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Marmorierte Baumwanze breitet sich immer weiter aus

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Bislang trat die Marmorierte Baumwanze im Bundesgebiet nur im süddeutschen Raum auf. Jetzt ist der Schädling, der im Obst- und Gemüsebau Ernteverluste in Millionenhöhe verursachen kann, auch in Beständen im ökologischen Fruchtgemüseanbau in Nordrhein-Westfalen aufgetaucht. Gleichzeitig konnte jetzt erstmals die Samuraiwespe als natürlicher Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze in Deutschland nachgewiesen werden.

Die Marmorierte Baumwanze stammt ursprünglich aus China. Foto: Dr. Olaf Zimmermann/LTZ Augustenberg

Samuraiwespe im Raum Heidelberg entdeckt

Wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) meldet, fanden Mitarbeiter des LTZ die nur zwei Millimeter große Schlupfwespe Trissolcus japonicus im Raum Heidelberg. Damit wurde der auch als Samuraiwespe bekannte Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze (Halyomorpha halys), der in Asien zusammen mit weiteren natürlichen Feinden den Schädling in Schach hält, erstmalig in der Bundesrepublik nachgewiesen. Das LTZ Augustenberg geht davon aus, dass die jetzt gefundenen Samuraiwespen zusammen mit der Marmorierten Baumwanze nach Deutschland verschleppt wurden.

Dem LTZ zufolge besteht damit für den erwerbsmäßigen Obst- und Gemüsebau die Hoffnung, dass sich die Samuraiwespe, welche die Eier von Halyomorpha halys parasitiert, im Bundesgebiet etabliert. Zudem will das LTZ nach eigenen Angaben in einem Forschungsprojekt erarbeiten, wie der natürliche Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze hierzulande in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden kann. Im Rahmen des bundesweiten, von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger betreuten Projekts ProgRAMM untersucht und kartiert das LTZ Augustenberg bereits seit vergangenem Jahr invasive Schadinsekten und konnte für invasive Wanzen bislang über 8.000 Nachweise in Deutschland erfassen.

Marmorierte Baumwanze vermutlich 2004 aus China eingeschleppt

Die aus China stammende Marmorierte Baumwanze wurde den Experten zufolge vermutlich bereits 2004 in Europa eingeschleppt und stellt seither eine massive Bedrohung für den europäischen Obst- und Gemüsebau dar. Der Schädling, der an Blättern und Früchten von über 300 Pflanzenarten aus allen Kulturbereichen saugt, war laut LTZ Augustenberg im vergangenen Jahr allein in Südtirol für Ernteverluste in Höhe von über 500 Millionen Euro verantwortlich. In Deutschland richtete Halyomorpha halys in den letzten Jahren demnach vor allem in Südbaden und der Bodensee-Region Schäden im Obst- und Gemüsebau an.

Wie die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bekanntgab, wurde die Marmorierte Baumwanze jetzt auch in Beständen im ökologischen Fruchtgemüseanbau in NRW nachgewiesen. Da sich der Einsatz der Samuraiwespe hierzulande noch im Versuchsstadium befinde und im ökologischen Fruchtgemüseanbau der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel nicht zulässig ist, bleibe laut Landwirtschaftskammer zur Reduzierung von Halyomorpha halys sowie der ebenfalls in NRW nachgewiesenen Grünen Reiswanze (Nezara viridula) nur eine Kombination verschiedenster Maßnahmen. Dazu gehört den Angaben zufolge etwa die Nebenwirkung des Fangens der zufliegenden Wanzen beispielsweise durch Pheromon-Fallen, die sicherlich ihre Hauptwirkung eher im Befallsmonitoring haben.

Beauveria bassiana zur Bekämpfung von invasiven Wanzen

Ebenfalls können insektenparasitierende Pilze (Beauveria bassiana), die beispielsweise als biologisches Insektizid unter dem Produktnamen Naturalis erhältlich sind, ein Baustein in der nicht chemisch-synthetischen Reduzierung der invasiven Schädlinge im Fruchtgemüseanbau Unterglas darstellen. „Die Herausforderung beim Einsatz von Naturalis ist die ausschließliche Kontaktwirkung, was bedeutet, dass ich das Tier zum einen mit dem Mittel direkt treffen muss“, wie die Experten der Landwirtschaftskammer erklären. Zum anderen brauche der Pilz eine Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent, um sich zu entwickeln. Darüber hinaus sollte nach dem Einsatz ein Nachbesatz mit Macrolophus stattfinden, da der Pilz nicht nur gegen schädliche Wanzen wirke, sondern auch die Population der unter anderem zur biologischen Bekämpfung der Weißen Fliege im Gartenbau eingesetzten Raubwanze gefährde.

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