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Landgard: Positive Geschäftsentwicklung, Diskussionen, personelle Konstanz

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Am 15. Juni 2021 hat die ordentliche Vertreterversammlung der Landgard eG stattgefunden – wie im Vorjahr als virtuelle Veranstaltung. Die Vorstandsmitglieder und der alte und neue Aufsichtsratsvorsitzende Bert Schmitz informierten die Presse am Folgetag über die Vertreterversammlung. Neben den Geschäftszahlen nahmen dabei Repliken auf die Vorwürfe der 21 Kündiger aus dem Obst- und Gemüsebereich (siehe TASPO 23/21) und auf die Presseberichte zu diesem Thema breiten Raum ein.

Der Aufsichtsrat und Vorstand bei Landgard blicken aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung optimistisch in die Zukunft. Foto: Landgard

Vorstellung der Geschäftsergebnisse

Carsten Bönig, Vorstand der Landgard eG, stellte zunächst die Geschäftszahlen für das Jahr 2020 vor. Landgard hat 2020 eine Umsatzsteigerung um 2,8 Prozent auf 2,069 Milliarden Euro (Vorjahr 2,012 Milliarden Euro) erzielt – „ein starkes Ergebnis, eine starke Leistung“, so Bönig. Davon entfielen 1,290 Milliarden Euro auf die Sparte Blumen & Pflanzen und 752 Millionen Euro auf die Sparte Obst & Gemüse. Die sonstigen Unternehmensbereiche trugen mit 27 Millionen Euro zum Gesamtumsatz der Landgard-Gruppe bei. Trotz höherer Kosten für die Umsetzung von umfassenden Hygienekonzepten und für Restrukturierungsmaßnahmen lag das Ergebnis vor Steuern (EBT) bei 6,6 Millionen Euro.

Gleichzeitig konnten die Bankverbindlichkeiten weiter stark reduziert werden, berichtete Bönig. Sie verringerten sich um 30 Millionen Euro auf 113 Millionen Euro und die Nettoverschuldung sogar um 45 Millionen Euro. Parallel dazu stieg die Quote des wirtschaftlichen Eigenkapitals auf 19 Prozent. Hier wirkt sich unter anderem positiv aus, dass die Anzahl der von den Mitgliedsbetrieben gehaltenen Geschäftsanteile bei einer insgesamt stabilen Mitgliederentwicklung wie schon in den Jahren zuvor weiter gestiegen ist. Bönig erwähnte, dass Landgard Mitte Januar und damit ein Jahr vor dem möglichen Ablauf der bisherigen Finanzierung eine langfristige Anschlussfinanzierung abgeschlossen hat. Die Finanzierungsverlängerung hat eine maximale Laufzeit von fünf Jahren. Dies schaffe frühzeitig Planungssicherheit, so der Vorstand. Die Tilgung wurde von 20 auf 12,5 Millionen Euro reduziert, um höhere Mittel für Investitionen zur Verfügung zu haben. Bönig nannte eine geplante Investitionssumme von 120 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre, davon rund die Hälfte für die IT-Infrastruktur, Weiteres für Gebäude und Logistik.

Positive Entwicklung wird 2021 fortgesetzt

Die erfreuliche Geschäftsentwicklung setzt sich auch im laufenden Jahr fort. Das zeigen die wichtigsten Kennzahlen für 2021, die Bönig präsentierte. Der Umsatz von Landgard ist im ersten Quartal 2021 um 21 Prozent auf 508,5 Millionen Euro (Vorjahr 420,3 Millionen Euro) gestiegen und liegt damit auch deutlich über den Planzahlen für das erste Quartal und der Marktentwicklung. Bis einschließlich Mai liegt der kumulierte Umsatz bei 1,112 Milliarden Euro und damit um 120 Millionen Euro über Vorjahr sowie 81,4 Millionen Euro über Plan. Das Geschäftsfeld Blumen & Pflanzen konnte den unkonsolidierten Umsatz im ersten Quartal 2021 um 28,6 Prozent auf 386,9 Millionen Euro (Vorjahr 300,9 Millionen Euro) steigern. Im Geschäftsfeld Obst & Gemüse stieg der unkonsolidierte Umsatz im ersten Quartal 2021 um 9,3 Prozent auf 223,6 Millionen Euro (Vorjahr 204,6 Millionen Euro), er liegt damit ebenfalls über Plan. Der bisherige Verlauf der Corona-Krise hat laut Bönig gezeigt, dass Landgard als starke Genossenschaft selbst eine so außergewöhnliche Herausforderung wie die Corona-Pandemie erfolgreich meistern kann.

Landgard nimmt Stellung zu Kritik und Kündigungen

Der in Presseberichten erwähnten Kritik, Landgard sei zu teuer, begegnete Bönig mit Zahlen. Sowohl die Personal- als auch die Sachkostenquote (in Prozent vom Bruttoumsatz) seien 2020 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Beide Quoten liegen unter dem Durchschnittswert vergleichbarer Unternehmen, betonte Bönig. Auch bei dem Umsatz pro Verwaltungs-Arbeitskraft sei Landgard besser als der Durchschnitt. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen sei stabil und spiegele den Strukturwandel in der Branche wider, sagte Bönig. Die Anzahl der Geschäftsanteile nehme durch die Vergrößerung von Betrieben zu. Der Umsatz der heimischen Obst- und Gemüseerzeuger ist laut Bönig von 2015 bis 2020 um 5,6 Prozent auf 174,9 Millionen Euro gestiegen. In der Region West waren es plus 5,9 Prozent, bei Gemüse in der Region West plus 5,5 Prozent. Der Durchschnittspreis für Obst und Gemüse habe sich 2020 gegenüber dem Vorjahr erhöht. Die Ergebnisse der wesentlichen Geschäftseinheiten seien 2020 positiv gewesen.

