Alle News

Mehrgefahren-Versicherung: Eckpunkte erarbeitet

Eines der zentralen Themen auf der Sommertagung der Bundesfachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse in Weimar war die Möglichkeit einer Mehrgefahrenversicherung im Obstbau. Die Bundesfachgruppen Obst und Gemüse haben gemeinsam mit der Vereinigten Hagelversicherung ein Eckpunktepapier für eine Mehrgefahren-Versicherung erarbeitet. Die Bundesfachgruppen möchten mit dieser Versicherung die Risiken des Klimawandels absichern und über die Bundes- länder eine EU-konforme, finanzielle Unterstützung für die Prämien durchsetzen. Anders als in Deutschland erhalten die Anbauer in mehreren europäischen Ländern staatliche Unterstützung zu ihren Versicherungsprämien, etwa in Frankreich, Österreich, Litauen und Italien, erläutert Michael Lösche von der Vereinigten Hagelversicherung gegenüber der TASPO. Bis zu 50 Prozent Förderung für die Hagelversicherung sei laut EU-Recht möglich, Südtirol erhalte für seine Mehrgefahrenversicherung sogar eine bis zu 80-prozentige Unterstützung. In Deutschland gab es nur in einem Bundesland eine finanzielle Unterstützung: Von 2001 bis 2006 gewährte das Land Baden-Württemberg eine Hagelförderung für alle Obstkulturen außer Erdbeeren.

Das Wetterrisiko sei für die Anbauer ein sehr hohes Risiko, betont Lösche, besonders für die Sonderkulturen. Bedingt durch den Klimawandel nehmen die lokalen Schadenfälle in den letzten Jahren zu. Während aber bestimmte Wetterereignisse in der Landwirtschaft kaum einen Schaden verursachen, kann dasselbe Ereignis bei Obst- und Gemüsekulturen zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen, weil die Produkte nicht mehr zu vermarkten sind. Zurzeit können die Sonderkulturen Obst und Gemüse jedoch nur gegen Hagel versichert werden. Zwar ist Hagel nach wie vor Hauptschadenverursacher, auf den Rängen zwei und drei folgen jedoch Starkregen und Sturm. Frost spiele in Deutschland dagegen keine große Rolle.

Wie Gerhard Kneib, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau, auf der Sommertagung einräumte, sei hier noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um die politische Ebene dazu zu bringen, die Förderung entsprechend anzupassen. Der auf der Tagung anwesende Staatsekretär im thüringischen Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Stefan Baldus, äußerte sich hingegen skeptisch. Es bestehe auf politischer Ebene der Konsens, dass frühestens 2013 Änderungen an der bisherigen Förderpraxis möglich sein werden.