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Interview: „Durch richtiges Handeln ein Zeichen setzen“

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„Niederländische Gärtnerware“: Mit diesem Label sind ab sofort Erzeugnisse der Landgard Mitgliedsbetriebe aus den Niederlanden gekennzeichnet – zum Start vor allem typisch niederländische Pflanzen wie Tulpen, Zwiebelgewächse und Zimmerpflanzen. Die TASPO sprach mit Armin Rehberg, Vorstandsvorsitzender der Erzeugergenossenschaft, über die neue Herkunftszertifizierung.

Wer vergibt das Label – Landgard oder die Produzenten selbst?

Landgard ist Lizenzgeber und schließt mit den niederländischen Mitgliedsbetrieben einen Lizenzvertrag, in dem klare Anforderungen an die Ware festgelegt sind. So ist sichergestellt, dass nur Blumen und Pflanzen in A1-Qualität den Titel „Niederländische Gärtnerware“ erhalten, die über zwei Drittel ihrer Kulturzeit im jeweiligen Betrieb verbracht haben und einem Zertifizierungssystem wie zum Beispiel GlobalGAP, MPS oder vergleichbaren Standards angeschlossen sind.

Darüber hinaus müssen die Mitgliedsbetriebe sowohl eine Untersuchung der sozialen Bedingungen als auch regelmäßige Beprobungen im Rahmen des Landgard Rückstandsmonitoring bestehen.

Ab wann ist eine Ware siegelberechtigt?

Die Mitgliedsbetriebe dürfen ihre Ware nur dann als „Niederländische Gärtnerware“ anbieten, wenn ein entsprechender Lizenzvertrag zwischen Landgard und dem Erzeuger geschlossen wurde und die oben genannten Anforderungen erfüllt sind.

Was sagt das Label qualitativ aus – besser oder schlechter als deutsche Ware?

Die Niederlande sind definitiv eine Nation mit einer langen Tradition im Gartenbau – und genau das transportiert auch unser neues Label. „Niederländische Gärtnerware“ steht für europäische Produktion mit handwerklicher Leidenschaft und großer Erfahrung in einem unserer direkten Nachbarländer.

Eine darüberhinausgehende qualitative Einordnung der Produkte nach Herkunftsland wird seitens Landgard nicht vorgenommen – die Entscheidung liegt einzig und allein beim Konsumenten.

Könnte ein Label für niederländische Ware bei deutschen Abnehmern nicht eher dazu führen, dann gerade die deutsche Ware vorzuziehen?

Das wäre traurig, glaube ich aber nicht. Endverbraucher von heute treffen durchaus bewusst rationale Kaufentscheidungen und wägen hierbei Qualität, Preis und Herkunftsland ab. Moderne niederländische Betriebe müssen sich sicherlich nicht verstecken. Wir achten bei der Erzeugerakquise aber natürlich auch darauf, dass sich Sortimente möglichst wenig überschneiden und dass durch die richtige Auswahl der teilnehmenden Mitgliedsbetriebe Synergien und ein möglichst optimales, breites Sortiment entstehen.

Mit dem neuen Siegel klären wir über die Herkunft der Erzeugnisse auf und bieten unseren niederländischen Erzeugern die Möglichkeit, ihre Produkte von überregional erzeugten Blumen & Pflanzen mit einem Qualitätssiegel abzuheben. Nach dem Start in Deutschland ist eine Einführung von „Niederländische Gärtnerware“ auf dem niederländischen Markt genauso denkbar.

Mit dem neuen Konzept setzen wir unseren Auftrag zur zielgruppenorientierten Vermarktung der Produkte unserer Erzeuger konsequent um. Die guten Erfahrungen mit der Herkunftszertifizierung „Deutsche Gärtnerware“ sprechen für uns klar dafür, auch unseren niederländischen Mitgliedsbetrieben die Möglichkeit zu bieten, ihre Produkte anhand ihrer Herkunft als „Niederländische Gärtnerware“ transparent und ehrlich am Markt zu positionieren.

Wie wird genau deutlich gemacht, dass das niederländische Label die Ware gegenüber Produkten aus Übersee abgrenzen soll? Was heißt also regional in diesem Zusammenhang?

Uns war besonders wichtig, dass die Kennzeichnung für den Verbraucher klar, einfach und transparent ist. Daher erkennen Kunden bereits an der Aufmachung des Labels durch die Verwendung der niederländischen Nationalfarben sofort, dass die Produkte aus unserem Nachbarland stammen. Denn Herkunftskennzeichnungen sind für moderne Verbraucher heute immer wichtiger, das zeigt zum Beispiel die aktuelle Entwicklung bei Fleisch.

Wir wollen hier in der Grünen Branche proaktiv durch richtiges Handeln ein Zeichen setzen. Mit unseren neuen Programmen geben wir klare Auskunft über die Herkunft der Produkte, kommen so dem Verbraucherwunsch nach Transparenz nach und ermöglichen ihm durch den Herkunftsnachweis Rückschlüsse auf die guten Produktionsbedingungen.

Regional bedeutet in diesem Zusammenhang für uns, dass die Produkte nach hohen europäischen Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards in den dargestellten Regionen und Herkunftsländern hergestellt werden.

Wer trägt die Kosten für das Siegel?

Ähnlich wie unsere Verkaufskonzepte ist auch das Label „Niederländische Gärtnerware“ Teil der genossenschaftlichen Vermarktung bei Landgard. Landgard ist Lizenzgeber und Markeninhaber und trägt als solcher die Entwicklungs- und Grafikkosten.

Den Erzeugern und/oder Handelskunden werden Vorlagen für Werbemittel zur Verfügung gestellt, die zu Kosten der Erzeuger und/oder Kunden produziert werden. Ansonsten ist dies Teil unserer Vermarktungsleistung für unsere Betriebe.

Was ist an Werbung geplant?

Analog zu „Deutsche Gärtnerware“ richten wir uns mit dem Label „Niederländische Gärtnerware“ über entsprechende Handelskunden direkt an den Endverbraucher. Ihm wollen wir zeigen, welche qualitativ hochwertigen Blumen und Pflanzen in unserem Nachbarland von Landgard Erzeugern produziert werden. Das Label wird daher so konzeptioniert, dass es auf allen denkbaren Produktverpackungen genutzt werden kann.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Empfehlungen für POS-Materialien. Außerdem ist eine Endkonsumenten-Website geplant, die alle relevanten Informationen zum Label und den teilnehmenden Erzeugern zusammenfassen wird. Mit unserem eigenen Fachhandelsvertrieb und den 31 Cash & Carry Märkten haben wir zudem hervorragende Möglichkeiten, jeden Tag für das Konzept und unsere Produkte zu werben, auch durch unseren Vertrieb an große organisierte Handelskunden.