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Interview zum Handel mit illegalen Pflanzenschutzmittel

Es treten – beispielsweise im Hamburger Hafen – immer wieder Funde illegaler Pflanzenschutzmittel auf, wie wir bereits in der TASPO berichteten. Falschdeklarationen, teilweise mit erheblichen Verunreinigungen, teilweise längst verbotene Mittel und Wirkstoffe bereiten nicht nur den Experten Sorgen, sondern gefährden auch Praxisbetriebe. Welche Maßnahmen hier greifen können, darüber sprach die TASPO mit Dr. Wolfgang Zornbach vom Referat 512 – Pflanzenschutz im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

Welches Ausmaß haben solche Funde?

Die Bundesregierung sieht die Funde nicht zugelassener oder gefälschter Pflanzenschutzmittel im Hamburger Hafen, aber auch an anderen Stellen in der Bundesrepublik Deutschland, mit großer Sorge. Hier wurde auf Kosten der Sicherheit von Mensch und Umwelt gehandelt.

Das ist in keinster Weise akzeptabel. Nicht umsonst müssen alle in der Europäischen Union gehandelten Pflanzenschutzmittel ein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie gehandelt und angewendet werden dürfen. Das genaue Ausmaß lässt sich allerdings nicht spezifizieren. Auch Schätzungen sind kaum möglich.

Aktuellen Diskussionen bei der OECD lässt sich entnehmen, dass solche Versuche, gefälschte und nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel auf den Markt zu bringen, jedoch zunehmend aufgedeckt werden.

 

Wo liegen die Hauptansatzpunkte, um diesen Zustand langfristig zu verbessern? Welche Maßnahmen sollen auf nationaler Ebene künftig verstärkt eingesetzt werden?

Auf nationaler Ebene arbeiten der Zoll und die für die Kontrollen zuständigen Pflanzenschutzschutzdienste der Länder bereits heute sehr viel enger zusammen als das früher der Fall war. Dies hängt auch damit zusammen, dass der internationale Handel erheblich zugenommen hat. Darüber hinaus gibt es weitere Maßnahmen, darunter die Ausweitung der Kontrollen, die Verbesserung der Risikoanalysen oder die Kontrollen des Internet-Handels.

 

Und auf internationaler Ebene?

International ist es wichtig, den Informationsaustausch zu fördern. Das BMELV befasst sich im Rahmen einer Arbeitsgruppe mit Fragen des illegalen Handels und der illegalen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Die OECD hat das Thema „Informationsaustausch“ bereits gemeinsam mit der Europäischen Kommission in Angriff genommen.

 

Welche Probleme bereitet das Thema Rückverfolgbarkeit, welche Ansatzpunkte sehen Sie, dieses Problem zu lösen?

Die Rückverfolgbarkeit spielt eine wichtige Rolle, wenn die Quelle von illegalen Einfuhren identifiziert werden soll. Hier gibt es im Bereich des internationalen Handels mit Pflanzenschutzmitteln Lücken. Da die Produkte häufig jedoch nicht als Pflanzenschutzmittel gehandelt werden, sondern auf dem Handelsweg anders deklariert werden, ist es schwierig, diese Lücken vollständig zu schließen.

 

Beim Verbraucher gibt es deutliche Veränderungen in den Präferenzen – beispielsweise in Richtung regional und bio. Werden hier künftig auch im Pflanzenschutz Fragen der Glaubwürdigkeit und der Kontrollsysteme verstärkt eine Rolle spielen?

Kontrollen und Überwachungssysteme sowie Qualitätsmanagementsysteme haben in jedem Fall eine hohe Bedeutung. Dies bezieht sich aber nicht nur auf den Handel mit Pflanzenschutzmitteln. Die staatlichen Kontrollen sind gut organisiert und durch das Pflanzenschutzkontrollprogramm des Bundes und der Länder hervorragend abgestimmt.

Der Pflanzenschutzmittelhandel sollte allerdings auch seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und eigene Überwachungssysteme unterhalten. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Produkte, die dort verkauft werden, auch den gesetzlichen Anforderungen in Deutschland entsprechen. Käufer von Pflanzenschutzmitteln sollten sich das zudem von ihrem Händler bestätigen lassen.

 

Können Sie bestätigen, dass im Jahr 2009 im Rahmen des Pflanzenschutzkontrollprogramms in 21 Prozent der Proben im Pflanzenschutzmittelhandel Beanstandungen auftraten und im Jahr 2010 die Beanstandungen bei 13 Prozent lagen?

Die exakten Zahlen für das Jahr 2009 sind im Jahresbericht des Pflanzenschutzkontrollprogramms veröffentlicht. Zahlen für das Jahr 2010 liegen dem BMELV noch nicht vor.

Den Jahresbericht 2009 finden Sie im Download-Bereich auf www.taspo.de