Alle News

LEDs für schmackhafte Tomaten im Winter

, erstellt von

Regionale Produktion von Tomaten für eine ganzjährige Belieferung: Das funktioniert am Standort Neurath bei Grevenbroich mit LED-Belichtung. Die TASPO war bei den Neurather Gärtnern Wilhelm Baum und Carsten Knodt zu Besuch.

Die Neurather Gärtner, das sind neben Baum, der für Administration und Kommunikation zuständig ist, und Knodt, der sich um den Vertrieb kümmert, auch Dirk Driessen (Kulturstrategie) und Matthias Draek (Verpackung und Logistik) als Gesellschafter.

Bessere Steuerung der Kultur

Ohne zusätzliche fossile Energie Tomaten-Anbau betreiben, weitestgehend biologischen Pflanzenschutz einsetzen und effiziente modernste Technik verwenden, das sind ihre Prinzipien. Heizen mit Abwärme vom RWE-Kraftwerk und eine Ganzjahresproduktion kommt nur mit Belichtung in Frage. Warum LED? „Der Grundgedanke liegt nahe, nämlich Energie einzusparen. Und der nächste Hauptgedanke war, eine bessere Steuerung der Kultur zu erzielen“, sagt Carsten Knodt. 

Im Neurather Betrieb hängen über den Kulturen Son-T, also Hochdrucknatriumdampflampen. Deren Lichtausbeute kann aber gar nicht bis in die unteren Bereiche der Pflanze und Blätter vordringen, wirkt nur an der Spitze und vielleicht im oberen Meter. Darunter fehlt dann entsprechend Licht. „Wir haben uns für eine Hybridbeleuchtung entschieden“, erklärt Baum im Gespräch mit der TASPO. Dabei hängen die LED-Module mitten in den Kulturen. So können sie Licht und Wärme direkt aufs Blatt geben. 

LED-Belichtung spart Strom 

Ein weiteres Hauptargument, sich für LEDs zu entscheiden, ist der Strompreis, so Baum. Im Vergleich zu niederländischen Kollegen, die nur fünf Cent je Kilowattstunde aufbringen müssen, sind in Deutschland 15 bis 17 Cent fällig. Denn neben dem reinen Strompreis kommen Steuern und EEG-Umlage dazu. Daher fiel auch die Entscheidung zur stromsparenden LED-Belichtung.

In den Niederlanden rechnet man mit 13,50 Euro Stromkosten je Quadratmeter. Hier sind es 43 Euro. Entsprechend muss die Differenz von 30 Euro je Quadratmeter durch die im Winter belichteten und verkauften Mengen im Vergleich zu den Niederlanden wieder hereingeholt werden. Entsprechende Anfragen nach regionaler Ware, lieferbar im gesamten Jahr, kamen aus dem Lebensmitteleinzelhandel. 

Durchgerechnet ergeben sich über 100 Euro je Quadratmeter für die Belichtung in LEDs und Son-T. „Wir haben also hier 7,5 bis acht Millionen Euro zum Nachrüsten in die Belichtung investiert.“ Entsprechend müssen die Produktpreise für regionale Ware im Winter ausfallen. Und die Verbraucher müssen ebenfalls bereit sein, für regionale, gut schmeckende Ware Geld auszugeben. 

Sortenwahl mitentscheidend für Verbraucherakzeptanz

So steht die Regionalität der Ware immer im Vordergrund. Weiterhin stellen die Neurather Gärtner heraus, dass sie „Grünen Strom“ verwenden. Und natürlich ist die Sortenwahl mit entscheidend für die Akzeptanz bei den Verbrauchern. Denn nur für ein überzeugend schmeckendes Produkt im Winter sind sie bereit, entsprechende Preise zu bezahlen. Frische und Geschmack sind die Vorteile.

Und hier unterstützt die LED-Belichtung mit weiteren Vorteilen: Deutliche Widerstandsfähigkeit der Pflanze, eine dickere Cuticula, Pilze können weniger leicht angreifen, mehr Inhaltsstoffe, mehr Vitamin C und Geschmacksstoffe, die innere Qualität steigt. Im direkten Geschmacksvergleich von beispielsweise ‘Sweetelle’ schneidet die belichtete Tomate mit intensiverem Geschmack ab.

Warum haben sich die Neurather Gärtner für Philips Lighting (NL-Eindhoven) entschieden? In aller Welt stehen etwa 100 Hektar unter LED-Belichtung, berichten sie. Philips und die niederländische Universität Wageningen haben bisher viele Erfahrungen gesammelt. Und Philips hatte die passenden Produkte für ihre Hybridbeleuchtung. 

Lichtstärken vertraglich definiert

Der Spezialist bietet je nach Kultur die passenden Lichtrezepte an. Mitentscheidend war auch die Frage, wer in der Lage ist, Belichtung für 5,5 Hektar liefern zu können. Vertraglich haben sie definiert und festgehalten, welche Lichtstärken sie in der Kultur benötigen, und zur Erfüllung wird entsprechend jedes Jahr gemessen, kontrolliert und nachjustiert, eventuelle schadhafte Module ausgetauscht. 

Eingesetzt werden im Betrieb auf Tomaten abgestimmte LED-Module. Rotes und blaues Licht, eine blaue Diode auf vier rote, was aber noch nichts über das tatsächliche Spektrum oder die Lichtausbeute aussagt. Ein einheitliches System ist im Betrieb installiert: mit 2,50 Metern und am Rand mit Zwei-Meter-Elementen. Sie sind flexibel aufgehängt und wirken jeweils im für die Fotosynthese aktivsten Teil der Pflanzen. Nur rund 25 Prozent wird als Wärme abgegeben.

Potenzial der LEDs noch nicht ausgeschöpft

Die Interlight LED-Module-Generation 3 HO sind Hochleistungsmodule. Sie erzeugen 300 Mikromol pro Sekunde je Modul, entspricht 75 Mikromol pro Sekunde je Quadratmeter. 112 Mikromol pro Sekunde je Quadratmeter ist die Ausbeute bei der Philips Master Son-T Pia Green Power-Natriumdampflampe. 

Die Zukunft der LEDs biete noch viel Potenzial, meinen die Neurather Gärtner. „Wir stehen noch ganz am Anfang, die Möglichkeit einer passgenauen Belichtung lässt sich weiter ausbauen. Genau abgestimmtes Lichtspektrum und steuerbare Wellenlänge für jede Sorte, jede Kulturphase, vieles mehr ist mit LEDs möglich“, so Baum.