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Kommentar: Pflanzenschutz – Besonderheit Baumschule

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Das Verbrauchermaganzin ÖKO-Test bemängelt in seiner jüngsten Ausgabe Pestizidbelastungen in Schnittrosen. Einige Kritikpunkte entsprechen den Tatsachen, bedürfen aber einer differenzierteren Betrachtung, ist sich Thomas Wiehler, Geschäftsführer des Erzeugerrings für Hochbaumschulpflanzen Bayern, sicher. Im letzten Teil der dreiteiligen Kommentarreihe beleuchtet der Fachmann die Besonderheit des Pflanzenschutzes in Baumschulen.

Baumschulen: zunehmende Zahl invasiver Schadorganismen

Im Rahmen der Klimaveränderungen und der Globalisierung ist seit einigen Jahren eine zunehmende Zahl invasiv auftretender (Quarantäne-)Schadorganismen festzustellen. Diese können auch auf im Freiland angebaute Baumschul- und Staudenpflanzen einwirken. Bei der Anzucht von Gehölzen sind gesetzliche Auflagen einzuhalten, weil diese Pflanzen ins öffentliche Grün, Gärten und die freie Natur gepflanzt werden. Hierbei ist das Einbringen von den Pflanzen anhaftenden Schaderregern und -insekten in neue Gebiete zu verhindern. Da der Staat für einzelne Erreger hier eine Null-Toleranz vorgibt, sehen sich die Gärtner verpflichtet, derartige Schädlinge beziehungsweise Erreger rechtzeitig, konsequent, effektiv und damit nachhaltig zu bekämpfen.

Pflanzenschutz Baumschule: Nützlinge nur begrenzt einsetzbar

Im Vergleich zum Anbau von Gemüse und Zierpflanzen im Gewächshaus sind bei der Kultur von Bäumen, Sträuchern und Stauden im Freiland alternative Bekämpfungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der effiziente Einsatz von Nützlingen nur bedingt möglich. Mag es in Einzelfällen funktionieren, gibt es neben anbautechnischen Gründen in Baumschulen Arbeitsspitzen, die einer rein biologischen Produktion entgegenstehen. Der in der Baumschulbranche von Kunden und vor allem dem Handel verursachte Preisdruck bei nicht rückstandsrelevanten Kulturen tut sein Übriges.

Nur wenige Pflanzenschutzmittel für Baumschulen zugelassen

Das Gesamtsortiment der deutschen Baumschul- und Staudenbranche umfasst über 300.000 Artikel – aus rund 25.000 Gehölzarten und -sorten sowie 15.000 Stauden in unterschiedlichen Größen und Anzuchtformen. Diese Vielfalt, der - im Vergleich zur Landwirtschaft - geringe Umfang (Hektarzahl) an Baumschulflächen und die nicht unerheblichen Gebühren bei der Pflanzenschutzmittelzulassung bedingen kaum lukrative Absatzmöglichkeiten für die Pflanzenschutzmittelindustrie.

Daher gibt es auch nur wenige Pflanzenschutzmittel, die ausdrücklich für Baumschulen zugelassen sind. Der Zulassung vorausgehenden Verträglichkeitsversuche für jede einzelne Kultur sind aufwendig und kostenintensiv. Baumschuler müssen deshalb häufig eigene - teils sortenspezifische - Erfahrungen sammeln. Von daher sind Baumschulen und Staudengärtner mehr als andere auf die zugelassenen Pflanzenschutzmittel angewiesen und benötigen hier eine entsprechend breite Auswahl.

Fazit: Ganz ohne chemischen Pflanzenschutz geht es nicht

Ganz ohne chemischen Pflanzenschutz wird es auf absehbare Zeit - zumindest in Baumschulen und Staudengärtnereien - kaum gehen. Der verbreitete pauschale Irrglaube "Chemie ist schlecht" und "keine Chemie ist gut" muss ad absurdum geführt werden. Vielmehr gilt es Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und ehrlich und sachlich fundiert aufzuklären. Ein erster Ansatz ist mehr auf regionale Ware zu setzen, bei der der Kunde idealer Weise den Produzenten persönlich kennt. Abschließend bleibt die Hoffnung, dass im Bereich des Pflanzenschutzes die Europäische Union irgendwann eine echte Einheit wird und ihre Bürger und Anbauer vor - nach hiesigen gesetzlichen Rahmenbedingungen - illegal produzierter Importware schützt.