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Interview: „Meine Leidenschaft zur grünen Materie zog mich zurück“

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Sie sind ein Wahrzeichen der Stadt Hannover: die Herrenhäuser Gärten. Wer schon einmal dort gewesen ist, weiß um die Vielfalt der zahlreichen Arten, die dort vertreten sind. Ramona Löffler ist Gärtnerin im Berggarten und hat sich mit der TASPO über ihre gärtnerische Verantwortung, jahreszeitlich angepasste Flexibilität und zukünftige Projekte unterhalten.

Gärtnerin Ramona Löffler kennt sich im Berggarten der Herrenhäuser Gärten bestens aus. Foto: Herrenhäuser Gärten

Frau Löffler, Sie arbeiten als Gärtnerin in den bekannten Herrenhäuser Gärten, einem Wahrzeichen Hannovers. Wie kam es dazu?

Schon während meines Studiums an der Leibniz Universität Hannover habe ich im Berggarten gearbeitet. Als Student ist man oft knapp bei Kasse und eine Nebentätigkeit an der frischen Luft mit Bezug zu meinem erlernten Beruf kam da gerade recht. Nach dem Studium habe ich für kurze Zeit in einem Planungsbüro gearbeitet, jedoch schnell gemerkt, dass mir die Arbeit bei Wind und Wetter, an der Pflanze und im Team fehlt. Meine Leidenschaft zur grünen Materie zog mich wieder zurück in den Berggarten und ich hatte großes Glück, dass zu dem Zeitpunkt eine freie Stelle zu besetzen war.

Die Fülle an Pflanzen im gesamten Garten lädt zum Entdecken ein. Ich finde immer etwas Neues, bisher Unbekanntes und Interessantes. Da ich so nah an der Pflanze bin, habe ich eine gute Gelegenheit diese genau unter die Lupe zu nehmen und deren Entwicklung zu beobachten. So macht die Arbeit richtig Spaß, denn ich teile den Forschergeist mit meinen Kollegen.

Was sind Ihre Aufgaben?

Der Große Garten, der Berggarten und der Georgengarten gehören zum Gartenensemble. Im Berggarten, meinem Arbeitsplatz, wachsen über 12.000 verschiedene Pflanzenarten. Zu meinen Aufgaben gehören die Sicherung und Entwicklung der mir zugeteilten Bereiche im Berggarten. Im Frühjahr und Herbst ist Pflanzzeit. Alles, was wir in den Wintermonaten bestellen, bekommt dort einen Platz. Während der Blütezeit kontrollieren wir die Sortimente.

Zu Beginn des Jahres beispielsweise blühen die ersten Iris und ich kontrolliere, wie sich die Pflanzen entwickeln, an welchen Stellschrauben ich drehen kann (Düngerbedarf, Wasserzugabe, Standort, Teilung etc.), um optimale Voraussetzungen zu schaffen. Nebenbei fallen natürlich auch die klassischen gärtnerischen Tätigkeiten an wie Unkrautbekämpfung, Wegearbeiten, Wässern, Rückschnitt, Gehölzschnitt. Mein betreutes Areal umfasst rund 2.000 Quadratmeter. Es beinhaltet den Irisgarten und den Felssteppengarten. Weitere 1.000 Quadratmeter pflegen Kollegen und ich zusammen im Team.

Basiert die Gestaltung der Anlagen auf historischen Vorbildern und welche Anforderungen sind damit verbunden?

Der Irisgarten zählt, neben dem Steingarten und dem Pergolagarten, zu den Themengärten des Berggartens – er wurde in den 1950er Jahren erbaut und ist denkmalgeschützt. Ziel der Themengärten war es, bestimmte Bedingungen für das Wachstum der dort vorgestellten Pflanzen zu schaffen. Heute sind wir an die rechteckige Form der Beete und an die Größe der Themengärten gebunden. Die Anforderung im Irisgarten besteht daher im Wesentlichen in der Gestaltung der schmalen Beete. Dabei ist es wichtig, einen guten Blick auf das Iris-Sortiment zu gewährleisten, gleichzeitig aber auch nach deren Blüte andere Pflanzen, die später im Jahr blühen und den trockenen Standort dort teilen, zu zeigen. Ziel ist es, während des gesamten Jahres einen attraktiven Bereich für die Besucherinnen und Besucher zu schaffen.

Wie wirken sich die Jahreszeiten auf Ihre Arbeit aus?

Die Jahreszeiten binden mich an meine Tätigkeit im Garten und ich habe daher immer verschiedene Aufgabenfelder. Während ich in der Saison hauptsächlich den gärtnerischen Tätigkeiten nachgehe, steht im Winter die Arbeit im Büro an. Dazu zählen vor allem die Kontrolle und Überarbeitung des Pflanzenbestandes sowie Bestellungen für das kommende Jahr.

Was sind die größten Herausforderungen?

Die vorhandenen Pflanzen zu schützen, gegebenenfalls zu vermehren und weiter zu entwickeln. Das betrifft insbesondere die Erhaltung des Sortiments im Irisgarten, aber auch die Pflanzen anderer Bereiche. Dabei steht zum einen der gestalterische Schwerpunkt im Vordergrund, zum anderen aber auch die aktuellen botanischen Anforderungen (zum Beispiel Taxonomie). Veränderungen werden behutsam und nach Absprache mit Vorgesetzten vorgenommen. In enger Zusammenarbeit mit unserer internen Staudengärtnerei kümmern wir uns auch um besonders gefährdete Schätze aus dem Berggarten, die gegebenenfalls der intensiven Pflege bedürfen.

Stichwort Zukunft: Was ist Ihr nächstes Projekt, was Sie in Angriff nehmen werden?

Als nächstes Projekt steht die Sicherung der Pflanzen des Felssteppgartens an. Durch die Umbauphase des Kanarenschauhauses wird ein beträchtlicher Teil dieses Bereiches verändert. Damit der Pflanzenbestand erhalten bleibt, werden diese in unserer internen Staudengärtnerei gesichert und weiter vermehrt bis eine neue Fläche festgelegt ist und bepflanzt wird.