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Klimawandel beeinflusst Torfernte

Bad Zwischenahn. Gut besucht war der Deutsche Torf- und Humustag, der am 23. Oktober 2008 traditionell in Bad Zwischenahn stattfand. Mehr als 200 Teilnehmer aus der Erden- und Substratbranche konnten die Veranstalter, die Bundesvereinigung Torf- und Humuswirtschaft im Industrieverband Garten, begrüßen. Dabei wurden aktuelle Fragestellungen rund um das Thema Erden und Substrate, sowie ihre Ausgangsstoffe aufgegriffen. Am Beginn der Veranstaltung referierte der aus dem Fernsehen bekannte Diplom-Meterologe Dieter Walch über das Thema „Klimawandel – Science-Ficton oder Realität? Folgen für die Torfindustrie und die Landwirtschaft“. „Nur wenn wir gravierend etwas tun, werden wir die Auswirkungen des Klimawandels auf einem erträglichen Maß halten,“ machte Walch gleich zu Beginn deutlich. Auf dem ersten Klimagipfel 1992 in Rio de Janeiro wurden schon alle erforderlichen Maßnahmen beschlossen, aber nicht umgesetzt. Es blieb bei Absichtserklärungen. „Man hat 16 Jahre lang geschlafen“, so Walch. Geht alles so weiter wie bisher, also bleibt der CO2-Ausstoß auf dem derzeitigen Niveau, wird die durchschnittliche Jahrestemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 4,7 bis 6,4 Grad Celsius ansteigen. Auch bei früheren Wechseln zwischen Eiszeiten und Warmzeiten lag die durchschnittliche Temperaturerhöhung bei etwa sechs Grad Celsius. Damals erstreckte sich dieser Klimawandel aber über 10.000 bis 15.000 Jahre, so dass sich Flora und Fauna anpassen konnten. „Heute erreichen wir diese Erwärmung innerhalb von zwei Jahrhunderten“, so Walch. „Die Geschwindigkeit ist das Problem.“

Auf welche Veränderungen wir uns einstellen müssen, beschrieb Walch folgendermaßen:

• Es wird längere Witterungsperioden mit gleichartigem Wetter geben, wobei für Meterologen auch wechselhaftes Wetter, wenn es über einen längeren Zeitraum auftritt, als gleich bleibend bezeichnet wird.

• Die Feuchtperioden im Winter nehmen zu, die Sommer werden trockener. Das bedeutet, dass Wasserspeichersysteme nötig werden.

• Der Grundwasserspiegel wird sinken und für die Bewässerung vermutlich nicht mehr zur Verfügung stehen.

• In Süddeutschland ist mit einer Erwärmung um vier Grad Celsius zu rechnen. In den Hochlagen wird es mehr Schnee geben als jetzt.

• Die Sommer werden bis 2030 heißer. Besonders in den Städten wird es unerträglich heiß. Temperaturen über 30 Grad Celsius wie im Ausnahmesommer 2003 werden der Normalfall. Gleichzeitig gibt es mehr Gewitter und kräftigere Niederschläge.

• Am Ende des Jahrhunderts wird sich die Vegetationsperiode auf elf Monate ausgedehnt haben, was bedeutet, dass es für die Pflanzen keine Ruhephase mehr gibt.

• In der Landwirtschaft werden die Erträge zunehmen, aber die geringeren Niederschläge wirken sich negativ aus.

• Für die Torfwirtschaft wird der Torfabbau im Winter zunehmend schwieriger, weil es kaum noch Frost gibt. Dazu kommt, dass die Niederschläge im Herbst um etwa 30 Prozent zunehmen.

• Die Niederschlagsmenge übers Jahr bleibt in Mitteleuropa jedoch in etwa gleich, eventuell nimmt sie um zwei bis drei Prozent zu.

• Die Temperatur der Ostsee wird um drei Grad Celsius steigen. Die Ostsee wird damit zur Adria des Nordens. Die Landschaften rund um das Mittelmeer werden dagegen versteppen.

• In Hamburg wird dann ein Klima herrschen wie heute in Freiburg und Freiburg wird ein Klima wie im heutigen Marseille haben.

• Schneller als erwartet steigt der Meeresspiegel. Prognosen rechnen mit einem Anstieg des Meeresspiegels von ein bis zwei Metern. Ungewiss ist noch, wie sich das Auftauen der Permafrostböden auf das Klima auswirken wird.

Um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, forderte Walch dazu auf, dass jeder Einzelne bei sich anfange, seinen Energieverbrauch zu senken.

Professor Dr. Hermann Kuhlmann, Geschäftsführer der Yara Gmbh & Co. KG. in Dülmen zeigte die Entwicklung der Düngemittelpreise in den letzten Monaten und deren Ursache auf. Längerfristig prognostizierte er ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und moderatere Preissteigerungen auf hohem Niveau.

Der nächste Deutsche Torf- und Humustag findet am 22. Oktober 2009 statt.