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Koriander: Kraut gegen multiresistente Keime?

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Aus der Küche Südost- und Vorderasiens ist Koriander nicht wegzudenken, und das nicht erst in der Neuzeit – Archäologen fanden Überreste des Krautes sogar in Pharaonengräbern. In Mischkulturen locken seine Blüten Nützlinge an und der Geruch der Pflanzen hält Schädlinge fern. In der Medizin spielt vor allem Korianderöl eine Rolle.

Frisch geerntete und gewaschene Korianderblätter, fertig für die Weiterverarbeitung. Foto: Pixabay

Ätherische Öle wirken krampflösend

Der Ursprung des Korianders (Corindrum sativum) liegt in der Mittelmeerregion, und von dort aus verbreitete er sich beinahe weltweit. Auch in Zentraleuropa wurde bis ins Mittelalter hinein in beachtlichem Ausmaß Koriander angebaut. Man nutzte hier vor allem die Samen zur Verfeinerung von Speisen, besonders von Brotteig und Fleischgerichten.

In seiner Landgüterverordnung bestimmte Karl der Große im neunten Jahrhundert sogar ausdrücklich, dass in den Gärten des Landes Koriander angebaut werden sollte. Die Samen enthalten das ätherische Korianderöl, das in der Medizin vor allem äußerlich wegen seiner krampflösenden Wirkung verwendet wird.

Wunderwaffe gegen multiresistente Krankenhauskeime?

Eine weitere Eigenschaft des Öls könnte in Zukunft aber noch wesentlich interessanter sein: Wissenschaftler der Universität Beira Interior (Portugal) fanden heraus, dass das Korianderöl das Wachstum von zwölf Bakterienstämmen, darunter Kolibakterien, hemmt und daher bei Lebensmittelvergiftungen eingesetzt werden könnte.

Und auch bei den hochproblematischen multiresistenten Krankenhauskeimen (MRSA) zeigt es Wirkung. Es wäre also durchaus möglich, dass Korianderöl ein Baustein bei der systematischen Bekämpfung dieser gefährlichen Bakterien werden könnte.

Blätter sind Geschmackssache

Während die Samen des Korianders, die gemahlen ein wichtiger Bestandteil einiger Curry-Mischungen sind, allgemein als wohlriechend und auch wohlschmeckend angesehen werden, scheiden sich die Geister beim frischen Laub. Ungefähr 20 Prozent der Europäer empfinden den intensiv-würzigen Geruch als unangenehm. Das hat genetische Ursachen, wie man inzwischen weiß. In Asien und Afrika hingegen kennt man diese Abneigung nicht.

Korianderkraut ist ziemlich dominant und verträgt sich nicht mit den meisten anderen Gewürzen. Zusammen mit Kreuzkümmel und Minze erhalten Speisen aber das typische Aroma der arabischen Küche. Vor allem Fisch, Couscous und Reisgerichte profitieren von dem eigenwilligen Geschmackserlebnis.

Koriander auf einen Blick

  • Beim Koriander handelt es sich um ein einjähriges Kraut, das zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört.
  • Koriander bevorzugt einen humosen, auch kalkhaltigen Boden und einen sonnigen bis halbschattigen Standort.
  • Er eignet sich besonders gut für Mischkulturen, wie mit Kohl, da die Blüten Nützlinge anlocken und der Geruch der Pflanzen Schädlinge wie den Kohlweißling fernhält.
  • Sorten: ‘Jantar’ mit hohem Ölgehalt, ‘Calypso’ ist schnellwüchsig.

Dieser Beitrag ist Teil des neuen TASPO extra Genusspflanzen, das am 20. Juli in der TASPO 29/2018 erschienen ist.