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Interview: „Sprout“ – ein zweites Leben für den Bleistift

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Weniger Plastik, mehr Nachhaltigkeit! Mit dieser Devise ging Michael Stausholm mit seinem Unternehmen „Sprout“ an den Start und produziert seit 2013 den weltweit einzigen nachhaltigen Bleistift, der nach Gebrauch eingepflanzt werden kann. Wir sprachen mit ihm über das außergewöhnliche Konzept in Zeiten zunehmender innovativer Start-ups.

Herr Stausholm, die Idee eines nachhaltigen Stifts entwickelten Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Sie haben die Idee anschließend übernommen – was hat Sie davon überzeugt?

Ich habe den Stift auf der Crowdfunding-Seite Kickstarter gesehen und dachte, dass er eine großartige Idee sei. Ich war nicht zu 100 Prozent überzeugt, dass er ein kommerzieller Erfolg werden kann, deshalb wollte ich zuerst die Nachfrage auf dem dänischen Markt testen. Der Sprout-Stift erwies sich dann von Anfang an als sehr beliebt. Bevor wir mit der Produktion begonnen haben, hatte ich Vorbestellungen von über 50.000 Stiften. Ende 2014 kaufte ich den jungen Studenten die Rechte komplett ab, registrierte die globale Marke und meldete den Sprout-Stift zum Patent an. Heute verkaufen wir in über 80 Länder und haben weltweit ein Patent für pflanzbare Schreibgeräte.

Wenn der Bleistiftstummel zu kurz ist, um damit zu schreiben oder zu malen, pflanzt man ihn ein und sieht zu, wie er sich in eine Blume, Kräuter- oder Gemüsepflanze verwandelt. Alle Sprout-Stifte können individuell mit Firmenlogos und Texten gebrandet und somit als originelles, grünes Give-away benutzt werden.

Welches Konzept steckt hinter dem Sprout-Stift?

Die Idee ist, ihm ein zweites Leben zu geben, wenn es eigentlich an der Zeit wäre, ihn wegzuwerfen. Auf diese Weise wird er zu einem Symbol für Recycling und Nachhaltigkeit. Er ist zu 100 Prozent natürlich und biologisch abbaubar. Das Holz ist FSC- oder PEFC-zertifiziert, die Mine besteht aus Grafit und Ton und die Samen-Kapsel mit nicht gentechnisch veränderten Samen besteht aus pflanzlicher Zellulose, die sich auflöst, wenn sie mit Erde und Wasser in Kontakt kommt. Wir haben aktuell zehn verschiedene Samensorten und die Keimungszeit variiert zwischen fünf Tagen und zwei Wochen.

Stichwort Samenvarianten: welche existieren und nach welchen Kriterien wurden diese ausgewählt?

Alle Samen werden sorgfältig ausgewählt. Wir legen Wert auf eine kurze Keimungszeit, eine einfache Pflege der Pflanzen, beliebte Pflanzensorten wie Basilikum, Kirschtomate oder Sonnenblume und andere sowie auf einen symbolischen Wert (beispielsweise Vergissmeinnicht und Gänseblümchen). Alle Samen sind zudem nicht gentechnisch verändert und von hoher Qualität.

Was sind die Hauptkostenfaktoren bei der Produktion?

Alle Sprout-Stifte werden aus hochwertigen Materialien hergestellt und von Hand zusammengebaut. Wir haben sowohl in Europa (Polen) als auch in den USA (Minnesota) Produktionsstätten, um beim Versand nach Übersee CO2 zu reduzieren. Das Halten der Patente, Marken- und Schutzrechte ist ebenfalls kostenintensiv.

Start-ups spielen heutzutage in der Gründerszene eine immer wichtigere Rolle. Warum sind diese auch für die Grüne Branche wichtig?

Grüne Start-ups sind sehr wichtig, weil sie - abgesehen davon, dass sie Gewinn machen wollen - auch die Umwelt verbessern wollen. Dies ist von entscheidender Bedeutung für zukünftige Generationen. Es ist wichtig, dass ein umweltfreundliches Start-Up sowohl hinsichtlich seiner Produkte als auch seines Geschäftsmodells nachhaltig ist. Es macht aber keinen Sinn, von Anfang an 100 Prozent umweltfreundlich zu sein, wenn dies bedeutet, dass der Preis des hergestellten Produkts so hoch ist, dass niemand es kaufen möchte. Man muss das Ziel, komplett nachhaltig zu sein, deswegen Schritt für Schritt angehen.

Start-ups sind ein gutes Geschäft. Ich bin sicher, dass die Nachfrage nach umweltfreundlichen Ideen und Produkten weiter steigen wird - die Verbraucher interessieren sich immer mehr für das, was sie kaufen.

Was wollen Sie langfristig verändern und sind weitere Projekte in Planung?

Unsere Mission bei Sprout ist es, Menschen und Unternehmen zu inspirieren, kleine Schritte in Richtung eines grüneren Planeten zu machen. Wir wollen eine Überlegung in Gang setzen: Wenn Sie einen Bleistift pflanzen können, was können Sie sonst noch tun? Viele Firmen unternehmen bereits große Anstrengungen, umweltfreundlich zu arbeiten, wissen jedoch nicht, wie sie dies ihren Kunden und Partnern vermitteln sollen. Wir helfen ihnen auf spielerische und originelle Weise zu kommunizieren und bieten eine Alternative zu Plastik. Jeden Tag werden weltweit 135 Millionen Kunststoffkugelschreiber produziert – eine enorm hohe Zahl und riesige Menge Plastik. Wenn wir nur einen kleinen Teil durch pflanzbare Stifte ersetzen können, sind wir auf dem richtigen Weg.

Wir entwickeln kontinuierlich nachhaltige Produkte, die die Welt grüner machen können. Unsere neueste Erfindung ist ein Make-up-Stift (Lipliner/Eye-Liner), den wir an Kosmetikfirmen verkaufen, die umweltfreundliche Alternativen suchen.

Was kann man mit dem Kauf von nachhaltig produzierten Stiften bewirken?

Nun, Sie können die Welt nicht retten, indem Sie nachhaltige Bleistifte kaufen. Aber Sie können der Welt zeigen, dass Sie sich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz interessieren. Und Sie können auf einfache, unterhaltsame und originelle Weise von Ihrer grünen Initiative berichten. Der Sprout-Stift ist erfahrungsgemäß ein großartiger Grund für ein Gesprächseinstieg.