Management-System zur gezielten Bestäubung

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Der gezielte Einsatz von Insektenbestäubung beim Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen kann Ertrag und Biodiversität fördern. Foto: Pixabay

Erhöhter Ertrag und gesteigerte Biodiversität: Um auch im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau von den Vorteilen der Insektenbestäubung profitieren zu können, entwickeln Forscher der Universität Bonn derzeit ein Management-System zur gezielten Bestäubung. 

Neue Perspektiven für den Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen

Die Nachfrage an in Deutschland produzierten Rohstoffen für die Herstellung pharmazeutischer und kosmetischer Produkte sowie Nahrungsergänzungsmitteln ist deutlich spürbar. Doch bislang schwanken die Erträge der 125 hierzulande angebauten Arznei- und Gewürzpflanzenarten stark. Hier setzt die Universität Bonn mit Ihrem Projekt an: die Wirtschaftlichkeit der Produktion soll durch den Einsatz der Insektenbestäubung verbessert, der Ertrag stabilisiert und gesteigert werden. Was im Obst- und Gemüsebau oder der Saatgutvermehrung längst übliche Praxis ist, könnte dadurch auch im Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen Anwendung finden.

Universität Bonn erfasst Insektenspektrum

Der Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe/Arzneipflanzen und die Professur für Agrarökologie und Organischen Landbau der Universität Bonn erfassen im Zeitraum von 2017 bis 2020 das Spektrum der Insekten. Die Tiere besuchen und bestäuben drei Versuchskulturen, Fenchel, Lein und Bohnenkraut. Dadurch sollen zum einen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Insektenarten für den Arznei- und Gewürzpflanzenanbau geeignet sind, aber auch welchen Einfluss die Insektenbestäubung auf die Erntemenge und –qualität hat.

Bislang ist lediglich bekannt, dass sich die Insektenbestäubung allgemein positiv auf den Ertrag und die Qualität von Obst- und Gemüsekulturen auswirkt, wobei erste Untersuchungsergebnisse zeigen, dass diese Tendenz auch bei den Arzneipflanzen Fenchel und Lein zutreffend ist.

Erhöhte Biodiversität durch Insektenbestäubung

Neben den wirtschaftlich günstigen Effekten wirkt sich der Einsatz von Insekten ebenfalls positiv auf die Biodiversität aus. Neben den Insekten selbst, deren Artenzahl sich durch den vermehrten Anbau von Kräutern erhöht, sind auch Vorteile für benachbarte Kulturen zu erwarten.

Um eine Faunenverfälschung zu vermeiden, werden im Rahmen der Untersuchungen ehemals heimische Insektenarten gefördert und wieder angesiedelt. Auf gezüchtete Hummeln, wie sie in den Gewächshäusern des Obst- und Gemüseanbaus häufig eingesetzt werden, verzichtet das Projekt. Ebenso ist auch der ausschließliche Einsatz von Bienen nicht geplant.

Management-System für die Bestäubung

Entstehen soll am Ende ein Management-System zur gezielten Bestäubung durch Insekten, welches den Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen nachhaltig verbessern soll. Die Ergebnisse fließen dann in Praxisanleitungen oder Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität ein.

Weitere Informationen über das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderte Projekt können Sie auf der Homepage des Projektträgers, der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), einsehen.


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