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Logistik: Droht der Transport-Infarkt?

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Frachtraum wird immer knapper, gleichzeitig hat sich der Güterverkehr in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet. Bis 2030 wird ein Anstieg auf 838 Milliarden Tonnenkilometer erwartet. Das bleibt nicht ohne Folgen.

„Es hat nicht alles Sinn und Verstand, was an Transport durch Europa stattfindet“, findet Logistikexperte Carsten Hemme. Symbolfoto: Pixabay

Personalnotstand als Hauptproblem

Von 400 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 1991 stieg der Gütertransport bis 2015 auf 650 Milliarden Tonnenkilometer, erklärt Carsten Hemme. Als Geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Paneuropa und Mitglied in verschiedenen Gremien des Transportbereichs kennt der Logistikexperte die zunehmende Knappheit an Frachtraum, die immer weiter wächst.

Ein Hauptproblem sei der Personalnotstand, vor allem an Lkw-Fahrern, von denen viele aus Osteuropa und insbesondere Polen stammen. Hemme geht davon aus, dass in den nächsten Jahren 70 Prozent von ihnen wegen der dortigen guten wirtschaftlichen Lage in ihre Heimatländer zurückkehren werden und nur wenige nachrücken.

Transport-Kapazitäten werden immer knapper

Ein weiteres Problem sei der demografische Wandel in Deutschland, jährlich gingen 60.000 Fahrer in den Ruhestand, und nur 20.000 würden neu ausgebildet. Die Transport-Kapazitäten werden daher immer knapper werden, der Transport teurer und die Laufzeiten länger.

Ursachen für die Probleme seien aber nicht nur knappe Arbeitskräfte, sondern auch eine schlechte Organisation. „Es hat nicht alles Sinn und Verstand, was an Transport durch Europa stattfindet“, so Hemmes klare Worte. Viele Güter würden mehrfach über die Straßen quer durch Europa transportiert, bis sie zum Verbrauch oder zur Weiterverarbeitung beim Kunden angelangten.

Mancherorts penible Kontrollen von ausländischen Lkw

Außerdem seien die Standzeiten vor dem Be- und Entladen oft viel zu lang, manchmal müssten die Fahrzeuge drei bis sechs Stunden warten. Die EDV-Programme der Logistiker und ihrer Kunden seien zu vielfältig und nicht aufeinander abgestimmt. Ein weiteres Problem sei Protektionismus, in manchen Staaten werden ausländische Lkw besonders penibel kontrolliert und zum Teil mit Strafen wegen kleiner Formfehler in den Papieren belegt.

Eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene könnte zwar eine Entlastung des Lkw-Verkehrs bringen, dafür sei die Deutsche Bahn allerdings nicht flexibel genug. Die Transport-Kapazitäten seien sehr knapp und müssten langfristig vorbestellt werden. Auch bei der Pünktlichkeit der Bahn haperte es, man habe schon Pünktlichkeitsquoten von nur 40 Prozent erlebt.

Berufe in der Logistik attraktiver machen

Daneben leide aber auch die Bahn unter Personalknappheit, bei den Lokführern gebe es ähnliche Nachwuchs-Schwierigkeiten wie bei den Lkw-Fahrern. Im länderübergreifenden Bahnverkehr sei ein Problem, dass es anders als beim Luftverkehr keine gemeinsame Verkehrssprache gebe, sondern der Lokführer die Sprache jedes jeweiligen Landes beherrschen müsse, in das er seine Lok fährt.

„Wir sind kurz davor, unsere Güter nicht mehr zum Kunden bringen zu können“, warnt Hemme und fordert, die Berufe in der Logistikbranche attraktiver zu machen. Als Hauptaktionsfeld für eine Sicherung des Gütertransports nennt er aber eine bessere Zusammenarbeit im Transportwesen.