Angesichts all dieser Zahlen sehe er keinen Grund, bei Landgard zu kündigen, erklärte Bönig. Die erfolgten Kündigungen seien nicht zu verstehen, die Vorwürfe seien haltlos. Er forderte Kritiker und Presse auf, bei den Fakten zu bleiben, da die Genossenschaft sonst Schaden nehme. Nach Ansicht von Robert Sauer, Vorstand für die Sparte Obst & Gemüse, hat die Presse zu diesem Bereich in jüngster Zeit viele Fehlinformationen geliefert. Dadurch schade sie sich selbst. Seine Einschätzung zum Fortgang des Kündiger-Themas: „Die Sau läuft sich tot.“

Sauer erklärte, dass es einen Dialog mit den Kündigern gebe. Das Angebot zu einem „Runden Tisch“ sei angenommen worden. Einige Gärtner hätten beim Thema Kündigung offenbar eine schwankende Meinung. Bönig ergänzte, dass es neben „echten“ Kündigern auch gesprächsbereite Betriebe gebe. Den Jahresumsatz der aktuellen Kündiger-Gruppe bezifferte er auf 65 Millionen Euro. Dies sei zwar nicht wenig bei rund 175 Millionen Euro Inlandsumsatz mit Obst und Gemüse, Landgard sei aber „locker in der Lage“, dies in einem Jahr zu kompensieren. Man habe „Maßnahmen im Gepäck“.

Vorstand und Aufsichtsrat werden entlastet

Die Vertreter*innen konnten sich bei der Versammlung per Video, Telefon oder Chat mit Redebeiträgen einbringen. Die erforderlichen Abstimmungen erfolgten in Echtzeit. Schmitz erklärte, dass es in der Vertreterversammlung durchaus viele Wortbeiträge gegeben habe, dies sei ein demokratischer Vorgang. Er übte scharfe Kritik an „ungefilterten, unfairen“ Presseberichten mit Schmähkritik. Bönig meinte, dass die Diskussionen auf der Vertreterversammlung durch vorangegangene Presseberichte ausgelöst wurden. Die Kritik sei aber vollständig ausgeräumt worden, erklärte der Vorstand.

Der 2020 amtierende Vorstand wurde im Rahmen der Vertreterversammlung mit einer Ausnahme entlastet. Die Entlastung von Labinot Elshani wurde vertagt. Im Geschäftsjahr 2020 bestand der Vorstand der Landgard eG zunächst aus Armin Rehberg (Vorsitzender, bis zum 25. März 2020) und Carsten Bönig. Mit Wirkung zum 23. März 2020 wurden Dirk Bader für die Sparte Blumen & Pflanzen und Labinot Elshani (bis zum 14. Juli 2020) für die Sparte Obst & Gemüse in den Vorstand der Landgard eG berufen. Zum 14. Juli 2020 wurde Karl Voges interimistisch als Vorstand für die Sparte Obst & Gemüse in den Vorstand der Landgard eG berufen (bis 31. März 2021). Mit Wirkung zum 1. April 2021 wurde Robert Sauer als Vorstand für die Sparte Obst & Gemüse in den Vorstand der Landgard eG berufen.

Die Vertreter*innen der Erzeugergenossenschaft entlasteten auch den Aufsichtsrat. Dies geschah allerdings nicht einstimmig, sondern „mit deutlicher Mehrheit“, so Schmitz – wie viele Gegenstimmen es genau gab, sei eine interne Information und „interessiert keinen“. Zudem stellten die Vertreter*innen den Jahresabschluss der Landgard eG für das Geschäftsjahr 2020 fest und beschlossen den Vorschlag zur Gewinnverwendung wie vorgestellt.

Zusammensetzung des Aufsichtsrats bei Landgard

Die turnusgemäß ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder Willi Andree und Dirk Schwichtenberg wurden von den Vertreter*innen wiedergewählt. Konrad Schwarz hat sein Aufsichtsratsmandat vorzeitig niedergelegt, das Mandat ist vorerst vakant. Damit besteht der Aufsichtsrat der Landgard eG aus den Arbeitnehmervertreter*innen Sonja Brink, Hilko Dahlke, Martin Flintrop, Wolfgang Schubert (Vertreter der leitenden Angestellten), Sylvia Wegelin und Peter Zander sowie den Erzeuger*innen Willi Andree, Manfred Rieke, Bert Schmitz, Dirk Schwichtenberg und Andrea Velmans.

Bert Schmitz wurde in der anschließenden konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrates einstimmig erneut zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Landgard eG gewählt, er hat dieses Amt seit 2012 inne. Auch die bisherigen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Hilko Dahlke und Willi Andree wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

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