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Interview: Flüchtlinge ausbilden

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Flüchtlinge auszubilden und so dem Fachkräftemangel zu begegnen, scheint ein Weg auch für den Gartenbau. Aber was ist dabei zu beachten? Katrin Klawitter befragte für die TASPO Olaf Strübing vom Flüchtlingsrat Niedersachsen und holte Ratschläge vom Zentralverband Gartenbau ein.

Die Flüchtlingskrise bietet auch Chancen, zum Beispiel für den Gartenbau, der nach motivierten Fachkräften sucht. Foto: Andreas Tammer

Welche gesetzlichen Hürden muss ein Gartenbau-Unternehmer beachten, wenn er einen jungen Flüchtling als Auszubildenden beschäftigen möchte?

Olaf Strübing, Flüchtlingsrat Niedersachsen (Hildesheim): Das Recht, einen Ausbildungsplatz antreten zu dürfen, hängt vom rechtlichen Status ab. Inhaber einer Aufenthaltserlaubnis oder Niederlassungserlaubnis dürfen einen Ausbildungsplatz ohne rechtliche Hindernisse antreten. Asylsuchende mit einer Aufenthaltsgestattung dürfen frühestens nach Ablauf von drei Monaten und spätestens nach sechs Monaten, je nach verpflichtendem Aufenthalt in einer Erstaufnahmeeinrichtung, ohne Arbeitsmarktprüfung eine betriebliche Ausbildung anfangen. Aber die Ausländerbehörde muss formal immer noch eine Erlaubnis geben. Dies dürfte in der Praxis aber kein Problem sein. Oft reicht es, dass man dort anruft und dieser mündlich mitteilt, dass die Ausbildung absolviert werden darf.

Wenn der Interessent nur eine Duldung hat, darf er die Ausbildung sogar ab dem ersten Tag des Aufenthalts antreten, ohne die Arbeitsmarktprüfung zu durchlaufen. Allerdings ist die Duldung der einzige Status, bei dem ein Beschäftigungsverbot erteilt werden darf, wenn bei der Passbeschaffung nicht mitgewirkt wird oder die Einreise zum Zwecke des Bezugs von Sozialleistungen erfolgt ist. In Kontakt zu möglichen Bewerbern kommt man über Jobcenter, Arbeitsagenturen oder Arbeitsmarktprojekte wie „FairBleib“.

Was muss ich beachten, wenn ich vorhandene Qualifikationen beispielsweise im Rahmen eines Probetages oder Praktikums abprüfen möchte?

Es gibt vier Praktikumsarten, die zustimmungsfrei sind, hier erfolgt also keine Arbeitsmarktprüfung. Das sind Orientierungspraktika (maximal drei Monate), Pflichtpraktika, ausbildungsbegleitende Praktika und eine Einstiegsqualifizierung. Die Ausländerbehörde muss aber im Falle des Vorliegens einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung immer noch eine Erlaubnis geben. Es gibt dazu auch eine Broschüre der IHK, die zusammenfasst, was beim Praktikum alles zu beachten ist – beispielsweise im Hinblick auf die Versicherung.

Wenn ich einen für das Unternehmen „passenden“ Azubi gefunden habe: Wie sicher ist es, dass er auch längerfristig bleiben darf? Was muss ich hier beachten, womit rechnen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Angenommen der Azubi hat eine Duldung. Wenn der Azubi nicht aus einem sicheren Herkunftsstaat kommt und seine Ausbildung vor dem 21. Lebensjahr angetreten hat, kann er eine Duldung für ein Jahr zum Zwecke der Ausbildung erhalten (Ermessensduldung). Wenn die Ausbildung nach Ablauf des Jahres fortgesetzt wird, kann die Duldung für ein weiteres Jahr verlängert werden, wenn in einem angemessenen Zeitraum mit dem Abschluss zu rechnen ist.

Wenn der Azubi im Anschluss vom Betrieb übernommen wird, kann er eine Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Beschäftigung (§ 18 Aufenthaltsgesetz) erhalten, wenn sein Asylantrag nicht als offensichtlich unbegründet abgelehnt worden ist. Sonst können aber andere Aufenthaltserlaubnisse erhalten werden. Man muss sich im Einzelfall anschauen, ob und welche der genannten Aufenthaltserlaubnisse in Frage kommen. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Erhalt eines Ausbildungsplatzes für einen Geduldeten die Wahrscheinlichkeit des Erhalts einer Aufenthaltserlaubnis sehr erhöht.

In der aktuellen TASPO, die am 20. November erscheint, lesen Sie außerdem, welche sprachliche Förderung einem Asylsuchenden bzw. Geduldeten zusteht, ob sie sich überregional bewerben können und welche Unterstützung Unternehmer und Flüchtling im Falle einer Ausbildung erhalten.