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Interview: „GaLaBau verliert nirgendwo an Boden“

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Dem Garten- und Landschaftsbau geht es zurzeit richtig gut – darüber sind sich Auftraggeber, Unternehmer und Berufsverbände einig. Wie ist der derzeitige Boom zu beurteilen? Boomen alle Sparten oder nur der Privatgartensektor? Und was kommt nach dem Boom? Die TASPO fragte nach beim BGL-Präsidenten Lutze von Wurmb.

„Das Privatgarten-Segment wächst auf knapp 60 Prozent“, meldete der BGL im Juni. Geht dieses Wachstum vielleicht auf Kosten der öffentlichen Aufträge?

Die Tatsache, dass der Privatgarten-Sektor boomt, erlaubt nicht den Umkehrschluss, dass dies zu Lasten eines anderen Sektors oder Geschäftsbereichs gehen müsse. Fakt ist: Der GaLaBau verliert nirgendwo an Boden, weder im öffentlichen noch in irgendeinem Sektor. Ganz im Gegenteil. Ihm geht es zurzeit in allen Segmenten gut beziehungsweise sehr gut. Im Privatkunden-Markt geht es schon seit 25 Jahren kontinuierlich bergauf, aber auch öffentliche und halböffentliche Aufträge nehmen zu.

Worauf ist dieser momentane Boom zurückzuführen?

Wir haben gerade eine positive Entwicklung bei den Steuereinnahmen und einen enormen Bedarf an Wohnungen in Ballungsgebieten, die gesamte Baubranche wächst erheblich. Die Staatskasse hat Geld und ist auch willens, es auszugeben. Der GaLaBau bekommt seinen Anteil – nicht nur im Privatgarten-Bereich. Wenn es ein Problem gibt, dann eher das, dass die Kommunen es nicht schaffen, das Geld auszugeben.

Kommt es denn nach Ihrer Wahrnehmung zu der Situation, dass Projekte nicht ausgeschrieben werden, weil die Ressourcen fehlen?

Definitiv ja. Das liegt nicht nur daran, dass die Stellen unterbesetzt sind, sondern dass sie einfach mehr Geld ausgeben können oder müssen.

Es fehlt aber auch an planerischen Ressourcen, und nicht nur im Landschaftsbau. Wir sitzen mit allen anderen Gewerken im Moment in einem Boot. Es gibt wenige Unternehmen, die eine andere Auftragssituation haben.

Es ist also nicht so, dass benachbarte Gewerke dem GaLaBau Aufträge wegschnappen?

Eher umgekehrt! In meinem Betrieb ist es so, dass potenzielle Auftragnehmer anfragen, für die wir noch nie gearbeitet haben. Die haben große Not, ausführende Betriebe zu finden. Auch wenn sie eigentlich Betriebe mit anderen Schwerpunkten suchen, kommen Anfragen an uns.

Also hervorragende Zeiten für die gesamte grüne Dienstleistungsbranche und kein Ende in Sicht?

Aktuell ist die Auftragslage gut und damit auch die Planungssicherheit für den Betrieb. Ich hatte noch nie in meinem Leben die Situation, dass ich um diese Zeit für den Rest des Jahres kaum mehr Aufträge annehmen kann. Das ist ein absolutes Novum.

Trotzdem wird das kein Dauerzustand sein. Wir müssen immer auch auf eine Delle im Wirtschaftswachstum vorbereitet sein. Wir bewegen uns auf dünnem Eis, das auch ganz plötzlich einbrechen kann.

Wie schnell kann das Eis einbrechen?

Womöglich schneller, als wir es uns vorstellen können. Ich erinnere mich an die Finanzkrise 2008/ 2009, die unmittelbaren Auswirkungen für unsere Branche kamen viel schneller, als ich es für möglich gehalten hatte. Ich hatte mit etwa einem Jahr gerechnet, es waren aber nur wenige Wochen!

Im Zuge der digitalen Transformation hat sich die Geschwindigkeit solcher Prozesse noch weiter gesteigert. Das beeindruckt mich sehr: das atemberaubende Tempo, in dem heute im Zeitalter der Digitalisierung Prozesse angeschoben, aber auch wieder gestoppt werden.

Es sollte uns jedenfalls bewusst sein, dass es uns gut geht und dass das auch schnell wieder vorbei sein kann.

Das komplette Interview mit BGL-Präsident Lutze von Wurmb lesen Sie in der TASPO 29/2018, die am 20. Juli erschienen ist.