beim Kunden. Und außerdem verkaufen wir nicht nur Pflanzen, sondern auch Pflanzen-Marken, die professionell von unserer hauseigenen Marketingabteilung vermarktet werden. Damit heben wir uns von der Konkurrenz ab.

Was würden Sie sagen war in den letzten Jahren die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?

Rolf Watermann: Grundsätzlich ist für die Grüne Branche immer das Wetter eine große Herausforderung. „Wetter schlägt Konjunktur“, sagt man so schön. Aber damit müssen wir leben und das kann man auch nicht beeinflussen. Im letzten Jahr kam die Corona-Pandemie als unkalkulierbares Risiko hinzu. Unsere Branche ist glücklicherweise mit einem blauen Auge davongekommen. Wir konnten durch die verstärkte Nachfrage nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 alle Verluste wieder aufholen. Aber dennoch hat uns das gezeigt, wie wichtig eine gut funktionierende Logistik ist. Wenn plötzlich alle auf einmal mit frischer Ware beliefert werden wollen, muss das perfekt organisiert sein. Wir investieren und arbeiten regelmäßig an unserer Logistik, um noch mehr Ware in der Hauptsaison verladen zu können und zu garantieren, dass wir jedes Gartencenter zweimal wöchentlich bundesweit beliefern können. Dafür haben wir unser Logistikzentrum zur Saison 2021 noch einmal verdoppelt. Hier werden unsere Pflanzen zeit- und witterungsunabhängig perfekt für den Verkauf im Gartencenter aufbereitet und kommissioniert.

Welche Projekte planen Sie in den kommenden Monaten in Ihrer Baumschule umzusetzen?

Ivonne Solbrig: Wir investieren auch zukünftig weiter in den Bereich Trendforschung und Markenentwicklung. Bei der Produktentwicklung gehen wir genauso vor wie Unternehmen aus anderen Branchen – wie beispielsweise der LEH. Wir analysieren gesellschaftliche Trends, schauen, inwieweit Produkte von uns diese Trends bedienen, und nutzen das auch für unsere aktuellen PR- und Werbeaktivitäten. Absolut angesagt ist momentan das Thema Bienen- und Insektenschutz. Egal, ob in der Stadt oder auf dem Land. Immer mehr Menschen sind konkret auf der Suche nach bienenfreundlichen Pflanzen, um einen persönlichen Beitrag zum Insektenschlaraffenland zu leisten. Hoch im Kurs steht außerdem das Thema City Gardening und Selbstversorgung light. Selbst der kleinste Balkon wird oft auch in eine Naschoase mit Beerenobst verwandelt. Zu diesen Trends passen unsere Marken BrazelBerry, Hof:Obst und Bee Happy – aber auch unsere pflegeleichten dauerblühenden Rosen für den Balkon mit dem Namen Zepeti.

Cookie-Popup anzeigen