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Interview: „Es wird in Zukunft nicht ohne Torf gehen“

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Seit 1911, mittlerweile in der vierten Generation, produziert Einheitserdewerke Patzer Substrate und Blumenerden – seit 1955 am Standort Sinntal-Jossa. Die TASPO sprach mit den Produktmanagern und langjährigen Mitarbeitern Christian Günther und Thomas Will über Torf, Torfersatzstoffe und den Ruf nach gänzlich torffreien Substraten.

Zwei Produktmanager und Vertriebsprofis im Hause Patzer: Gartenbau-Ingenieur Thomas Will (r.), zuständig für den Profibereich und den Einsatz neuer Rohstoffe, und Christian Günther, Agraringenieur, Produktmanager und Verkaufsleiter Export. Foto: Heike Hoppe

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal und unterscheidet Sie vom „Rest der Welt“?

Christian Günther: Was alle unsere Produktlinien bestimmt und auch unsere Identität ausmacht, ist der Dreiklang aus Torf, Ton und Holz. Das Zusammenspiel dieser drei Stoffe zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Firmengeschichte.

Thomas Will: Alles begann mit Holz. Die Firma Patzer wurde 1911 in Thüringen gegründet und war von Anfang an auf die Herstellung von Erden konzentriert. Das junge Unternehmen Patzer hat für die Gärtner Mischungen aus Laub- und Nadelwald-Oberböden hergestellt. Nach Enteignung und Flucht in den Westen sind die Brüder Patzer hier gelandet, in Sinntal-Jossa, am Rande des Spessarts. Ein Grund, weshalb man sich hier auf Dauer angesiedelt hatte, war der Wald, also die Rückkehr zum Holz.

Dann wurde 1955 die Lizenz von Anton Fruhstorfer für die „Fruhstorfer Einheitserde“ aus Torf und Ton vergeben, die Gebrüder Patzer wurden Partner. Seitdem produzieren wir Substrate aus Torf und Ton, seit mehr als drei Jahrzehnten mit weiteren Stoffen wie Holzfaser, Kompost, Kokosfaser und anderen. Holz ist jetzt wieder einer der wichtigsten Stoffe, damit schließt sich der Kreis.

Dann sind Ton und Holz aus Ihrer speziellen Entwicklungsgeschichte heraus also im Grunde keinesfalls „Torfersatzstoffe“, sondern eher eine Art „Torfveredelungsstoffe“?

Christian Günther: Genauso ist es! In den 50ern war die Motivation nicht, den Torf zu ersetzen. Wir hatten von Anfang an immer ein Gemisch aus Torf und Ton. Damals hat man versucht, das Beste aus dem Torf zu machen, indem man Ton zumischte. Der Grund für die Ton-Zugabe war, den Torf kulturfähig zu machen. Ton als mineralische Komponente, die stark puffert, weil der Weißtorf, den es damals gab, nur schwache Puffer- und Wasserspeicherfähigkeit hat. Das konnte man mit Ton ausgleichen. 

Thomas Will: Ton als fachlich ergänzende Komponente nutzen wir jetzt auch bei den Torfersatzstoffen. Neben dem Torf wurden bei uns viele andere Rohstoffe immer wieder ausprobiert und eingesetzt. Um die Produkteigenschaft zu verbessern oder für bestimmte Anwendungszwecke weiter zu optimieren, sodass unter Umständen andere Stoffe sogar geeigneter sind als Torf. Deshalb haben wir sehr viel Erfahrung im Thema Torfersatz, das ist ein Vorteil gegenüber anderen Herstellern, die sich erst seit kurzer Zeit mit dem Thema Ersatz befassen. Bei uns ist das in den letzten Jahrzehnten gewachsen.

„Ganz ohne Torf“ – ist das kurzfristig ein erklärtes Ziel für Ihr Produktmanagement?

Thomas Will: Wir sind zwar stark auf der Schiene Torfersatz, werden aber für den Profibereich den Torf nicht verleugnen, auch weil derzeitige Ersatzstoffe nicht unbegrenzt verfügbar sind. Wir investieren auf beiden Seiten und suchen auch die Torfsicherheit im Baltikum. Es gibt Profianwendungen, bei denen wir auf den Torf nicht verzichten können, aber auch Kunden, die ohne Torf arbeiten möchten. Momentan ist der Gartenbau nicht in der Lage, auf Torf zu verzichten. Heute befinden wir uns im Hause Patzer – gemittelt über sämtliche Produkte – bei einem Torfersatz von 30 Prozent.

Aus welcher Richtung ertönt denn der Ruf nach „torffrei“ zurzeit am lautesten?

Christian Günther: Es gibt Lebensmittelhandelskonzerne, die zunehmend torffreie Erden fordern. Der Einzelhandel muss darauf reagieren. Es wird aber in Zukunft nicht ohne Torf gehen. Wer behauptet, das ginge, ist nicht richtig informiert. Torfersatz ist ein komplexes Thema, von denen nur Teilaspekte in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Das komplette Interview mit Christian Günther und Thomas Will ist als Teil des TASPO extra Dünger & Substrate in TASPO 27/2018 erschienen.