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IPM 2013: Gartenbau ein „unterschätzter Riese“

„Jeder auf der Welt, der etwas mit Gartenbau zu tun hat, kennt die IPM.“ Mit diesen Worten eröffnete Staatssekretär Dr. Robert Kloos am Dienstag in Vertretung von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Weltleitmesse der grünen Branche. Wie Kloos bemerkte, hätten die Verbraucher jedoch oft ein falsches Bild von Gartenbau und Landwirtschaft. Die Branche sollte ihnen ein authentisches, realistisches Bild von der modernen Produktion vermitteln, empfahl der Staatssekretär. 

Messerundgang zur Eröffnung der IPM. Foto: Hans Hartwig

Der Gartenbau sei schon lange eine globalisierte Branche – man denke nur an die Tulpen, die ursprünglich aus dem Orient kommen. Die Bestandteile eines Blumenstraußes stammen heute oft aus mehreren Kontinenten, aber auch aus heimischem Anbau – eben global und regional zugleich.

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa sei zu überlegen, ob nicht der deutsche Gartenbau im Rahmen einer „europäischen Solidarität“ Nachwuchskräfte auch aus diesen Ländern rekrutieren könnte. Zum Thema Energie sagte Kloos, dass noch nicht alle technischen Möglichkeiten in der Praxis angekommen seien. Er verwies hierzu auf die langjährige Förderung durch die öffentliche Hand. Gewollt seien starke Betriebe, daher stehe das Ministerium dem Gartenbau zur Seite.

ZVG-Präsident Jürgen Mertz hatte zuvor angesichts der „gedämpften Gesamtlage“ darauf hingewiesen, dass der Gartenbau auf Unterstützung seitens der Politik angewiesen ist. Bei Themen wie Energie oder Lückenindikationen seien schnelle Lösungen gefragt. Generell würden Gärtner aber nicht jammern, sondern handeln, betonte der Verbandspräsident. Zur IPM sagte er, dass der Besuch ein „Muss“ sei, wenn ein Unternehmer vorn mit dabei sein wolle. Angesichts globaler Märkte sei Weltoffenheit wie auf der IPM entscheidend für den Erfolg. Als Messehighlight erwähnte Mertz das Neuheiten-Schaufenster von ZVG und Messe Essen in Halle 1A, das die Kreativität und das hohe Niveau des Gartenbaus belege. Im Hinblick auf den Nachwuchs solle die Branche ihre Stärken selbstbewusst an die Jugend herantragen, empfahl der ZVG-Präsident.

Für Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium, ist der Gartenbau innerhalb der Gesamtwirtschaft ein „unterschätzter Riese“. Mit einem bundesweiten Gesamtumsatz von 78 Milliarden Euro und einer Wertschöpfung von 19 Milliarden Euro pro Jahr (NRW: 18 / vier Milliarden Euro) sowie 700.000 Arbeitskräften (NRW: 145.000) zeige die Branche (inklusive vor- und nachgelagerter Bereiche) beeindruckende Daten, sagte er während der Eröffnungsfeier. Solch eine prosperierende Branche brauche eine Leitmesse wie die IPM, betonte Becker.

Ein Wermutstropfen mischte sich dennoch in seine Rede, denn die vorgesehene Verleihung des Gartenbaupreises NRW musste mangels Bewerbern in diesem Jahr ausfallen. Becker fand dies bedauerlich, zumal ein Betrieb mit innovativem Personalmanagement gesucht war – angesichts der Bedeutung qualifizierter Arbeitskräfte für den Betriebserfolg ein nicht ganz unwichtiges Thema. Das Ministerium werde gemeinsam mit den Verbänden über die Ursachen des Bewerber-Ausfalls sprechen.

Wie geplant verliehen wurden im Rahmen der Eröffnungsfeier sowohl der Indega-Technikpreis 2013, der ab 2014 in „Indega IPM Innovation Award“ umbenannt wird, als auch die Urkunden für die besten Pflanzen in den verschiedenen Kategorien des „Neuheiten-Schaufensters“. Mit dem Indega-Technikpreis zeichnete Indega-Präsident Prof. Dr. Matthias Diezemann die Unternehmen Sroka Verarbeitungssysteme sowie RAM und DH Licht als Kooperation aus. (dre)