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Keine unnötigen Schranken für Gehölzhandel aufbauen

Deutliche Worte gegen die zunehmende Tendenz in öffentlichen Ausschreibungen oder sogar schon bei der Baugenehmigung, den Einsatz von gebietsheimischen oder autochthonen Gehölzen zu verlangen, fand die Interessengemeinschaft für überregionalen Pflanzenverkauf bei einer Presseveranstaltung in Bad Zwischenahn. Ein generelles Ausschreibungsverfahren über alle Gehölzarten sei zum einen aus pflanzenbaulicher Sicht absurd, zum anderen schade es leistungsstarken Gehölzproduzenten.

Wie Lorenz von Ehren, Sprecher der Interessengemeinschaft, erläuterte, sieht diese vor allem Defizite im Kenntnisstand und in der Aufklärung bei den ausschreibenden Stellen. Abhilfe soll eine Informationsbroschüre schaffen, die die Gemeinschaft vorlegte.

Insbesondere wird die Politik angesprochen, bei der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes für eine bundeseinheitliche Regelung zu sorgen und nicht der Länderhoheit zu überlassen, welche Vorschriften gelten. Dies führe nur zu einem Regionalprotektionismus, der fachlich nicht zu begründen sei.

Zudem führten die Vorschriften dazu, Falschangaben Tür und Tor zu öffnen. Es sei bekannt, dass die geforderten Mengen in einzelnen Regionen gar nicht geliefert werden könnten.

Die Interessengemeinschaft ist nicht grundsätzlich gegen den bewussten Einsatz von gebietsheimischen Gehölzen, wehrt sich aber gegen Generalisierung. Ein zweiter, wichtiger Faktor sei die Zeit. Heute wisse keiner, in welchem Gebiet morgen eine bestimmte Art gebraucht werde. Baumschulen müssten für jede Aktion gesondert Bestände aufbauen und unter kontrollierten Bedingungen kultivieren. Das sei mit untragbarem Risiko und bürokratischem Aufwand verbunden.

Professor Dr. Hans-Heinrich Jesch (Markkleeberg), ehemals Humboldt Universität Berlin und Präsident der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DGG) verwies auf Untersuchungen der Humboldt Universität Berlin, die jetzt kurz vor dem Abschluss stehen. In diesen Untersuchungen von Richard Fronia werde zweifelsfrei deutlich, dass zwischen gebietsheimischen und anderen Herkünften keinerlei Unterschied besteht. Geprüft wurden Prunus spinosa und Cornus sanguinea aus sieben deutschen Herkünften und einer aus Ungarn. In dem fünfjährigen Versuch, bei dem Parameter wie Wuchsleistung, Habitus und Entwicklung eine Rolle spielten, aber auch genetische Untersuchungen erfolgten, gab es zwischen den Herkünften keine Unterschiede. Allerdings wiesen alle Herkünfte eine erhebliche Spannbreite bei der Ausbildung der Merkmale auf. Der Einfluss auf eine Florenverfremdung durch fremde Herkünfte sei somit nicht gegeben.